O 59 Södler

Complete identifier

HStAD, O 59 Södler

Fonds


Identification (short)


Title Title
Nachlass Södler
Life span Life span
1913-1921, 2000

Fonds data


Custodial history Custodial history
Der Nachlass des Pfarrers WILHELM Ernst Eberhard Södler (1892-1934) wurde dem Staatsarchiv Darmstadt im Juli 2024 von seinem Enkel Helge Södler überlassen (AZB 84/2024).
History of creator History of creator
Ernst Eberhard WILHELM Södler wurde am 14. März 1892 als Sohn des Lehrers Wilhelm Södler und seiner Ehefrau Susanne Södler geb. Koch in Atzenhain geboren. Nach dem Abitur an der Großherzoglichen Augustinerschule in Friedberg im Jahr 1912 begann Wilhelm Södler sein Theollgiestudium an der Universität Gießen. Dort schloss er sich der Wandervogelbewegung in der Vereinigung "Freibund" an. Zu Beginn des Sommersemesters 1913 wechselte er an die Universität Leipzig. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Södler am 25. November 1914 zum Landsturm-Ersatzbataillon nach Friedberg einberufen und im Februar 1915 zum Landwehr-Infanterieregiment 87 in Merxheim versetzt und dort verwundet, so dass er bis Mitte 1916 im Lazarett Bad Nauheim, dann Mainz, verbleiben musste. Aufrund seiner langen Krankheit teilte man ihn dem Ersatz-Bataillon, I. Genesungsbatterie, in Höchst zu. Im September 1916 kam Wilhelm Södler an die Westfront nach Frankreich in die Nähe von Verdun und wurde im Mai 1917 in den Osten nach Wilna verlegt, dann wieder als Füsilier beim Stab der 21. Infanterie-Division bis zu deren Auflösung 1918 nach Frankreich. Nach dem Krieg nahm Södler sein Theologiestudium in Gießen wieder auf, das er nach Besuch des Predigerseminars in Friedberg 1920 abschloss. Er wurde 1920 zum Pfarrvikar in Nidda, ein Jahr später zum Pfarramtskandidaten, dann Pfarrer n in Neu-Isenburg berufen; 1922 wechselte der Pfarrer in das Kirchspiel Stumpertenrod und lernte in Ulrichstein seine spätere Ehefrau Ottilie Behrmann (1896-1935) kennen, deren Eltern das dortige Gasthaus zur Traube betrieben. In Stumpertenrod blieb die Familie bis 1929, dann wechselte auf die Pfarrstelle des Kirchspiels Hopfgarten. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten schloss sich Wilhelm Södel den sogen. Notbundpfarrern, d. h. dem Lager der Bekennenden Kirche an, was schon bald Übergriffe auf ihn durch den Ortspolizisten und SA-Sturmbannführer Grünewald zur Folge hatte. Trotz der Androhung von Haft in Osthofen und Dachau verweigerte Södler den "Deutschen Gruß" und die Hissung der Hakenkreuzfahne am Pfarrhaus. Im Mai 1934 stürmte ein SA-Trupp in seinen Abendmahlsgottesdienst in der Kirche in Hopfgarten und ordnete das künftige Fernbleiben der SA-Leute von Södlers Gottesdiensten aufgrund dessen defätistischer Haltung und Predigten an. Bereits im Juni 1934 kam es zur Verschleppung und Inhaftierung des Pfarrers für drei Wochen sowie zu wiederholten nächtlichen Hausdurchsuchungen, bei denen die Tagebücher Södlers ab dem Jahr 1922, Bücher und Schriftstücke konfiziert wurden. Als sich Wilhelm Södler am 2. September 1934 wegen eines kleinen chirurgischen Routine-Eingriffs in die Klinik nach Gießen begab, kehrte er nicht, wie beabsichtigt, am gleichen Tag wieder nach Hause zurück, sondern erkrankte mysteriöserweise ernstlich und verstarb am 20. September, zunächst an der Todesursache "Nierenversagen", dann in "Folge eines Kriegsleidens und einer schweren Verwundung". Sein Sarg durfte nicht geöffnet werden werden. Nach Södlers Tod zogen die Witwe und ihre beiden Söhne Wilhelm (1926-2022) und Walter (* 1927) zu den Großeltern nach Lauterbach. Ottilie Södler erkrankte im Mai 1935 zu Besuch bei ihren Eltern Behrmann in Ulrichstein an Blinddarmentzündung und wurde in der chirurgischen Klinik in Gießen operiert. Zwei Wochen später - der Entlassungstermin stand schon fest - erkrankte sie plötzlich und unerwarteterweise erneut schwer und verstarb am 15. Juni 1935 in Gießen an "Nierenversagen". Zur Todesursache gab es widersprüchliche Aussagen. Auch Ottilie Södlers Sarg durfte nicht geöffnet werden - die Gestapo hatte es verboten, wie sich nach dem Krieg herausstellte.
Includes u.a. Includes u.a.
Tagebücher von Pfarrer Wilhelm Södler, 1913-1919; Auswertung der Tagebücher durch Sohn WILHELM Otto Adolf Södler "Aus dem Leben meiner Eltern und die Tagebücher meines Vaters ..."
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Extent Extent
verzeichnet 0,500 m (Stand August 2024) - unverzeichnet 0,000 m (Stand August 2024)