E 44

Complete identifier

StadtA HG, E 44

Fonds


Identification (short)


Title Title
Nachlass Ludwig Paul Erfurth
Life span Life span
1839 bis 1921

Fonds data


Custodial history Custodial history
Im Februar 2006 von Ursula Stahl (Ururenkelin von Herman Ludwig Paul Erfurth) dem Stadtarchiv überlassen
History of creator History of creator
Geboren: 23. Mai 1839 in Bösau (später Friedrichslager) bei Beuthen a/Oder, Kreis Freistadt, (Preußen, Provinz Schlesien, Regierungsbezirk Liegnitz, Landkreis Glogau, pol. Glogów).
Gestorben: 15. November 1921 in Blankenburg (Harz)
Vater: Christian Friedrich Erfurth, geb. 12. Juli 1804 in Halbau (Schlesien), gest. 16. Juli 1877 in Berlin.
Mutter: Luise Auguste Antonie geb. Zäppernick, geb. 15. April 1815 in Berlin-Schönefeld, gest. 26. Oktober 1892 in Berlin.
Heirat am 14. Juni 1864, in Steinau-Oder, mit Leopoldine Maria Sophie Richter, geb. 4. November 1835 in Breslau, gest. 7. Januar 1918 in Blankenburg (Harz)
Kinder: Viktoria, geb. 3. Dezember 1866; Helene, geb. 25. Juni 1870; Paul Alexander, geb. 9. August 1873 in Homburg v.d.Höhe.
Lehrer, Rektor an der „Allgemeinen Bürgerschule“ in Homburg (1869 – 1874), Kreisschulinspektor in Meseritz (1874 – 1879), königlicher Schulinspektor und Rektor der Charlottenschulen in Potsdam (1879 – 1904)

Herman Ludwig Paul Erfurth, wurde am 23. Mai 1839 als Sohn des Wirtschaftsinspektors Christian Friedrich Erfurth und seiner Ehefrau Luise Auguste Antonie Erfurth, geb. Zäppernick in Bösau geboren. In Bösau brachte er die ersten acht Jahre seines Lebens zu und besuchte die Dorfschule in Großwürbitz. 1849 zog die Familie zunächst nach Breslau, 1850 ging es nach Lindau bei Neustädtel, Kreis Freistadt in Niederschlesien. An Schulbesuchen schlossen sich an: bis zur 9. Klasse die Dorfschule in Rückersdorf, bis zur 11. die Rektoratsschule in Beuthen a/Oder und später die Stadtschule in Neustädtel. Sein Wunsch in das Gymnasium in Groß-Glogau einzutreten erfüllte sich nicht, da seine Eltern inzwischen mittellos geworden waren.
Von 1856 bis 1862 besuchte Erfurth das (Lehrer) Seminar in Steinau a/Oder, das er mit dem Prädikat „recht gut“ und der Berechtigung an „höheren Stadtschulen“ angestellt zu werden abschloss. Zur weiteren Ausbildung ging Erfurth zunächst nach Berlin, kehrte aber bald nach Steinau zurück um das Rektoratsexamen (Rektor- oder Literatenexamen) abzuschließen. Die prüfung „pro schola et rectoratu“ vor der Breslauer Kommission bestand er mit „Sehr gut“. Kurz darauf erhielt er eine Stelle als 2. ordentlicher Lehrer an der Höheren Mädchenschule in Steinau und wurde als Hilfslehrer an das Gymnasium in Krotoschin berufen.
Am 1. Januar 1866 übernahm Erfurth die 2. ordentliche Lehrerstelle an der Höheren Knabenschule in Tremszow (Tremessen).
1869 wurde er als Direktor der „Allgemeinen Bürgerschule“ nach Homburg berufen. Gegen seine Wahl wurden in Homburg zunächst schwere Proteste laut. Am 1. Januar 1870 übernahm Erfurth das neue Amt in Homburg, die Einführung erfolgte am 3. Januar. Regierungs- und Schulrat Beyer schloss seine Einführungsrede mit den Worten: „Sie übernehmen mit dieser Schule einen Trümmerhaufen“. Von Seiten der Homburger Verwaltung und der Lehrerschaft erfuhr Erfurth zunächst starke Ablehnung. Das änderte sich jedoch bald. Als Erfurth im Oktober 1874 Homburg verließ, hinterließ er eine Schule, die von der Schuldeputation und der Regierung in Wiesbaden als „beispielhaft und vorbildlich“ gewürdigt wurde. Am 1. Oktober 1874 trat er die Stelle eines Kreisschulinspektors in Meseritz (heute Miedcyrecz; ehem. Landkreis Preußen, Provinz Posen, Regierungsbezirk Posen) an. Nach fünf Jahren folgte er 1879 dem Ruf nach Potsdam. Nahezu 25 Jahre, vom 1. August 1879 bis zu seiner Pensionierung am 1. April 1904, wirkte er hier als kgl. Schulinspektor und Rektor der Charlottenschulen. Außerdem wurde er zum Kommissar der städtischen Schuldeputation ernannt, um als solcher das städtische Volksschulwesen neu zu gestalten und zu überwachen. Mit Erreichen der Altersgrenze entschied sich Erfurth im November 1903 seinen Abschied einzureichen. Die Abschiedsfeier fand am 26. März 1904 statt (s.a. Beschreibung der Feier im Potsdamer Intelligenzblatt). Der letzte Satz des Vertreters der Regierung lautete: „Ihre bestandenen Prüfungen sind ein Sieges-, Ihre Erfolge in allen amtlichen Stellen ein Ruhmeszug. Sie haben eine seltene arbeits- und segensreiche Arbeitszeit hinter sich. Nun wünsche ich herzlich, mein teurer Kollege, dass sie ein friedliches, fröhliches Alter haben mögen, der Dank der Behörden, des Lehrerkollegiums und Ihrer vielen Schülerinnen folgt Ihnen in den verdienten Ruhestand“.
Neben seiner Lehrertätigkeit entwickelte Erfurth ein umfangreiches literarisches Wirken, er arbeitete u.a. an mehreren pädagogischen Zeitschriften mit, besonders am „Schlesischen Schulblatt“ und wirkte als Herausgeber verschiedener Werke: „Deutsche Literaturkunde der Mittelschule und höheren Bürgerschule für Mädchen und der sich anschließenden Fachschulen“ (in Verbindung mit H. Lindner), „Deutsche Volksdichtung“, „Französische Gedichte für Mädchenschulen“ (in Gemeinschaft mit Marg. Walther) und „Religiöser Lernstoff für Volksschulen“.
Lang ist auch die Liste der Ehrenämter, die er verwaltete. Ehrenamtlich arbeitete er als Mitglied des Gemeindekirchenrates von St. Nikolai, als Mitglied der Kreissynode Potsdam I und der Provinzialsynode, als Schatzmeister des Fürsorgevereins für entlassene Strafgefangene zu Potsdam, als Mitglied des Jungfrauenvereins an St. Nikolai, als Vorstandsmitglied des Jünglingsvereins derselben Kirche , als Vorsitzender des Arbeitervereins, als Vorsitzender des Armenpflegevereins Nordbezirk, als Vorstandsmitglied des Zentral-Armenpflegevereins und als Mitglied des Vereins „Positive Union“.
Paul Erfurth starb am 15. November 1921 in Blankenburg im Harz
Includes Includes
Farbkopien von Fotografien der Familie Erfurth, Lebenslauf von Hermann Ludwig Paul Erfurth, Stammbaum der Familie Erfurth, Zeugnisse Hermann Ludwig Paul Erfurth, Zusammenstellung (Liste) von Familienpapieren, Lebenslauf des Christian Friedrich Erfurth, beschrieben von seinem Sohne Hermann Ludwig Paul Erfurth, königl. Kreisschulinspektor.
Literature Literature
TIEMANN, H. E..: „Geschichte der Allgemeinen Bürgerschule zu Homburg v.d.Höhe vom Jahre 1831 bis 1881“, Festschrift zur fünfzigjährigen Jubelfeier der Allgemeinen Bürgerschule am 1. März 1881, Homburg v.d.Höhe, 1881.
STAHL, Ursula: „geh aus, mein Herz, und suche Freud! Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend 1938-1959, Aachen, 2002 [Sign.: 4214]
GROSCHE, Heinz: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Band 3: Die Kaiserzeit, Frankfurt am Main 1986, s. 128-131.
BEYER, Günther. „Erhellende Reise in die schlesische Geschichte. Ursula Stahl fand das Geburtshaus ihres Ururgroßvaters“, Kölner Stadtanzeiger – Rhein-Sieg vom 4. November 2003.
LANGER, Freddy: "Von der Notwendigkeit, ernst zu schauen", Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. Februar 2004 (Kunstmarkt).
LATZKE, Walter: „Die Schlesische Erbscholtisei“, in: Schriftenreihe Kulturwerk Schlesien, Würzburg 1959, S. 5-13.

Further information (fonds)


Extent Extent
1 Archivkarton