ST - UvH - 001 - 2
Vollständige Signatur
StadtA SLÜ, ST, ST - UvH - 001 - 2
Sachakte
Serie
Bezeichnung
Bezeichnung
Kopien unterschiedlichster Art |
Identifikation
Titel
Titel
Altdeutsche Köpfe in Meisterholzschnitte
Laufzeit
Laufzeit
1941
Informationen / Notizen
Zusatzinformationen
Zusatzinformationen
Buchkopie - altdeutsche Schrift
Seite 1
Titel | Altdeutsche Köpfe in Meisterholzschnitten
Untertitel | Bildnisse des 16. Jahrhunderts aus dem Berliner Kupferstichkabinett
Herausgegeben von Friedrich Winkler
mit beschreibendem Verzeichnis
von Hans Möhle
Alfred Metzner Verlag * Berlin [handschriftlich hinzugefügt [1941]]
Seite 1
Titel | Altdeutsche Köpfe in Meisterholzschnitten
Untertitel | Bildnisse des 16. Jahrhunderts aus dem Berliner Kupferstichkabinett
Herausgegeben von Friedrich Winkler
mit beschreibendem Verzeichnis
von Hans Möhle
Alfred Metzner Verlag * Berlin [handschriftlich hinzugefügt [1941]]
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Die hier vereinigten Holzschnitte erschöpfen zwar nicht den Bestand an Bildnissen der Dürerzeit in ihrem ganzen Umfang, wohl aber bietet die Auswahl die Auswahl beinahe alles Wesentliche. Das ist um so erstaunlicher, als die Zeit sehr bildnisfreudig war und die Holzschnittzunft wie nie vorher und nachher blühte, für das graphische Porträt also die günstigsten Voraussetzungen gegeben waren. Tatsächlich sind außer den hier vorgelegten Werken in der Hauptsache nur Folgen von Fürsten und Reformatoren aus den Werkstätten von Cranach Vater und Sohn, Brosamer, Ostendorfer, Schoen und Stoer und einige in Büchern veröffentliche Porträts der Verfasser bekannt. Vornehmlich Angehörige der politisch oder kirchlich führenden Schicht waren darstellungswert. Sehr viel weiter greift unsere Darbietung nicht aus. Die stattlichste Gruppe außer den Fürsten und Reformatoren bilden die Humanisten, die zum Teil dem geistlichen Stande angehören. Wie in den Bilderfolgen der Cranach, Brosamer usw. zuweilen ein fremdartiger Kopf auftaucht etwa der des Hans Sachs bei Ostendorfer, der König von Frankreich und der Zar vonRußland und der Vorläufer Luthers, Johann -hus, bei Schoen, so gibt es auch noch vereinzelte Bildnisse von Papst Julius II. (von Burgkmaier, nach einer Medaille), der Wiedertäufer von Münster (Aldegrever zugeschrieben). Das Ergebnis, wie es sich in der vorliegenden Veröffentlichung darstellt, wird hierdurch nicht verändert. Da es keine Holzschnitte aus dem 15. Jahrhundert gibt, bietet unsere Mappe die frühsten und zugleich wohl eindrucksvollsten Werke dieser Gattung in einer Weise, die alle Typen und fast alle wesentlichen künstlerische Leistungen erfaßt.
Ungefähr ein Jahrhundert lang vor Dürer haben die "Reißer", d.h. die Zeichner für den Holzschnitt, in der Regel, die wuchtige, vereinfachende Zunft in einer ungeheuren Zahl von Werken, von denen ein kärglicher Rest von mehreren tausend Blättern auf uns gekommen ist. Dürer, der Abkömmling von Goldschmieden und größte Meister des Kupferstichs, hob den Holzschnitt aus seiner primitiven Gebundenheit, da die Figur gleichsam nur in Umriß und Aufriß erfaßt war, in die Sphäre plastischer Körperlichkeit. Er übertrug die Feinheiten des stecherischen Liniensystems, die modellierende Kreuzschaffur, die Schwellkraft der Umrißlinie in die Holzschnitttechnik und zwar die Formschneider, die prachtvolle Rhetorik seiner Vorzeichnungen in allen Einzelheiten mit dem Messer in Holz nachzuschneiden. Seine Tat rief eine Blüte der Holzschnittkunst hervor, die von etwa 1500 - 50 währte und zu der die meisten führenden Künstler Altdeutschlands beigetragen haben. So hat auch fast jeder von ihnen, Cranach, Burgkmaier, Baldung, Weidig, Holbein, um nur die Besten zu nennen, gelegentlich ein Bildnis
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Die hier vereinigten Holzschnitte erschöpfen zwar nicht den Bestand an Bildnissen der Dürerzeit in ihrem ganzen Umfang, wohl aber bietet die Auswahl die Auswahl beinahe alles Wesentliche. Das ist um so erstaunlicher, als die Zeit sehr bildnisfreudig war und die Holzschnittzunft wie nie vorher und nachher blühte, für das graphische Porträt also die günstigsten Voraussetzungen gegeben waren. Tatsächlich sind außer den hier vorgelegten Werken in der Hauptsache nur Folgen von Fürsten und Reformatoren aus den Werkstätten von Cranach Vater und Sohn, Brosamer, Ostendorfer, Schoen und Stoer und einige in Büchern veröffentliche Porträts der Verfasser bekannt. Vornehmlich Angehörige der politisch oder kirchlich führenden Schicht waren darstellungswert. Sehr viel weiter greift unsere Darbietung nicht aus. Die stattlichste Gruppe außer den Fürsten und Reformatoren bilden die Humanisten, die zum Teil dem geistlichen Stande angehören. Wie in den Bilderfolgen der Cranach, Brosamer usw. zuweilen ein fremdartiger Kopf auftaucht etwa der des Hans Sachs bei Ostendorfer, der König von Frankreich und der Zar vonRußland und der Vorläufer Luthers, Johann -hus, bei Schoen, so gibt es auch noch vereinzelte Bildnisse von Papst Julius II. (von Burgkmaier, nach einer Medaille), der Wiedertäufer von Münster (Aldegrever zugeschrieben). Das Ergebnis, wie es sich in der vorliegenden Veröffentlichung darstellt, wird hierdurch nicht verändert. Da es keine Holzschnitte aus dem 15. Jahrhundert gibt, bietet unsere Mappe die frühsten und zugleich wohl eindrucksvollsten Werke dieser Gattung in einer Weise, die alle Typen und fast alle wesentlichen künstlerische Leistungen erfaßt.
Ungefähr ein Jahrhundert lang vor Dürer haben die "Reißer", d.h. die Zeichner für den Holzschnitt, in der Regel, die wuchtige, vereinfachende Zunft in einer ungeheuren Zahl von Werken, von denen ein kärglicher Rest von mehreren tausend Blättern auf uns gekommen ist. Dürer, der Abkömmling von Goldschmieden und größte Meister des Kupferstichs, hob den Holzschnitt aus seiner primitiven Gebundenheit, da die Figur gleichsam nur in Umriß und Aufriß erfaßt war, in die Sphäre plastischer Körperlichkeit. Er übertrug die Feinheiten des stecherischen Liniensystems, die modellierende Kreuzschaffur, die Schwellkraft der Umrißlinie in die Holzschnitttechnik und zwar die Formschneider, die prachtvolle Rhetorik seiner Vorzeichnungen in allen Einzelheiten mit dem Messer in Holz nachzuschneiden. Seine Tat rief eine Blüte der Holzschnittkunst hervor, die von etwa 1500 - 50 währte und zu der die meisten führenden Künstler Altdeutschlands beigetragen haben. So hat auch fast jeder von ihnen, Cranach, Burgkmaier, Baldung, Weidig, Holbein, um nur die Besten zu nennen, gelegentlich ein Bildnis
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geschaffen. Es fehlen Grünewald, der einzige große deutsche Künstler, der nicht Graphiker gewesen ist, und Altdorfer, der als Maler, soviel wir wissen, nur ein einziges Bildnis geschaffen hat.
Die Sitte, sich ein Bildnis malen zu lassen, war damals in den wohlhabenden bürgerlichen Kreisen ziemlich weit verbreitet. Die Fürsten pflegten sie als Geschenke innerhalb ihrer Verwandtschaft zu verteilen. Wir wissen von Cranach, daß er sich in unglaublich großer Zahl für den kurfürstlichen sächsischen Hof zu fertigen hatte, und kennen Bildnissammlungen aus wenig späterer Zeit, wie die Ambraser und die des Giulio Clovio. Aber bis zum heutigen Tage hat sich der Brauch nicht recht eingebürgert, sein Bild reißen zu lassen. Man wählt die intimere Form des Stiches und der Radierung, wenn man ein Abbild in Vervielfältigung haben wollte, und auch hier wurde es erst in den folgenden Jahrhunderten ein beliebter Brauch. Anfänglich ist das graphische Bildnis gleichsam ein Denkmal, ein Monument, das Fürsten und durch irgendwelches besonderes Verdienst ausgezeichneten Männer, daneben ganz vereinzelt durch Besitz begünstigten Kunstfreunden errichtet wird. So gewinnt es - freilich nicht nur hierdurch, sondern auch durch seine Eigenschaft als ein Werk einer frühen Stilperiode - wahrhaft große, ja monumentale Züge, die es über viele Werke der Folgezeit hinausheben.
Der Versuch, die Schwarz-Weißzunft zum Farbenholzschnitt zu entwickeln, ist in derselben Zeit gemacht worden. Nicht von Dürer, der durch ausgiebige Anwendung der Kreuzschraffur die klassische Schwarz-Weißzunft begründet hatte. Die Drucke seiner Varnbühler-Portäts mit verschiedenen Farbplatten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Aber Cranach in Wittenberg und Burgkmaier in Augsburg versuchten um 1507 etwas von den Wirkungen zurückzugewinnen, die die vordürerischen Holzschnitte durch die Bemalung ausgeübt hatten. Denn die Holzschnitte des 15. Jahrhunderts waren überwiegend handkoloriert.
Die Bemühungen haben bemerkenswerte Erfolge gezeigt, ließen aber bald nach. Sie lebten vor allem in der italienischen Graphik weiter, wo sie der Wiedergabe von Werken Raffaels, Parmiggianios und anderer Maler dienten. Der altdeutsche Bildholzschnitt hat aus den Versuchen Burgkmaier und Cranachs Nutzen gezogen, wenn auch nur gelegentlich. Die drei hier abgebildeten farbigen Blätter sind die einzigen neben Burgkmaiers Papst Julius II., der nach einer italienischen Medaille kopiert ist.
Offensichtlich eignen den Holzschnittbildnissen der Dürerzeit stärkere dekorative Eigenschaften als den anderen Werken in dieser Technik, die reinen Wappenbilder
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geschaffen. Es fehlen Grünewald, der einzige große deutsche Künstler, der nicht Graphiker gewesen ist, und Altdorfer, der als Maler, soviel wir wissen, nur ein einziges Bildnis geschaffen hat.
Die Sitte, sich ein Bildnis malen zu lassen, war damals in den wohlhabenden bürgerlichen Kreisen ziemlich weit verbreitet. Die Fürsten pflegten sie als Geschenke innerhalb ihrer Verwandtschaft zu verteilen. Wir wissen von Cranach, daß er sich in unglaublich großer Zahl für den kurfürstlichen sächsischen Hof zu fertigen hatte, und kennen Bildnissammlungen aus wenig späterer Zeit, wie die Ambraser und die des Giulio Clovio. Aber bis zum heutigen Tage hat sich der Brauch nicht recht eingebürgert, sein Bild reißen zu lassen. Man wählt die intimere Form des Stiches und der Radierung, wenn man ein Abbild in Vervielfältigung haben wollte, und auch hier wurde es erst in den folgenden Jahrhunderten ein beliebter Brauch. Anfänglich ist das graphische Bildnis gleichsam ein Denkmal, ein Monument, das Fürsten und durch irgendwelches besonderes Verdienst ausgezeichneten Männer, daneben ganz vereinzelt durch Besitz begünstigten Kunstfreunden errichtet wird. So gewinnt es - freilich nicht nur hierdurch, sondern auch durch seine Eigenschaft als ein Werk einer frühen Stilperiode - wahrhaft große, ja monumentale Züge, die es über viele Werke der Folgezeit hinausheben.
Der Versuch, die Schwarz-Weißzunft zum Farbenholzschnitt zu entwickeln, ist in derselben Zeit gemacht worden. Nicht von Dürer, der durch ausgiebige Anwendung der Kreuzschraffur die klassische Schwarz-Weißzunft begründet hatte. Die Drucke seiner Varnbühler-Portäts mit verschiedenen Farbplatten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Aber Cranach in Wittenberg und Burgkmaier in Augsburg versuchten um 1507 etwas von den Wirkungen zurückzugewinnen, die die vordürerischen Holzschnitte durch die Bemalung ausgeübt hatten. Denn die Holzschnitte des 15. Jahrhunderts waren überwiegend handkoloriert.
Die Bemühungen haben bemerkenswerte Erfolge gezeigt, ließen aber bald nach. Sie lebten vor allem in der italienischen Graphik weiter, wo sie der Wiedergabe von Werken Raffaels, Parmiggianios und anderer Maler dienten. Der altdeutsche Bildholzschnitt hat aus den Versuchen Burgkmaier und Cranachs Nutzen gezogen, wenn auch nur gelegentlich. Die drei hier abgebildeten farbigen Blätter sind die einzigen neben Burgkmaiers Papst Julius II., der nach einer italienischen Medaille kopiert ist.
Offensichtlich eignen den Holzschnittbildnissen der Dürerzeit stärkere dekorative Eigenschaften als den anderen Werken in dieser Technik, die reinen Wappenbilder
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ausgenommen, die an und für sich ornamental dekorative Arbeiten sind. Diese Porträts vermögen sich neben den gemalten zu behaupten und waren wohl auch als Wandschmuck gedacht, was von den Holzschnitten mit religiösen und weltlichen Darstellungen nur bedingt gelten kann. Auch das in Büchern veröffentlichte Verfasserbild nimmt an dieser Wendung ins Dekorative teil. Großzügige, in aller Verfeinerung wuchtige Abbilder entstehen, als deren Gipfelpunkte Dürers beide Blätter, Hohlbeins Erasmus und ein Farbenholzschnitt, Burgkmaiers Baumgartner, anzusehen sind. Bestechend in ihrer lichten Haltung veranschaulichen die unnachahmlich eindringlich charakterisierten Dargestellten Baldungs eine neue dekorative Form, die durch sparsame, empfindungsvolle Linienführung bestimmt ist. Er hat die meisten bedeutenden Werke dieser Art in Holzschnitt geschaffen, die mit Ausnahme des Markgrafen Christoph von Baden der Porträtieren abgedruckt wurden. Es gibt außer den vier hier vorgelegten noch des Künstlers Freund, den Musiker Rudalphinger, und ein kleines Selbstbildnis. Von Cranach ist außer bilderbogenhaften Fürstenporträts nur Luther als Junker Jörg bekannt, die weitverbreitete Darstellung des Reformators aus der Zeit seines Aufenthaltes auf der Wartburg. Nach der subtilen, feinlinigen Seite entwickelten Weiditz und Springinklee die Gattung. Angesichts dieser köstlichen Meisterwerken mit ihrer vollendeten Verschmelzung von Schmuck und Bildnis wird besonders schmerzlich fühlbar, daß die Deutschen Künstler selten in dieser Art geschaffen haben. Dem vollen zweiten Viertel gehören die übrigen Werke von Schoen, Brosamer und Cranach d.J. an. In ihnen gewinnt das Streben nach vergrößertem Format und vereinfachter Handschrift die Oberhand. Der Dargestellte, nicht der Künstler und seine Auffassung, beherrscht den Eindruck. Es ist die Hinwendung zu einer unpersönlicheren Gestaltung, der Ausklang des urwüchsigen, einzigartigen Schaffens der altdeutschen Malergraphiker der Dürerzeit.
Kaiser Maximilian in vorgerückten Jahren, Karl V., sein Nachfolger faste noch ein Knabe, seine Schwester Maria, die umsichtige Regentin der Niederlande, daneben der kernige Christoph von Baden und aus späterer Zeit der unglückliche Ulrich von Würtemberg verkörpern die politische Welt dieser Tage. Ihr stehen als gewichtigste Vertreter des religiösen und geistigen Lebens der Zeit Luther als der Vertreter der Reformation mit seinen Anhängern Melanchthon, Brunfels, Indagine und Hedio und Erasmus als Führer der Wissenschaft gegenüber . Dem Humanisten zur Seite finden wir Hutten, der auch ein Vorkämpfer der Reformation gewesen ist, wie Melanchton neben Erasmus als Führer der Gelehrten ange-
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ausgenommen, die an und für sich ornamental dekorative Arbeiten sind. Diese Porträts vermögen sich neben den gemalten zu behaupten und waren wohl auch als Wandschmuck gedacht, was von den Holzschnitten mit religiösen und weltlichen Darstellungen nur bedingt gelten kann. Auch das in Büchern veröffentlichte Verfasserbild nimmt an dieser Wendung ins Dekorative teil. Großzügige, in aller Verfeinerung wuchtige Abbilder entstehen, als deren Gipfelpunkte Dürers beide Blätter, Hohlbeins Erasmus und ein Farbenholzschnitt, Burgkmaiers Baumgartner, anzusehen sind. Bestechend in ihrer lichten Haltung veranschaulichen die unnachahmlich eindringlich charakterisierten Dargestellten Baldungs eine neue dekorative Form, die durch sparsame, empfindungsvolle Linienführung bestimmt ist. Er hat die meisten bedeutenden Werke dieser Art in Holzschnitt geschaffen, die mit Ausnahme des Markgrafen Christoph von Baden der Porträtieren abgedruckt wurden. Es gibt außer den vier hier vorgelegten noch des Künstlers Freund, den Musiker Rudalphinger, und ein kleines Selbstbildnis. Von Cranach ist außer bilderbogenhaften Fürstenporträts nur Luther als Junker Jörg bekannt, die weitverbreitete Darstellung des Reformators aus der Zeit seines Aufenthaltes auf der Wartburg. Nach der subtilen, feinlinigen Seite entwickelten Weiditz und Springinklee die Gattung. Angesichts dieser köstlichen Meisterwerken mit ihrer vollendeten Verschmelzung von Schmuck und Bildnis wird besonders schmerzlich fühlbar, daß die Deutschen Künstler selten in dieser Art geschaffen haben. Dem vollen zweiten Viertel gehören die übrigen Werke von Schoen, Brosamer und Cranach d.J. an. In ihnen gewinnt das Streben nach vergrößertem Format und vereinfachter Handschrift die Oberhand. Der Dargestellte, nicht der Künstler und seine Auffassung, beherrscht den Eindruck. Es ist die Hinwendung zu einer unpersönlicheren Gestaltung, der Ausklang des urwüchsigen, einzigartigen Schaffens der altdeutschen Malergraphiker der Dürerzeit.
Kaiser Maximilian in vorgerückten Jahren, Karl V., sein Nachfolger faste noch ein Knabe, seine Schwester Maria, die umsichtige Regentin der Niederlande, daneben der kernige Christoph von Baden und aus späterer Zeit der unglückliche Ulrich von Würtemberg verkörpern die politische Welt dieser Tage. Ihr stehen als gewichtigste Vertreter des religiösen und geistigen Lebens der Zeit Luther als der Vertreter der Reformation mit seinen Anhängern Melanchthon, Brunfels, Indagine und Hedio und Erasmus als Führer der Wissenschaft gegenüber . Dem Humanisten zur Seite finden wir Hutten, der auch ein Vorkämpfer der Reformation gewesen ist, wie Melanchton neben Erasmus als Führer der Gelehrten ange-
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sehen werden kann. Auch der Unbekannte, den Sprinkinklee dargestellt hat, war offenbar ein Humanist. Einen einzigen Künstler finden wir in der Schar, Albrecht Dürer, nicht von der eigenen Hand , die so manches gezeichnete und gemalte Selbstbildnis geschaffen hat, sondern von seinem Schüler Schoen entworfen. Die Varnbühler, Baumgartner, Fugger sind Vertreter des Augsburger und Nürnberger städtischen Patriziats, die ihre geistigen und künstlerischen Interessen in diesen Kreis geführt haben.
Bei der Wiedergabe der Holzschnitte ist der auf photomechanischer Grundlage beruhende Lichtdruck, ein Flachdruck wie die Photographie selbst, der meist angewandten Technik der Stickätzung vorgezogen worden. Die letztere ist zwar ein Hochdruck wie der Holzschnitt selbst, d.h. die Linien sind im Klischeestock wie im Holzstock hohe Grate, um die der Grund fortgeätzt bzw. fortgeschnitten ist, und verbürgt hierdurch eine materialgerechte Wiedergabe. Die Strichätzung hat auch den Vorteil, daß das Papier, auf das gedruckt wird, leuchtend weiß bleibt, während beim Lichtdruck immer eine Färbung eintritt, ein Farbton hinzukommt, auf dem der Strich "steht". Ohne ihn verliert der Stich die Kraft und den inneren Zusammenhang. Der Nachteil, den die tonige Folie hat, ist deshalb nicht groß, weil die alten Drucke ganz selten das blendend weiße Papier besitzen, das den modernen Stichätzungen den brillanten Charakter verschafft. Vor allem aber entstellt der Lichtdruck nicht die einzelne Linie wie die Strichätzung. In der Regel querscht diese die haarfein geschnittenen Linien in die Breite und verändert die scharf begrenzten Umrisse ins Breiige. Es hängt das mit der verwendeten Metallmasse der Strichätzungen zusammen. Die Photographie, die im Lichtdruck bis zum Endstadium der Herstellung stärker wirksam ist, hält die Linie entsprechend dem Original zusammen und gewährleistet eine treuere Wiedergabe des mit feinstem Gefühl gefertigten Formschnittes. Der brillante Gesamteindruck der Stichätzung besticht vielleicht zunächst mehr, er entbehrt aber der lebendigen Wirkung in stärkerem Maße als der Lichtdruck, in dem mehr von der Tönung und zarten Linienführung des Vorbildes veranschaulicht wird.
F.W.
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sehen werden kann. Auch der Unbekannte, den Sprinkinklee dargestellt hat, war offenbar ein Humanist. Einen einzigen Künstler finden wir in der Schar, Albrecht Dürer, nicht von der eigenen Hand , die so manches gezeichnete und gemalte Selbstbildnis geschaffen hat, sondern von seinem Schüler Schoen entworfen. Die Varnbühler, Baumgartner, Fugger sind Vertreter des Augsburger und Nürnberger städtischen Patriziats, die ihre geistigen und künstlerischen Interessen in diesen Kreis geführt haben.
Bei der Wiedergabe der Holzschnitte ist der auf photomechanischer Grundlage beruhende Lichtdruck, ein Flachdruck wie die Photographie selbst, der meist angewandten Technik der Stickätzung vorgezogen worden. Die letztere ist zwar ein Hochdruck wie der Holzschnitt selbst, d.h. die Linien sind im Klischeestock wie im Holzstock hohe Grate, um die der Grund fortgeätzt bzw. fortgeschnitten ist, und verbürgt hierdurch eine materialgerechte Wiedergabe. Die Strichätzung hat auch den Vorteil, daß das Papier, auf das gedruckt wird, leuchtend weiß bleibt, während beim Lichtdruck immer eine Färbung eintritt, ein Farbton hinzukommt, auf dem der Strich "steht". Ohne ihn verliert der Stich die Kraft und den inneren Zusammenhang. Der Nachteil, den die tonige Folie hat, ist deshalb nicht groß, weil die alten Drucke ganz selten das blendend weiße Papier besitzen, das den modernen Stichätzungen den brillanten Charakter verschafft. Vor allem aber entstellt der Lichtdruck nicht die einzelne Linie wie die Strichätzung. In der Regel querscht diese die haarfein geschnittenen Linien in die Breite und verändert die scharf begrenzten Umrisse ins Breiige. Es hängt das mit der verwendeten Metallmasse der Strichätzungen zusammen. Die Photographie, die im Lichtdruck bis zum Endstadium der Herstellung stärker wirksam ist, hält die Linie entsprechend dem Original zusammen und gewährleistet eine treuere Wiedergabe des mit feinstem Gefühl gefertigten Formschnittes. Der brillante Gesamteindruck der Stichätzung besticht vielleicht zunächst mehr, er entbehrt aber der lebendigen Wirkung in stärkerem Maße als der Lichtdruck, in dem mehr von der Tönung und zarten Linienführung des Vorbildes veranschaulicht wird.
F.W.
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Seite [9]
Markgraf Christoph I. von Baden
Geb. 13. November 1453, gest. 29. April 1527 in Baden-Baden
Tafel 4: Markgraf von Baden und Hochberg, Stammvater des badischen Fürstenhauses. Genialer Feldherr, der bereits als junger Zwanziger auf den Kriegszügen seines Oheims, des deutschen Kaisers Friedrich III., und dessen Sohnes Erzherzog Maximilian, des späteren Kaisers Maximilian I., gegen Burgund und Frankreich reiche Ruhmeslorbeeren erntete. Später wurde er Ritter des Goldenen Vließes, Beisitzer des sog. Reichsregiments, der höchsten beratenden Reichsbehörde, und Schutzherr der alten Kaiserstadt Worms. Seit 1516 der geistigen Umnachtung verfallen.
Holzschnitt von Hans Baldburg gen. Grien (Schwäb. - Gemünd, Nürnberg, Freiburg i. Br., Straßburg 1484/85-1545). 1511.
Oben links die Künstlersignatur aus L, B und G. Die Inschrift, z.T. mit Spiegelverkehrten Buchstaben, besagt: Cristopher, Markgraf von Baden. Der erste eigentliche Bildnisholzschnitte der deutschen Kunst, zugleich einer der prägnantesten und großartigsten neben denen von Baldungs Lehrer Dürer. Baldung hat seinen Landesherren und Gönnern auf dem Votivbild des Markgrafen von 1510 (Karlsruhe) und auf einem Gemälde von 1515 (München) porträtiert. Für das letztere gibt es eine wohl nach dem Modell gezeichnete Vorstudie im Karlsruher Skizzenbuch des Meisters.
Königin Maria von Ungarn
Ge. 17. September 1505 in Brüssel,
gest. 18. Oktober 1558 in Cigales (Spanien)
Tafel 5: Königin von Ungarn, Tochter König Philipps des Schönen, des Sohnes Kaiser Maximilians I., Schwester Kaiser Karls V. und Ferdinands I., Gemahlin König Ludwigs II. v. Ungarn u. Böhmen. Frau von staatsmännischem Scharfblick. Hinneigung zur lutherischen Lehre; Luther widmete ihr eine Psalmenübersetzung. Auch nach dem Tode ihres Gemahls (1526) noch einflußreiche Ratgeberin ihres Bruders Ferdinand. Seit 1530 Satthalterin der Niederlande, deren Verwaltung sie als umsichtige Regentin und Gönnerin der Künste und Wissenschaften besorgte.
Farbenholzschnitt von Hans Weidig (tätig in Augsburg und Straßburg um 1518-36), mit zwei Platten gedruckt. Um 1523-25.
Daß Hans Weiditz, dessen Identität mit dem sog. Meister des Petrarca immer noch
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Markgraf Christoph I. von Baden
Geb. 13. November 1453, gest. 29. April 1527 in Baden-Baden
Tafel 4: Markgraf von Baden und Hochberg, Stammvater des badischen Fürstenhauses. Genialer Feldherr, der bereits als junger Zwanziger auf den Kriegszügen seines Oheims, des deutschen Kaisers Friedrich III., und dessen Sohnes Erzherzog Maximilian, des späteren Kaisers Maximilian I., gegen Burgund und Frankreich reiche Ruhmeslorbeeren erntete. Später wurde er Ritter des Goldenen Vließes, Beisitzer des sog. Reichsregiments, der höchsten beratenden Reichsbehörde, und Schutzherr der alten Kaiserstadt Worms. Seit 1516 der geistigen Umnachtung verfallen.
Holzschnitt von Hans Baldburg gen. Grien (Schwäb. - Gemünd, Nürnberg, Freiburg i. Br., Straßburg 1484/85-1545). 1511.
Oben links die Künstlersignatur aus L, B und G. Die Inschrift, z.T. mit Spiegelverkehrten Buchstaben, besagt: Cristopher, Markgraf von Baden. Der erste eigentliche Bildnisholzschnitte der deutschen Kunst, zugleich einer der prägnantesten und großartigsten neben denen von Baldungs Lehrer Dürer. Baldung hat seinen Landesherren und Gönnern auf dem Votivbild des Markgrafen von 1510 (Karlsruhe) und auf einem Gemälde von 1515 (München) porträtiert. Für das letztere gibt es eine wohl nach dem Modell gezeichnete Vorstudie im Karlsruher Skizzenbuch des Meisters.
Königin Maria von Ungarn
Ge. 17. September 1505 in Brüssel,
gest. 18. Oktober 1558 in Cigales (Spanien)
Tafel 5: Königin von Ungarn, Tochter König Philipps des Schönen, des Sohnes Kaiser Maximilians I., Schwester Kaiser Karls V. und Ferdinands I., Gemahlin König Ludwigs II. v. Ungarn u. Böhmen. Frau von staatsmännischem Scharfblick. Hinneigung zur lutherischen Lehre; Luther widmete ihr eine Psalmenübersetzung. Auch nach dem Tode ihres Gemahls (1526) noch einflußreiche Ratgeberin ihres Bruders Ferdinand. Seit 1530 Satthalterin der Niederlande, deren Verwaltung sie als umsichtige Regentin und Gönnerin der Künste und Wissenschaften besorgte.
Farbenholzschnitt von Hans Weidig (tätig in Augsburg und Straßburg um 1518-36), mit zwei Platten gedruckt. Um 1523-25.
Daß Hans Weiditz, dessen Identität mit dem sog. Meister des Petrarca immer noch
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nicht allgemein anerkannt ist, diesen vortrefflichen Bildnisholzschnitt gezeichnet hat, ist nicht beweisbar. Sein Charakter als Tonplattenholzschnitt deutet jedenfalls auf Augsburger Herkunft aus dem Umkreis Burgmaiers und seiner vorzüglichen Formschneiders Jost de Negker (vgl. Tafel 16).
nicht allgemein anerkannt ist, diesen vortrefflichen Bildnisholzschnitt gezeichnet hat, ist nicht beweisbar. Sein Charakter als Tonplattenholzschnitt deutet jedenfalls auf Augsburger Herkunft aus dem Umkreis Burgmaiers und seiner vorzüglichen Formschneiders Jost de Negker (vgl. Tafel 16).
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Kaspar Sedio
Geb. 1494 in Ettlingen (Baden), gest. 17. Oktober 1552 in Straßburg
Tafel 10: Theologe, Humanist und Mitbegründer der Reformation in Straßburg, seit 1523 Münsterprediger daselbst. Mitbeteiligte an den theologischen Vorlesungen der Straßburger Reformatoren Caito und Bucer, die, später in das Thomasstift verlegt, die Wurzel bildeten, aus der die Straßburger Universität erwuchs. Organisator der Armenpflege in Straßburg.
Holzschnitt von Hans Baldung gen. Grien (Schwäb.-Gmünd, Nürnberg, Straßburg, Freiburg i.Br. 1484/85-1545). 1543.
Oben links das Wappen Hedios. Eine 1543 datierte, nach dem Leben gezeichnete Vorstudie zu dem Holzschnitt befindet sich im Karlsruher Skizzenbuch Baldungs. Eine der letzten und großartigsten Arbeiten des Sechsjährigen. Abgebildet in Kaspar Hedio, Eine auserlesene Chronik von Anfang der Welt, Straßburg 1543.
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Kaspar Sedio
Geb. 1494 in Ettlingen (Baden), gest. 17. Oktober 1552 in Straßburg
Tafel 10: Theologe, Humanist und Mitbegründer der Reformation in Straßburg, seit 1523 Münsterprediger daselbst. Mitbeteiligte an den theologischen Vorlesungen der Straßburger Reformatoren Caito und Bucer, die, später in das Thomasstift verlegt, die Wurzel bildeten, aus der die Straßburger Universität erwuchs. Organisator der Armenpflege in Straßburg.
Holzschnitt von Hans Baldung gen. Grien (Schwäb.-Gmünd, Nürnberg, Straßburg, Freiburg i.Br. 1484/85-1545). 1543.
Oben links das Wappen Hedios. Eine 1543 datierte, nach dem Leben gezeichnete Vorstudie zu dem Holzschnitt befindet sich im Karlsruher Skizzenbuch Baldungs. Eine der letzten und großartigsten Arbeiten des Sechsjährigen. Abgebildet in Kaspar Hedio, Eine auserlesene Chronik von Anfang der Welt, Straßburg 1543.
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Johannes de Indagine
Wirkte im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts
gest. 27. März 1537
Tafel 11: Theologe und Astrologe aus dem altadeligen Geschlecht der von Hagen (lateinisch - de Indagine). Anhänger der Reformation, Dekan am St. Leonhards Stift zu Frankfurt a.M. und Pfarrer zu Steinheim am Main. Freund Grünewalds Holzschnitt von Hans Baldung gen. Grien (Schwäb.-Gemünd, Nürnberg, Straßburg, Freiburg i. Br. 1484/85-1545). 1522.
Erschienen in Joannes de Indagine, Introductionenes ... in Chiromantiam, Physiognomiam ... Straßburg 1522 bei Johannes Schott zusammen mit dem Baldungschen Holzschnitt des Indagine-Wappens.
Johannes de Indagine
Wirkte im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts
gest. 27. März 1537
Tafel 11: Theologe und Astrologe aus dem altadeligen Geschlecht der von Hagen (lateinisch - de Indagine). Anhänger der Reformation, Dekan am St. Leonhards Stift zu Frankfurt a.M. und Pfarrer zu Steinheim am Main. Freund Grünewalds Holzschnitt von Hans Baldung gen. Grien (Schwäb.-Gemünd, Nürnberg, Straßburg, Freiburg i. Br. 1484/85-1545). 1522.
Erschienen in Joannes de Indagine, Introductionenes ... in Chiromantiam, Physiognomiam ... Straßburg 1522 bei Johannes Schott zusammen mit dem Baldungschen Holzschnitt des Indagine-Wappens.
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Bildnis eines Unbekannten
Tafel 14: Das Monogramm H.S.D. deutet wahrscheinlich auf den Namen des Dargestellten, konnte aber bisher nicht identifiziert werden. Die Schriftrolle in der Hand und der Ausdruck des Gesichtes lassen auf einen Gelehrten schließen.
Holzschnitt von Hans Springinklee (Nürnberg zwischen 1512 u. 1522). 1518.
Bildnis eines Unbekannten
Tafel 14: Das Monogramm H.S.D. deutet wahrscheinlich auf den Namen des Dargestellten, konnte aber bisher nicht identifiziert werden. Die Schriftrolle in der Hand und der Ausdruck des Gesichtes lassen auf einen Gelehrten schließen.
Holzschnitt von Hans Springinklee (Nürnberg zwischen 1512 u. 1522). 1518.
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Albrecht Dürer
Geb. 21. Mai 1471 in Nürnberg, gest. 6. April 1528 in Nürnberg
Tafel 15: Maler, Kupferstecher und Zeichner für den Holzschnitt. Seit 1486 in der Lehre bei Michael Wolgemut, 1490-94 auf der Wanderschaft am Oberrhein, 1494-95erste, 1505-07 zweite Italienreise, 1520-21 in die Niederlande. Führen der Meister der Nürnberger Malerschule. Deutschland größtes graphisches Genie. Begeisterter Anhänger der Reformation. Durch sein grüblerisches Suchen nach der wahren Gesetzlichkeit von Dingen, Menschen und Kunst, die in mehreren theoretischen Schriften ihren literarischen Niederschlag fanden, und durch den Bekenntnischarakter seines "strengen und glühenden" Werkes ist Dürer zur klassischen Verkörperung deutscher Art und Kunst geworden.
Holzschnitt von Erhard Schön (Nürnberg um 1491-1542). 1528.
Oben links das redende Wappen Dürers (=Cürer). Dem Holzschnitt, der früher Dürer selbst zugeschrieben wurde, liegt eine Dürermedaille von dem Nürnberger Medailleur Mathes Gebel aus dem Jahre 1527 zugrunde. Beide Stücke sind deshalb von besonderem historischem Wert, weil sie den alternden Meister in seinem letzten Lebensjahr - 56 jährig - offenbar ziemlich lebensgetreu wiedergeben. Die Selbstbildnisse Dürers stammen dagegen fast durchweg aus wesentlich früherer Zeit.
Albrecht Dürer
Geb. 21. Mai 1471 in Nürnberg, gest. 6. April 1528 in Nürnberg
Tafel 15: Maler, Kupferstecher und Zeichner für den Holzschnitt. Seit 1486 in der Lehre bei Michael Wolgemut, 1490-94 auf der Wanderschaft am Oberrhein, 1494-95erste, 1505-07 zweite Italienreise, 1520-21 in die Niederlande. Führen der Meister der Nürnberger Malerschule. Deutschland größtes graphisches Genie. Begeisterter Anhänger der Reformation. Durch sein grüblerisches Suchen nach der wahren Gesetzlichkeit von Dingen, Menschen und Kunst, die in mehreren theoretischen Schriften ihren literarischen Niederschlag fanden, und durch den Bekenntnischarakter seines "strengen und glühenden" Werkes ist Dürer zur klassischen Verkörperung deutscher Art und Kunst geworden.
Holzschnitt von Erhard Schön (Nürnberg um 1491-1542). 1528.
Oben links das redende Wappen Dürers (=Cürer). Dem Holzschnitt, der früher Dürer selbst zugeschrieben wurde, liegt eine Dürermedaille von dem Nürnberger Medailleur Mathes Gebel aus dem Jahre 1527 zugrunde. Beide Stücke sind deshalb von besonderem historischem Wert, weil sie den alternden Meister in seinem letzten Lebensjahr - 56 jährig - offenbar ziemlich lebensgetreu wiedergeben. Die Selbstbildnisse Dürers stammen dagegen fast durchweg aus wesentlich früherer Zeit.
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Johannes Paumgartner
Geb. 1455 in Augsburg, gest. 1549 in Augsburg
Tafel 17: Bedeutender Rechtsgelehrter aus altem Augsburger Patriziat. Kaiserlicher Rat Maximilians I. und Karls V., den er 1532 gegen die Türken mit einem Zug Panzerreiter unterstützte. Später Mitglied des Geheimen Rats der Stadt Augsburg. Farbenholzschnitt von Hans Burgkmaier (Augsburg 1473-1531), von drei Tonplatten gedruckt. Am Schnitt war Jost de Negker beteiligt. 1512.
Bezeichnet auf dem linken Pilaster. Die lateinische Inschrift auf der hängenden Tafel besagt: "Im Jahre des Heils 1512 Johannes Paumgartner, Bürger von Augsburg, im Alter von 57 Jahren. - Frühestes datiertes, farbig gedrucktes Holzschnittbildnis. Hans Holbein d.J. verwendete 1515 die Architekturzeichnung dieses Blattes zu seinem Gemälde mit dem Bildnis des Bürgermeisters Meyer in Basel.
Ulrich Varnbühler
Geb. 1474, tätig in Nürnberg
Tafel 18: Kaiserlicher Rat. Seit 1507 Protonotarius, seit 1531 Kanzleinverwalter beim Reichskammergericht. Gelehrter Freund des Erasmus von Rotterdam, des Nürnberger Humanisten Pirckheimer und Albrecht Dürers. 1519 deutsche Übersetzung der Schrift des Erasmus über das Sprichwort: "Dulce bellum inexperto" (Süß ist der Krieg für den, der ihn nicht kennt).
Holzschnitt von Albrecht Dürer (Nürnberg 1471-1528). 1522.
Die durch einen weißen Streifen z.T. verdreckte Inschrift auf dem Zettel soll vermutlich lauten: Albertus Durer Norci(u)s hac imagine Ulrichnm cognom(en)to Varnbuler, Ro. Caesarei Regiminis in Imperio a Secretis, simul (ar)chigrammateum, ut quem amet unice, etiam posteritati (vul)t cognitum redere, c(olere) que conatur; sie befragt: Dürer wolle Varnbühler, den er einzig lieb habe, auch der Nachwelt bekanntmachen und damit auszeichnen. Dem Holzschnitt liegt eine große Kohlezeichnung Dürers, jetzt in der Albertina zu Wien, zugrunde.
H.M.
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Johannes Paumgartner
Geb. 1455 in Augsburg, gest. 1549 in Augsburg
Tafel 17: Bedeutender Rechtsgelehrter aus altem Augsburger Patriziat. Kaiserlicher Rat Maximilians I. und Karls V., den er 1532 gegen die Türken mit einem Zug Panzerreiter unterstützte. Später Mitglied des Geheimen Rats der Stadt Augsburg. Farbenholzschnitt von Hans Burgkmaier (Augsburg 1473-1531), von drei Tonplatten gedruckt. Am Schnitt war Jost de Negker beteiligt. 1512.
Bezeichnet auf dem linken Pilaster. Die lateinische Inschrift auf der hängenden Tafel besagt: "Im Jahre des Heils 1512 Johannes Paumgartner, Bürger von Augsburg, im Alter von 57 Jahren. - Frühestes datiertes, farbig gedrucktes Holzschnittbildnis. Hans Holbein d.J. verwendete 1515 die Architekturzeichnung dieses Blattes zu seinem Gemälde mit dem Bildnis des Bürgermeisters Meyer in Basel.
Ulrich Varnbühler
Geb. 1474, tätig in Nürnberg
Tafel 18: Kaiserlicher Rat. Seit 1507 Protonotarius, seit 1531 Kanzleinverwalter beim Reichskammergericht. Gelehrter Freund des Erasmus von Rotterdam, des Nürnberger Humanisten Pirckheimer und Albrecht Dürers. 1519 deutsche Übersetzung der Schrift des Erasmus über das Sprichwort: "Dulce bellum inexperto" (Süß ist der Krieg für den, der ihn nicht kennt).
Holzschnitt von Albrecht Dürer (Nürnberg 1471-1528). 1522.
Die durch einen weißen Streifen z.T. verdreckte Inschrift auf dem Zettel soll vermutlich lauten: Albertus Durer Norci(u)s hac imagine Ulrichnm cognom(en)to Varnbuler, Ro. Caesarei Regiminis in Imperio a Secretis, simul (ar)chigrammateum, ut quem amet unice, etiam posteritati (vul)t cognitum redere, c(olere) que conatur; sie befragt: Dürer wolle Varnbühler, den er einzig lieb habe, auch der Nachwelt bekanntmachen und damit auszeichnen. Dem Holzschnitt liegt eine große Kohlezeichnung Dürers, jetzt in der Albertina zu Wien, zugrunde.
H.M.
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Außerordentlich gut charakterisierte und fein geschnittene, übrigens einzige Bildnisleistung des Nürnberger
Dürerschülers. Die lateinische Inschrift besagt: So sahen seine Augen, seine Wangen, seine Gesichtszüge aus.
Außerordentlich gut charakterisierte und fein geschnittene, übrigens einzige Bildnisleistung des Nürnberger
Dürerschülers. Die lateinische Inschrift besagt: So sahen seine Augen, seine Wangen, seine Gesichtszüge aus.
Repräsentationen
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