ST - UvH - 001 - 22
Complete identifier
StadtA SLÜ, ST, ST - UvH - 001 - 22
Case file
Identification
Title
Title
Brief mit Aufsatz (Das Dorf Hutten) | Alfred Kühnert
historische Entwicklung von der ersten urkundlichen Erwähnung bis zur Gebietsreform
historische Entwicklung von der ersten urkundlichen Erwähnung bis zur Gebietsreform
Life span
Life span
13.01.1987
Information / Notes
Additional information
Additional information
Brief
Alfred Kühnert
3530 Warburg / Westf., den 13.1.87
Emil-Nolde-Straße 5
Telefon (0 56 41) 47 76
Lieber Herr Krischke!
Nach Ihrem Anruf v. 10.1.87 habe ich meine Unterlagen über Hutten nachgesehen und kann Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, daß ich dabei einen Aufsatz von mir über die Geschichte des Dorfes Hutten wiederentdeckt habe. Ich legte ihn für eine Veröffentlichung im Heimatkalender zurück, bin aber gerne bereit, Ihnen die Aufzeichnungen aus Anlaß der 850-Jahr-Feier zur Verfügung zu stellen. Mit einigen Ergänzungen durch weiteres Material, das Sie inzwischen gesammelt haben oder noch erhalten, müßte sich daraus doch ein Vortrag nach Ihren Vorstellungen zusammensetzen lassen. Außerdem lege ich Ihnen noch einige Fotokopien über weitere Unterlagen von Hutten bei und hoffe, Ihnen etwas weitergeholfen zu haben.
Natürlich bin ich an weitern historischen Funden aus Kirchenbüchern, der Schulchronik, Brandensteiner Akten, Urkunden des Schlüchterner Justizamtes u.ä. aber auch an Erinnerungen älterer Mitbürger über die jüngere Geschichte sehr interessiert. Besonders für den nächsten Heimatkalender fehlt mir ein schönes Foto von Hutten als Gesamtansicht oder einer markanten Stelle innerhalb des Ortes. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir da helfen könnten. Vielleicht ist es sogar möglich, daß ich im nächsten Frühjahr einmal bei Ihnen vorbeikommen kann, da ich mich [handschiftlich - für einige Zeit] in Oberzell aufhalte.
Ich wünsche Ihnen weitere erfolgreiche Arbeiten zur Vorbereitung der 850-Jahr-Feier und würde mich freuen, wenn unsere Verbindung nicht abreißt.
Mit freundlichen Grüßen
[handschriftlich] A. Kühnert
Alfred Kühnert
3530 Warburg / Westf., den 13.1.87
Emil-Nolde-Straße 5
Telefon (0 56 41) 47 76
Lieber Herr Krischke!
Nach Ihrem Anruf v. 10.1.87 habe ich meine Unterlagen über Hutten nachgesehen und kann Ihnen die erfreuliche Mitteilung machen, daß ich dabei einen Aufsatz von mir über die Geschichte des Dorfes Hutten wiederentdeckt habe. Ich legte ihn für eine Veröffentlichung im Heimatkalender zurück, bin aber gerne bereit, Ihnen die Aufzeichnungen aus Anlaß der 850-Jahr-Feier zur Verfügung zu stellen. Mit einigen Ergänzungen durch weiteres Material, das Sie inzwischen gesammelt haben oder noch erhalten, müßte sich daraus doch ein Vortrag nach Ihren Vorstellungen zusammensetzen lassen. Außerdem lege ich Ihnen noch einige Fotokopien über weitere Unterlagen von Hutten bei und hoffe, Ihnen etwas weitergeholfen zu haben.
Natürlich bin ich an weitern historischen Funden aus Kirchenbüchern, der Schulchronik, Brandensteiner Akten, Urkunden des Schlüchterner Justizamtes u.ä. aber auch an Erinnerungen älterer Mitbürger über die jüngere Geschichte sehr interessiert. Besonders für den nächsten Heimatkalender fehlt mir ein schönes Foto von Hutten als Gesamtansicht oder einer markanten Stelle innerhalb des Ortes. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir da helfen könnten. Vielleicht ist es sogar möglich, daß ich im nächsten Frühjahr einmal bei Ihnen vorbeikommen kann, da ich mich [handschiftlich - für einige Zeit] in Oberzell aufhalte.
Ich wünsche Ihnen weitere erfolgreiche Arbeiten zur Vorbereitung der 850-Jahr-Feier und würde mich freuen, wenn unsere Verbindung nicht abreißt.
Mit freundlichen Grüßen
[handschriftlich] A. Kühnert
Aufsatz
Das Dorf Hutten
Der Ortsname Hutten tritt in verschiedener Form viermal in der Bundesrepublik auf. Zur badischen Stadt Phlippsburg in der Nähe von Bruchsal unmittelbar am Rhein gehört der Stadtteil Huttenheim, das seinen Namen dem Fürstbischof Kardinal Franz Christoph von Hutten, einem Abkömmling der Hutten-Steinbach-Romsthaler Linie verdankt. Er ließ die Siedlung Kaudenheim verlegen, um sie vor dem Hochwasser des Rheins zu bewahren. Ben Neuaufbau förderte er durch Landschenkungen und finanzielle Beihilfen, so daß die dankbaren Bewohner der neuen Siedlung seinen Namen gaben. Der Weiler Huttenried bei Kaufbeuren und Huttenwang im Allgäu stehen in keiner Verbindung zum Rittergeschlecht derer von Hutten, sondern gehen auf einen Huot oder Hatto als Gründer zurück.
Das Dorf jedoch, das als Stammort der Hutten angenommen wird, ist der Schlüchterner Stadtteil Hutten, die auf dem Landrücken mit 455 Metern höchstgelegene Gemeinde des Altkreises Schlüchtern.
Der Ort wird 1137 zum ersten mal urkundlich als "Hutten" erwähnt, doch Funde von Beilen, Hämmern und Scherben aus der Jungsteinzeit weisen auf ein früheres Siedlungsgebiet hin. Alte Akten verraten, daß 1150 der fuldische Ministeriale Gerlach von Thulba dem Kloster Fulda ein Gut in Hutten schenkte. Außerdem wurde 1224 zum ersten mal mit Erkinbert, Hermann und Johann drei Brüder vom Kloster Schlüchtern und 1278 ein Gerhard von Hutten als Zeuge genannt. 1285 treten Hermann von Hutten der Sohn des Johannes von Hutten - als Würzburger Lehnsträger und 1286 Friedrich von Hutten als Besitzer einer Kressenbacher Vogtei auf. 1300 wurde Ludwig von Hutten und seine Brüder mit der Vogtei Rotenberg (östlich von Elm) durch den "edlen Herrn von Brandenstein" belehnt.
Aus all diesen Angaben geht allerdings nicht hervor, ob das Dorf Hutten der Ursitz des Geschlechts war, obwohl die heute noch für einen Ortsteile gebräuchliche Bezeichnung "Hinterburg" ein Hinweis auf einen alten Herrenhof sein könnte, zumal das Dorf auch 1488 als "ummauert" erwähnt wird, was als eine Besonderheit für Siedlungen dieser Größe gelten muß.
Als Teil des Brandensteiner Lehens wechselte Hutten mehrmals seine Herren. 1307 verlieh es Bischof Andreas von Würzburg an Ludwig den Jüngeren von Rieneck, der es 1316 an den Hanauer Grafen Ulrich II. verkaufte. Seitdem trägt das Gebiet den Namen "Hanauisches Gericht". 1321 bestätigte der Würzburger Bischof Gottfried den Verkauf, indem er den Hanauer Grafen mit dem Gebiet belehnte. Nach einer Zwischenherrschaft der Ebersteiner fiel das "Gericht Brandenstein" 1542 erneut an die Hanauer Grafen zurück. Seit 1571 schwelte zwischen dem Bistum Würzburg und den Grafen von Hanau ein Streit um die Besitztümer im Schlüchterner Raum, der erst 1672 zugunsten der Hanauer Grafen entschieden wurde. Gegen die Waldungen bei Orb erhielten die Hanauer alle im oberen Kinzigtal gelegenen Lehen zu freiem Eigentum.
Das Dorf Hutten
Der Ortsname Hutten tritt in verschiedener Form viermal in der Bundesrepublik auf. Zur badischen Stadt Phlippsburg in der Nähe von Bruchsal unmittelbar am Rhein gehört der Stadtteil Huttenheim, das seinen Namen dem Fürstbischof Kardinal Franz Christoph von Hutten, einem Abkömmling der Hutten-Steinbach-Romsthaler Linie verdankt. Er ließ die Siedlung Kaudenheim verlegen, um sie vor dem Hochwasser des Rheins zu bewahren. Ben Neuaufbau förderte er durch Landschenkungen und finanzielle Beihilfen, so daß die dankbaren Bewohner der neuen Siedlung seinen Namen gaben. Der Weiler Huttenried bei Kaufbeuren und Huttenwang im Allgäu stehen in keiner Verbindung zum Rittergeschlecht derer von Hutten, sondern gehen auf einen Huot oder Hatto als Gründer zurück.
Das Dorf jedoch, das als Stammort der Hutten angenommen wird, ist der Schlüchterner Stadtteil Hutten, die auf dem Landrücken mit 455 Metern höchstgelegene Gemeinde des Altkreises Schlüchtern.
Der Ort wird 1137 zum ersten mal urkundlich als "Hutten" erwähnt, doch Funde von Beilen, Hämmern und Scherben aus der Jungsteinzeit weisen auf ein früheres Siedlungsgebiet hin. Alte Akten verraten, daß 1150 der fuldische Ministeriale Gerlach von Thulba dem Kloster Fulda ein Gut in Hutten schenkte. Außerdem wurde 1224 zum ersten mal mit Erkinbert, Hermann und Johann drei Brüder vom Kloster Schlüchtern und 1278 ein Gerhard von Hutten als Zeuge genannt. 1285 treten Hermann von Hutten der Sohn des Johannes von Hutten - als Würzburger Lehnsträger und 1286 Friedrich von Hutten als Besitzer einer Kressenbacher Vogtei auf. 1300 wurde Ludwig von Hutten und seine Brüder mit der Vogtei Rotenberg (östlich von Elm) durch den "edlen Herrn von Brandenstein" belehnt.
Aus all diesen Angaben geht allerdings nicht hervor, ob das Dorf Hutten der Ursitz des Geschlechts war, obwohl die heute noch für einen Ortsteile gebräuchliche Bezeichnung "Hinterburg" ein Hinweis auf einen alten Herrenhof sein könnte, zumal das Dorf auch 1488 als "ummauert" erwähnt wird, was als eine Besonderheit für Siedlungen dieser Größe gelten muß.
Als Teil des Brandensteiner Lehens wechselte Hutten mehrmals seine Herren. 1307 verlieh es Bischof Andreas von Würzburg an Ludwig den Jüngeren von Rieneck, der es 1316 an den Hanauer Grafen Ulrich II. verkaufte. Seitdem trägt das Gebiet den Namen "Hanauisches Gericht". 1321 bestätigte der Würzburger Bischof Gottfried den Verkauf, indem er den Hanauer Grafen mit dem Gebiet belehnte. Nach einer Zwischenherrschaft der Ebersteiner fiel das "Gericht Brandenstein" 1542 erneut an die Hanauer Grafen zurück. Seit 1571 schwelte zwischen dem Bistum Würzburg und den Grafen von Hanau ein Streit um die Besitztümer im Schlüchterner Raum, der erst 1672 zugunsten der Hanauer Grafen entschieden wurde. Gegen die Waldungen bei Orb erhielten die Hanauer alle im oberen Kinzigtal gelegenen Lehen zu freiem Eigentum.
[Seite] - 2 -
Aus dem Dorf Hutten liegen für die nächsten Jahrhunderte nur sporadische Nachrichten vor. So werden 1549 mit dem Caplan Valentin Hopf und 1558 mit Pfarrer Hartmann Gottfried die ersten beiden evangelischen Seelsorger des Ortes genannt, die ihren Sitz allerdings in Oberkalbach hatten und Hutten nur als Filialgemeinde mit versahen. Aus einem Verzeichnis der wehrhaften Männer der vier Hanauer Ämter aus dem Jahre 1587 ist zu ersehen, daß Hutten 42 Schützen (13 ohne Sturmhaube und 21 Federspießer (alle ohne Sturmhaube) zu stellen hatte. Der Schultheiß der Gemeinde trug 1604 den klangvollen Namen Melchisedech König. Der Dreißigjährige Krieg brachte Beschwernisse, Not und Tod wie überall im Hanauer Land. An durchziehende Truppen mußten Abgaben geleistet werden, Hunger, Pest und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Wie verunsichert die Menschen damals waren, zeigt 1633 der üble Scherz des Hutteners Peter Weigand, der aus Mutwillen bei der Gundhelmer Mühle drei Schüsse abgab. Daraufhin flohen alle Leute aus dem Dorf und verkrochen sich in der Umgebung. Nach dem Kriege (1653) waren von 70 "Herdstätten" (Haushalten) nur noch 20 übrig geblieben. Die Namen waren: Niclas Möller (Schultheiß), Adam Ummert, Clas Kirchner, Jörg Paul, Jörg Schmaltz, Corad Winhold, Hans Möller, Hans Ochs, Conrad Löffert, Henn Kesselring, Clas Blum, Jost Kesselrings Wittib, Hans Zinkann, Jörg Weigand, Clas Heye, Lorentz Schmidt, Hans Ziegler, Hans Blum, Clas Frischkorn und Clas Weigand.
Die Wölfe hatten sich während des Krieges stark vermehrt, und 1654 fielen sie an zwei Stellen in Hutten ein. "Den 8. (Oktober) umb den mittag Gottesdienst fallen wiederumb 2 wölff den Joh, Clasen an zu Hutten, und als die leuth hinunter zu ihm lieffen, kam einer obig dem Dorf dem Säwhirten entgegen, daß allenhalben großes Lärmen wurde." Das im 17. Jahrhundert viele heimatlose Menschen unterwegs waren, beweisen folgende Angaben aus Hutten in jener Zeit:
1676: Einem "reuter aus der Grafschaft Lych, der sein quattir zu Hutten gehabt, ein Kind begraben".
1692: Am 11. Februar einem vertriebenen Mann (aus der Pfalz) "sein Weib allhier gestorben",
1693: Den 5. März "ein altes Weib auß der Pfaltz, so sich eine Zeitlang zu Hutten wegen des Frantzösischen Krieges aufgehalten, begraben". Am 11. September "einer vertriebenen frawen auß der Pfaltz, sich zu Hutten aufhaltend". Einem Dragoner von Heilberg in der Herrschaft Lych einen Sohn getauft".
1696: Pate bei einer Taufe in Hutten "wardt ein Merckedentre (Marketender) zu Heroltz im Quartier liegend".
Seit 1719 gehörte Hutten zur Landgrafschaft Hessen-Kassel; denn das Amt Brandenstein wurde für 100 000 Gulden an die Kasseler Herren verpfändet, mit dem Amt Altengronau vereinigt und erst 1786 zusammen mit dem Amt Schwarzenfels in allen Regierungs- und Justizangelegenheiten wieder der Grafschaft Hanau angegliedert.
Aus dem Dorf Hutten liegen für die nächsten Jahrhunderte nur sporadische Nachrichten vor. So werden 1549 mit dem Caplan Valentin Hopf und 1558 mit Pfarrer Hartmann Gottfried die ersten beiden evangelischen Seelsorger des Ortes genannt, die ihren Sitz allerdings in Oberkalbach hatten und Hutten nur als Filialgemeinde mit versahen. Aus einem Verzeichnis der wehrhaften Männer der vier Hanauer Ämter aus dem Jahre 1587 ist zu ersehen, daß Hutten 42 Schützen (13 ohne Sturmhaube und 21 Federspießer (alle ohne Sturmhaube) zu stellen hatte. Der Schultheiß der Gemeinde trug 1604 den klangvollen Namen Melchisedech König. Der Dreißigjährige Krieg brachte Beschwernisse, Not und Tod wie überall im Hanauer Land. An durchziehende Truppen mußten Abgaben geleistet werden, Hunger, Pest und Plünderungen waren an der Tagesordnung. Wie verunsichert die Menschen damals waren, zeigt 1633 der üble Scherz des Hutteners Peter Weigand, der aus Mutwillen bei der Gundhelmer Mühle drei Schüsse abgab. Daraufhin flohen alle Leute aus dem Dorf und verkrochen sich in der Umgebung. Nach dem Kriege (1653) waren von 70 "Herdstätten" (Haushalten) nur noch 20 übrig geblieben. Die Namen waren: Niclas Möller (Schultheiß), Adam Ummert, Clas Kirchner, Jörg Paul, Jörg Schmaltz, Corad Winhold, Hans Möller, Hans Ochs, Conrad Löffert, Henn Kesselring, Clas Blum, Jost Kesselrings Wittib, Hans Zinkann, Jörg Weigand, Clas Heye, Lorentz Schmidt, Hans Ziegler, Hans Blum, Clas Frischkorn und Clas Weigand.
Die Wölfe hatten sich während des Krieges stark vermehrt, und 1654 fielen sie an zwei Stellen in Hutten ein. "Den 8. (Oktober) umb den mittag Gottesdienst fallen wiederumb 2 wölff den Joh, Clasen an zu Hutten, und als die leuth hinunter zu ihm lieffen, kam einer obig dem Dorf dem Säwhirten entgegen, daß allenhalben großes Lärmen wurde." Das im 17. Jahrhundert viele heimatlose Menschen unterwegs waren, beweisen folgende Angaben aus Hutten in jener Zeit:
1676: Einem "reuter aus der Grafschaft Lych, der sein quattir zu Hutten gehabt, ein Kind begraben".
1692: Am 11. Februar einem vertriebenen Mann (aus der Pfalz) "sein Weib allhier gestorben",
1693: Den 5. März "ein altes Weib auß der Pfaltz, so sich eine Zeitlang zu Hutten wegen des Frantzösischen Krieges aufgehalten, begraben". Am 11. September "einer vertriebenen frawen auß der Pfaltz, sich zu Hutten aufhaltend". Einem Dragoner von Heilberg in der Herrschaft Lych einen Sohn getauft".
1696: Pate bei einer Taufe in Hutten "wardt ein Merckedentre (Marketender) zu Heroltz im Quartier liegend".
Seit 1719 gehörte Hutten zur Landgrafschaft Hessen-Kassel; denn das Amt Brandenstein wurde für 100 000 Gulden an die Kasseler Herren verpfändet, mit dem Amt Altengronau vereinigt und erst 1786 zusammen mit dem Amt Schwarzenfels in allen Regierungs- und Justizangelegenheiten wieder der Grafschaft Hanau angegliedert.
[Seite] - 3 -
Der größte Hof im 18. Jahrhundert in Hutten war das herrschaftliche Vorwerk "Der Hof" genannt, der dem Bodenbewuchs entsprechend in erster Linie der Schafzucht diente. Zeitweise beherbergte er 800 Tiere. Er wurde 1781 in ein Erbleihgut umgewandelt, dass Johannes Winhold übernahm. Die Hälfte des Grundbesitzes kam allerdings durch Aufteilung und Verkauf an 15 Huttener Bauern, die "Fünfzehner" genannt. In einer "Erdbeschreibung des Hessischen Lande" von 1778 heißt es "Hutten am Elmbach ist um ein geringeres kleiner als die übrigen" (Elm, Oberzell, Altengronau und Gundhelm). Im Jahre 1821 wurde das Grundherrliche Gericht Brandenstein aufgelöst und Hutten zusammen mit Elm, Gundhelm und Oberkalbach dem Justizamt Schlüchtern zugeteilt. Die geistliche Aufsicht hatte Landgraf Karl allerdings schon 1719 dem reformierten Konsistorium in Hanau übertragen. Von hier aus wurden Pfarrer und "Schuldiener" (Lehrer) eingestellt, ihre Amtsführung und ihr Lebenswandel überwacht und nach Maßgabe des 1670 geschlossenen Hanauer Religionsrezesses die Gerichtsbarkeit über sie in persönlichen Angelegenheiten ausgeübt.
Aus "Beiträgen zur Beschreibung des Kirchen-Staats der Hessen-Casselischen Lande" von 1780 erfahren wir über die kirchlichen Verhältnisse in Hutten: "Hier (Gundhelm war ehedem Hutteneingepfarrt. Wie aber diese Gemeinde bis zu 50 Familien angewachsen war und sich über den weiten Kirchgang beschwerte, so erhielt sie das Gnädigsten Resolution (Beschluß) vom 11. Dezember 1742 zufolge einen eigenen Gottesdienst. Es sollte, dieser gemäß, der Gottesdienst einen Sonntag um den anderen in Gundhelm und in Hutten gehalten werden: ... heutzutage wird zu Gundhelm zu jedem ... tage, in Hutten aber über vierzehen ....predigt. Hutten hatte vorhin ... Gundhelm; anjetzo aber ist ..ner Totenhof angelegt."
Das Huttener Gotteshaus wurde 1764 in seiner heutigen Gestalt erbaut. Das Gebäude wird von einem Giebeltürmchen mit Laterne überragt, die viereckigen Fenster sind schlicht profiliert, und das Portal ist nach der Art des dörflichen Rokokos verziert. In der Mitte des Türsturzes halten zwei schwebende Engelsbuben über das Jahreszahl das Symboltier der hessischen Landesherren, den Löwen, in den Händen. Der hölzerne Opferstock aus damaliger Zeit und die Kriegerehrentafel von 1814 werden im Schlüchterner Bergwinkel-Museum aufbewahrt, das alte Becken des Taufsteins aus dem 16. Jahrhundert dient im Innenhof der Burg Brandenstein als Blumenschale. Die beiden Glocken wurden erst 1913 angeschafft und tragen die Inschrift: "Ertöne lange zur Ehre Gottes" und das Huttenwort "Ich hab's gewagt". In den Balken des Glockenstuhls hat der Erbauer eingeschlagen:" Ich will tragen die Boten, die da Freud und Leid und den Frieden verkünden - Mich baute Nikolaus Kraushaar Hutten Anno Domini 1913".
Wie in allen Dörfer des Kreises Schlüchtern fand auch in Hutten die Ablösung des Zehnten im Jahre 1835 statt. Für ein Darlehen von 10 940 Taler bei der Kurfürstlichen Landeskreditkasse kauften sich die Bürger frei, mußten aber nun jährlich Kapital und Zinsen abtragen, was bei Mißernten
Der größte Hof im 18. Jahrhundert in Hutten war das herrschaftliche Vorwerk "Der Hof" genannt, der dem Bodenbewuchs entsprechend in erster Linie der Schafzucht diente. Zeitweise beherbergte er 800 Tiere. Er wurde 1781 in ein Erbleihgut umgewandelt, dass Johannes Winhold übernahm. Die Hälfte des Grundbesitzes kam allerdings durch Aufteilung und Verkauf an 15 Huttener Bauern, die "Fünfzehner" genannt. In einer "Erdbeschreibung des Hessischen Lande" von 1778 heißt es "Hutten am Elmbach ist um ein geringeres kleiner als die übrigen" (Elm, Oberzell, Altengronau und Gundhelm). Im Jahre 1821 wurde das Grundherrliche Gericht Brandenstein aufgelöst und Hutten zusammen mit Elm, Gundhelm und Oberkalbach dem Justizamt Schlüchtern zugeteilt. Die geistliche Aufsicht hatte Landgraf Karl allerdings schon 1719 dem reformierten Konsistorium in Hanau übertragen. Von hier aus wurden Pfarrer und "Schuldiener" (Lehrer) eingestellt, ihre Amtsführung und ihr Lebenswandel überwacht und nach Maßgabe des 1670 geschlossenen Hanauer Religionsrezesses die Gerichtsbarkeit über sie in persönlichen Angelegenheiten ausgeübt.
Aus "Beiträgen zur Beschreibung des Kirchen-Staats der Hessen-Casselischen Lande" von 1780 erfahren wir über die kirchlichen Verhältnisse in Hutten: "Hier (Gundhelm war ehedem Hutteneingepfarrt. Wie aber diese Gemeinde bis zu 50 Familien angewachsen war und sich über den weiten Kirchgang beschwerte, so erhielt sie das Gnädigsten Resolution (Beschluß) vom 11. Dezember 1742 zufolge einen eigenen Gottesdienst. Es sollte, dieser gemäß, der Gottesdienst einen Sonntag um den anderen in Gundhelm und in Hutten gehalten werden: ... heutzutage wird zu Gundhelm zu jedem ... tage, in Hutten aber über vierzehen ....predigt. Hutten hatte vorhin ... Gundhelm; anjetzo aber ist ..ner Totenhof angelegt."
Das Huttener Gotteshaus wurde 1764 in seiner heutigen Gestalt erbaut. Das Gebäude wird von einem Giebeltürmchen mit Laterne überragt, die viereckigen Fenster sind schlicht profiliert, und das Portal ist nach der Art des dörflichen Rokokos verziert. In der Mitte des Türsturzes halten zwei schwebende Engelsbuben über das Jahreszahl das Symboltier der hessischen Landesherren, den Löwen, in den Händen. Der hölzerne Opferstock aus damaliger Zeit und die Kriegerehrentafel von 1814 werden im Schlüchterner Bergwinkel-Museum aufbewahrt, das alte Becken des Taufsteins aus dem 16. Jahrhundert dient im Innenhof der Burg Brandenstein als Blumenschale. Die beiden Glocken wurden erst 1913 angeschafft und tragen die Inschrift: "Ertöne lange zur Ehre Gottes" und das Huttenwort "Ich hab's gewagt". In den Balken des Glockenstuhls hat der Erbauer eingeschlagen:" Ich will tragen die Boten, die da Freud und Leid und den Frieden verkünden - Mich baute Nikolaus Kraushaar Hutten Anno Domini 1913".
Wie in allen Dörfer des Kreises Schlüchtern fand auch in Hutten die Ablösung des Zehnten im Jahre 1835 statt. Für ein Darlehen von 10 940 Taler bei der Kurfürstlichen Landeskreditkasse kauften sich die Bürger frei, mußten aber nun jährlich Kapital und Zinsen abtragen, was bei Mißernten
[Seite] 4
sehr bedrückend für den einzelnen wurde. Erst nach 62 Jahren, am 16. Juli 1897, teilte die Landeskreditkasse den Hutternern mit:
"Nachdem das von der Gemeinde Hutten aus der Landeskreditkasse dahier erborgte Kapital Nr. 3099 = 10 940 Thlr. vom 3. März 1835 bezw. 21. Juli 1835 nebst Zinsen zurückbezahlt worden ist, so wird hierüber quittiert und Einwilligung zur Löschung der bezüglichen Pfandeinträge ertheilt."
1839 bis 1842 entstand in der Gemeinde ein neues Schulhaus. Das Baumaterial wurde in Hand- und Hand- und Spanndiensten von Altengronau beigefahren, wo die Huttener eine alte Zehntscheune auf Abbruch gekauft hatten.
War Hutten in den Kriegen von 1813/14, 1866, 1870/71 und im Ersten Weltkrieg 1914 - 1918 nur durch die Teilnahme seiner wehrtüchtigen Männer direkt beteiligt, kam es am Ende der Zweiten Weltkrieges nicht nur wegen der in der Nähe verlaufenden Bahnlinien zu Luftangriffen, es wurde auch am 4. April 1945 von US-Panzern erobert, und bei Schießereien im Dorf bekam eine Witwe einen tödlichen Kopfschuß.
Am 1. Dezember 1969 gab die Gemeinde Hutten freiwillig ihre Selbstversorgung auf und schloß sich der Stadt Schlüchtern an. Heute ist der alte geschichtsträchtige Name durch das ganz in der Nähe liegende Freizeit- und Feriengebiet "Heiligenborn" bekannt geworden. Hier haben nicht nur viele Städter ein Ferienhaus errichtet, aus weiter Ferne kommen auch jedes Jahr viele Gäste, um sich in der noch intakten Natur zu erholen.
Alfred Kühnert
sehr bedrückend für den einzelnen wurde. Erst nach 62 Jahren, am 16. Juli 1897, teilte die Landeskreditkasse den Hutternern mit:
"Nachdem das von der Gemeinde Hutten aus der Landeskreditkasse dahier erborgte Kapital Nr. 3099 = 10 940 Thlr. vom 3. März 1835 bezw. 21. Juli 1835 nebst Zinsen zurückbezahlt worden ist, so wird hierüber quittiert und Einwilligung zur Löschung der bezüglichen Pfandeinträge ertheilt."
1839 bis 1842 entstand in der Gemeinde ein neues Schulhaus. Das Baumaterial wurde in Hand- und Hand- und Spanndiensten von Altengronau beigefahren, wo die Huttener eine alte Zehntscheune auf Abbruch gekauft hatten.
War Hutten in den Kriegen von 1813/14, 1866, 1870/71 und im Ersten Weltkrieg 1914 - 1918 nur durch die Teilnahme seiner wehrtüchtigen Männer direkt beteiligt, kam es am Ende der Zweiten Weltkrieges nicht nur wegen der in der Nähe verlaufenden Bahnlinien zu Luftangriffen, es wurde auch am 4. April 1945 von US-Panzern erobert, und bei Schießereien im Dorf bekam eine Witwe einen tödlichen Kopfschuß.
Am 1. Dezember 1969 gab die Gemeinde Hutten freiwillig ihre Selbstversorgung auf und schloß sich der Stadt Schlüchtern an. Heute ist der alte geschichtsträchtige Name durch das ganz in der Nähe liegende Freizeit- und Feriengebiet "Heiligenborn" bekannt geworden. Hier haben nicht nur viele Städter ein Ferienhaus errichtet, aus weiter Ferne kommen auch jedes Jahr viele Gäste, um sich in der noch intakten Natur zu erholen.
Alfred Kühnert
Representations
There are no representations.