2215
Vollständige Signatur
HStAM, Urk. 75, 2215
Urkunde
Identifikation (Urkunde)
Datierung
Datierung
1733 Juli 3
Originaldatierung
Originaldatierung
So geschehen Hanau den 3ten Julii eintausend sieben hundert und dreysig drey
Vermerke (Urkunde)
(Voll-) Regest
(Voll-) Regest
Johann Reinhard Graf von Hanau bekundet für sich und seine Erben, dass es in den fuldischen und hanauischen Ämtern Uerzell, Neuhof, Sannerz, Steinau und Schlüchtern zu einer gemeinsamen Grenzbegehung durch Bevollmächtigte beider Seiten gekommen ist. Damit sind alle älteren Grenzstreitigkeiten behoben worden. Auf der Grundlage einer Grenzbegehung von 1719 [vgl. Nr. 2141 und Nr. 2142] ist die gesamte Grenze durch die Bevollmächtigten mit Grenzsteinen markiert worden. Zunächst wurde darüber 1731 August 25 in Schlüchtern (So geschehen Schlüchtern den 25ten Augusti 1731) bis zur endgültigen Ratifizierung und die nun vorliegende umfängliche Steinbeschreibung einschließlich Vermessungsplänen durch beide Seiten ein Interimsvertrag [vgl. Nr. 2205] abgeschlossen. Graf Johann bestätigt den 1731 August 25 mit dem Kloster Fulda abgeschlossenen Grenzvertrag und bestimmt, dass fortan niemand gegen die Artikel dieses Vertrags handeln darf. Ankündigung der Unterfertigung [S. 8 unten]. Ankündigung des Sekretsiegels Graf Johanns. Handlungsort: Hanau. - Inserierte Urkunde von 1731 August 25 [vgl. Nr. 2205] [S. 3-S. 23 oben]: Adolf [von Dalberg], Abt von Fulda, und Johann Reinhard Graf von Hanau haben sich darauf geeinigt, dass ihre gemeinsame Landesgrenze besichtigt wird und vorhandene Unregelmäßigkeiten beseitigt werden sollen. Das Kloster Fulda hat dazu den kurfürstlich-kölnischen Kammerherrn, fuldischen Geheimrat, Oberjägermeister und Oberamtmann des Oberamts Fischberg, Johann Friedrich Lothar (Lotharius) von Hanxleden, sowie den Hof- und Regierungsrat Johann Georg Salomon bevollmächtigt, die Grafschaft Hanau den hanauischen Oberforst- und Jägermeister, Philipp Ludwig von Bechtolsheim, sowie den Hofgerichts- und Konsistorialrat Johann Daniel Ihm. Die Bevollmächtigten haben sich mit weiteren Beamten, Jagd- und Forstbediensteten, Schöffen und Vertretern der angrenzenden Orte im April des Jahres 1730 bei der Landesgrenze eingefunden. Es ist zunächst festgestellt worden, dass die Grenze bereits früher ordentlich verzeichnet wurde, jedoch bei der Begehung 1719 ganze Bereiche ausgelassen und nicht mit Steinen versehen wurden, was nun zur Vermeidung zukünftiger Streitigkeiten erledigt wird. Beide Herrschaften haben sich zudem darauf verständigt, dass die Steinbeschreibung von 1719 weiterhin für richtig angesehen wird und als Grundlage des nun vorzunehmenden Grenzrezesses dient. Die Bevollmächtigten beider Seiten sind 1730 Oktober 5 erneut zur Setzung der Grenzsteine zusammengekommen. Es sind des Weiteren anwesend gewesen: von fuldischer Seite der Hofrat und Amtsvogt in Neuhof, Karl Josef Well; der Amtsvogt von Uerzell, Kaspar Reinhard Agricola; der Ingenieur und Hauptmann Philipp Ludwig Lindner; der Oberjäger Saleck; die Forstbediensteten Johann Coris, Johann Walter und Christoph Herbert; von hanauischer Seite der gräflich-hanauische Rat und Amtmanns in Steinau, Johann Wilhelm von Hamm; der Stadt- und Amtsschreiber in Steinau, Johann Matthias Brandenburger; der Oberförster Bernhard Wagner, die Ingenieure und Landvermesser (renovatorn) Jost (Just) Konrad Lind, Johann Kämpff, Johann Heinrich Stickel und Johann Peter Bröll und weitere Forstbedienstete, Schöffen sowie geschworene Untertanen beider Seiten. Es ist vereinbart worden, dass man sich der gleichen Grenzbeschauer (landschieder) und Steinsetzer bedienen will wie 1719. Die hanauische Seite hat jedoch vorgebracht, dass ihre damaligen Grenzbeschauer bereits alle verstorben sind und sich auch in deren Aufzeichnungen keine Belege über die von ihnen gesetzten Steine gefunden haben. Die fuldischen Feldgeschworenen und Steinsetzer haben mitgeteilt, dass die Steine damals nicht gesondert markiert, sondern nur an ihrem Fuss in alphabetischer Reihenfolge gekennzeichnet wurden; die Hebung eines Steins hat diese Aussage bestätigt. Daher hat man sich darauf geeinigt, dass die neu zu setzenden Steine ebenfalls keine Wappen (kunden) bekommen, sondern an ihrem Fuss ein Zeichen zur Unterscheidung (signum distinctivum) erhalten sollen; wie mit älteren Steinen mit Wappen verfahren werden soll, regelt Artikel 1 des Vertrags. Obwohl das im April 1730 angefertigte Protokoll der Bevollmächtigten fast durchgehend enthält, wo welche Steine gesetzt werden sollen, hat man sich dahingehend verständigt, dass zwei Bezirke, der so genannte Laudenbachsgraben und der Bach, der Steinbach und zum Teil Auerts genannt wird, mit Grenzsteinen markiert werden sollen. Wegen des Fischfangs in diesem Bach gelten weiterhin die Bestimmungen des Vergleichs von 1719 September 11 [Nr. 2141]. Das Kloster Fulda besitzt demnach ausdrücklich das Fischrecht in dem auf hanauischem Territorium gelegenen Grossenbacher Mühlgraben; jedoch sollen dabei Schäden an der nahe gelegenen Mühle und den Wiesen vermieden werden. Es ist weiter ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass sowohl der frühere als auch der jetzige Vergleich die Eigentumsrechte an Grundstücken aller Art, die in fremdes Herrschaftsgebiet hineinragen, durch die vorgenommenen Grenzabsteinungen unveränderlich festgelegt haben. Es ist gesondert beschlossen worden, die Hutweide der fuldischen Gemeinde Sarrod (Sahroda) mit Steinen zu markieren, ebenso alle ins hanauische Territorium hineinragenden Privatgrundstücke. Zur Wahrung der Rechte der Eigentümer sind deren Grundstücke genau vermessen und als Teil dieses Grenzrezesses aufgelistet worden. Ohne Genehmigung der hanauischen Schäferei darf die Sarroder Hutweide nicht erweitert werden, damit die Schafweide nicht verkleinert wird. Weiter ist vereinbart worden, dass sich das Kloster Schlüchtern mit den fuldischen Untertanen beim Clasberg wegen der noch ausstehenden Zinsen vergleichen soll. Die Herrschafts- und Jagdrechte Hanaus auf dem Gebiet, dass Stiehmen genannt wird, sind bestätigt worden; das genannte Gebiet bleibt jedoch weiterhin fuldisches Eigentum, womit die Rechte der Waldnutzung, der Jagd, der Schweinemast (mastung) und der Beweidung verbunden sind. Mit der Steinsetzung ist 1730 Oktober 10 begonnen worden. Wegen des an das fuldische Gebiet angrenzenden Amts Brandenstein, das zur Herrschaft Hanau gehört und an die Herrschaft Hessen-Kassel verpfändet ist [vgl. Nr. 2022, 2023 und 2139], hat man dem hessischen Geheimrat und Oberamtmann von Schwarzenfels, von Rau, Folgendes mitgeteilt: Die Grenzen des Amts Brandenstein sind vorerst von der Grenzbeschreibung ausgenommen worden; die Grenzen werden jedoch gemäß des Vergleichs von 1719 nachträglich versteint. Deswegen sind bereits entlang dieses Territoriums unmarkierte Steine gesetzt worden, die später entsprechend einheitlich numeriert werden sollen. Ankündigung der Unterfertigung. Es folgt die Wiedergabe der Unterschriften: (Fritz von Hanxleden manu propria; Philipp Ludwig von Bechtolsheim; Iohann Georg Salomon manu propria; Iohann Daniel Ihm). - Es folgt eine Auflistung von 86 Grenzsteinen, die während der Begehung 1730 Oktober 6 zwischen dem fuldischen Oberamt Uerzell und dem hanauischen Amt Steinau an der Straße nach Angaben der Untertanen und exakter Ausmessung der Distanzen aufgerichtet worden sind [S. 23 - S. 83]. Es folgt eine Auflistung von 294 Grenzsteinen, die zwischen den fuldischen Oberämtern Uerzell und Neuhof sowie dem hanauischen Amt Schlüchtern aufgerichtet worden sind [S. 84 - S. 218]. Danach folgt eine Auflistung von 110 Grenzsteinen, die entlang der Grenzen des Klosters Fulda mit dem hessischen Amt Altengronau und dem hessischen Territorium errichtet wurden [S. 219 - S. 268]. Im Anschluss erfolgt eine Auflistung der Grundstücke und ihrer Eigentümer in den Orten und Ämtern entlang der Grenze zwischen Fulda und Hanau, die als Untertanen zu einer Herrschaft gehören, deren Besitz jedoch jenseits der Grenze auf dem anderen Herrschaftsgebiet liegt [S. 269 - S. 484]. - Wilhelm Eckhard Faust, Rentmeister im Amt Brandenstein, hat den Abschluß dieser Begehung in Anwesenheit von Abgeordneten aller Seiten bekräftigt (Geschehen Elm den 20ten Octobris 1732).
Unterschriften
Unterschriften
(Iohann Reinhard graf zu Hanau
vidit I[ohann] D[aniel] Ihm)
Formalbeschreibung
Formalbeschreibung
Kopie, gebundenes Papierlibell, unbesiegelt
Informationen / Notizen
Zusatzinformationen
Zusatzinformationen
Auf den Seiten 80, 87, 186, 217, 221 und 268 finden sich Tinten- und Bleistiftzeichnungen der Lagebeschreibungen von Grenzsteinen, von Grenzverläufen und von einzelnen Grenzsteinen.
Auf Seite 82 findet sich die farbige Federzeichnung der den Feldmessungen zugrunde gelegten Maßeinheit des fuldischen Dezimalschuhs, von dem zehn Schuhe eine Rute, 160 Quadratruten wiederum einen Acker ergaben und wie er durch den fuldischen Ingenieur, Stadthauptmann und Landkommissar, Philipp Ludwig Lindner, sowie den hanauischen Ingenieur und stuckjunker [Artillerieoffizier], Justus Konrad Lindt, Anwendung fand.
Vgl. hierzu Nr. 2209, Nr. 2211, Nr. 2212, Nr. 2213 und Nr. 2214.
Repräsentationen
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