AdJb Bestand N 43

  • Zugeordnete Objekte zeigen
  • Drucken
  • Mit Strg+C oder Rechtsklick kopieren.
    Verlinken
  • Versenden
  • Verbessern

Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Sckerl, Lucie (1896-1989)

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Zugang 1989.
Der Bestand Lucie Sckerl wurde von Dr. Dorothee Platz im Sommer 2007 geordnet und verzeichnet. Lucie Sckerl hatte ihren Nachlass dem Archiv der deutschen Jugendbewegung testamentarisch vermacht.

Geschichte des Bestandsbildners

* 23.11.1896 in Berlin, + 7.8.1989 in Berlin. Gymnastiklehrerin.
Mitgliedschaft im Alt-Wandervogel (1913), im Kronacher Bund (1920) u. im Jungdeutschen Bund.
Lucie Sckerl wird am 23. November 1896 in Berlin als Tochter von Charlotte, geb. Thiele (1874-1957), und Carl Sckerl († 1918), einem Kaufmann und Verlagsbuchhändler, geboren. Von ihrer ein Jahr älteren Schwester Else (1895-1967) ist sie ihr Leben lang unzertrennlich. Nach dem Besuch der Höheren-Töchter Schule absolviert Lucie Sckerl 1913 im Vaterländischen Frauenverein eine Ausbildung zur Lehrerin. Bereits während ihrer Ausbildung zur Turnlehrerin an der Gymnastikschule Dorothea Schmidt gibt sie Privatstunden in Gymnastik. Im Herbst 1919 schließt sie den Kurs mit einem Diplom für 'Rhythmisch-Hygienische Gymnastik und Atemgymnastik' ab. In ihrer Ausbildung lernt sie die Systeme nach Elisabeth Mensendiecks (1864-1957), Rudolf Bode (1881-1971) und Emile Jaques Dalcrozes (1865-1950) kennen, wobei sie selbst letzteres System bevorzugt. Sie entwickelt den Ausdruckstanz, durch den sie sich im Berliner Kulturleben der 1920er Jahre etabliert. Hauptberuflich unterrichtet Lucie Sckerl an einer Berliner Oberschule Mädchen in Handarbeiten und Turnen und gibt darüber hinaus privaten Gymnastikunterricht. Erst die nationalsozialistische Regierung verbietet ihr den Doppelverdienst. In der Schule lehrt sie in erster Linie Volkstänze und Volkslieder; Gymnastikstunden gibt sie erst nach Aufforderung des Bezirksschulrates als Fortbildungskurse für Turnlehrerinnen an der Diesterweg-Hochschule. Außerdem verfasst sie ein Lehrbuch über die freie individuelle Bewegung von Kindern. Durch die zwischen 1925 und 1929 in drei Auflagen erscheinende 'Anleitung für den Gymnastikunterricht in den Schulen' erfährt der Gymnastikunterricht weite Verbreitung und löst die herkömmlichen Turnstunden ab. 1913 tritt sie dem Altwandervogel bei, in dem sie eine 'Kükengruppe' leitet. Ab 1924 ist sie Mitglied im Kronacher Bund, im Jungdeutschen Bund, in der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein e.V. und schließlich im Karl-Fischer Bund. Sckerl, die sich selbst als 'kaisertreu' bezeichnet, begreift die Wandervogelbewegung als politikfreien Raum, gesteht jedoch ein, die Mitglieder seien 'völkisch bewusst' gewesen. Andererseits könne die Wandervogelbewegung keinesfalls als Wegbereiter des Nationalsozialismus gesehen werden (Interview Neuloh / Zilius mit Sckerl). Lucie Sckerls Engagement im Wandervogel und ihr Bemühen, Volkstänze zu verbreiten, schlägt sich in mehreren Veröffentlichungen nieder. Auch die Art ihres Schulunterrichts und die Auswahl der Musik ist ein Beleg dafür, wie stark Sckerl ihre Affinität zur Wandervogel-Bewegung mit ihrem Unterricht verbindet. Zusammen mit ihrer Schwester unternimmt Sckerl zahlreiche Reisen, meistens mit dem Schiff. In Vorträgen für die Mitglieder des Karl-Fischer Bundes berichtet sie von ihren Erlebnissen. Nach ihrer Pensionierung befasst Sckerl sich intensiv mit dem Bund. Es werden regelmäßig Heim- oder Nestabende für ältere Mitglieder veranstaltet, sowie ein Mal jährlich eine 'Musische Woche' in der Hans-Breuer-Herberge in Inzmühlen, Kreis Harburg. Hier wird gemeinsam musiziert und gebastelt, es werden Vorträge über Musiker und Maler gehalten und Lucie Sckerl gibt Gymnastikstunden. Sie ist es, die von 1961 bis 1984 diese Treffen organisiert. Lucie Sckerl stirbt am 7. August 1989 in Berlin im Alter von 93 Jahren. Als Mitglied der Vereinigung Jugendburg Ludwigstein e.V. hinterlässt sie dieser Institution nicht nur ihren Nachlass, sondern auch eine größere Geldsumme.

Literatur

Gobbert, Joachim: Zur Methode Jaques-Dalcroze. Die rhythmische Gymnastik als musikpädagogisches System. Wege und Möglichkeiten der plastischen Darstellung von Musik durch den menschlichen Körper, Frankfurt 1998.

Kümmel, Ute: 'Wir haben ein Stückchen Welt erobert'. Die bürgerliche Jugendbewegung als Ort weiblicher Sozialisation. Biographische Bedeutung und Lebensentwürfe, Diplomarbeit Universität Marburg 1996.

Findmittel

Online-Datenbank (ArcInSys)

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang

22 Archivkartons

Bearbeiter

Dr. Dorothee Platz

Informationen / Notizen

Zusatzinformationen

Gymnastiklehrerin, Ausdruckstänzerin