AdJb Bestand N 62

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Götsch, Georg (1895-1956)

Siehe

Korrespondierende Archivalien

N 44 Nachlass Rolf Gardiner

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Zugang 1990; Provenienz Erich Bitterhof.
Der Nachlass von Georg Götsch wurde in der Zeit von Dezember 2008 bis Mai 2009 von den 11 Teilnehmern des 45. Fachhochschulkurses der Archivschule Marburg unter Anleitung von Dr. Alexandra Lutz erschlossen. Für die Verzeichnung standen jeweils vier Wochenstunden zur Verfügung, als Erschließungsprogramm diente MidosaXML.
Der Bestand umfasste 50 Stehordner, vier Archivkartons und zwölf Zeichenmappen. Nach Ordnung und Verzeichnung beträgt der Umfang ca. 4 lfm.,[28] davon entfallen 357 Verzeichnungseinheiten auf Akten und Fotos sowie 268 auf Zeichnungen.[29] Die Archivalien umfassen den Zeitraum von 1914 bis ca. 1992. Enthalten sind unter anderem persönliche Unterlagen wie Tagebücher und Korrespondenzen, aber auch Materialien und Manuskripte aus Götschs Lehrtätigkeit. Hervorzuheben sind außerdem die zahlreichen Fotos, die das Musikheim in Frankfurt und die zahlreichen Aktivitäten der Jugendmusikbewegung festhalten. Die frühesten Aquarelle stammen aus der Zeit der Gefangenschaft in Sibirien, in den späteren Jahren zeichnete er vor allem die Landschaften des Bodensees und der Alpen.[30]
Bei der Erschließung des Nachlasses stellte vor allem die bereits geschaffene Vorordnung ein Problem dar. Nach dem Tod von Georg Götsch hatte sein Freund Erich Bitterhof als rechtmäßiger Erbe die Nachlassverwaltung übernommen.[31] Bitterhof engagierte sich ab 1924 in der von Georg Götsch geleiteten „Märkischen Spielgemeinde e. V.“ und gehörte später zu den ständigen Mitarbeitern im Lehrbetrieb des Musikheims.[32] Wenige Jahre nach der Wiedergründung der Gesellschaft der Freunde des Musikheims übernahm er zudem das Amt als Schatzmeister und Geschäftsführer. Er hatte diese Funktion bis 1972 inne und bezeichnete sich selbst als „Motor und sachlichen Mittelpunkt dieser Gruppe […]“.[33] Gleichzeitig war er bis 1970 Geschäftsführer des Hessischen Jugendherbergswerkes für die Außenstelle Kassel. In seinem Ruhestand machte er sich zur Aufgabe, die Archivalien zur Geschichte der Jugendbewegung und der Jugendmusikbewegung aufzuarbeiten. Daher verwaltete Erich Bitterhof die Nachlässe von Georg Götsch und Rolf Gardiner. Seine Tätigkeit spiegelt sich unter anderem in den vorgenommenen Ordnungsarbeiten wieder. Bitterhof gliederte den Nachlass in die drei Kategorien: 1) Archivalien, 2) bildnerisches Schaffen und 3) Bücher, Noten, Zeitschriften. Des Weiteren vergab er jedem Ordner einen Titel und erstellte eine vorläufige Liste über den Bestand.[34] Zusätzlich legte er zahlreiche Sammlungen zu verschiedenen Themen und Personen im Umfeld von Götsch an. Hierbei vermengte er zum Teil Unterlagen von Götsch mit nachträglich zusammengetragenen Materialien. Eine Trennung der verschiedenen Provenienzen war oftmals nicht mehr möglich, in der Regel wurde die von Bitterhof geschaffene Ordnung beibehalten. Bitterhofs Arbeiten spiegeln sich auch in vier Aktenordnern wider, die Unterlagen zur Nachlassverwaltung enthielten.
Neben der Vorordnung war auch der konservatorische Zustand der Unterlagen schwierig. Bitterhof hatte zahlreiche Sammlungen zusammengestellt und hierbei beispielsweise Zeitungsausschnitte auf säurehaltiges Papier geklebt und verschiedene Fotos per Klebestreifen auf Vorlagen befestigt. Darüber hinaus hatte er Kopien auf schlecht lesbarem Thermopapier angefertigt. Von diesen Unterlagen erstellten die Studierenden neue Kopien auf alterungsbeständigem Papier, die den Akten zusätzlich beigefügt wurden. Wenn möglich wurden die Fotos von den säurehaltigen Vorlagen gelöst und in Silversafe-Hüllen verpackt. In den Fällen, in denen sie aus Akten entnommen wurden, wurden bei der Verzeichnung die entsprechenden Verweise aufgenommen. Die Klebestreifen konnten oftmals nicht entfernt werden, da dies die Archivalien zusätzlich geschädigt hätte. Die Lösung der Aquarelle von den säurehaltigen Trägern leistete freundlicherweise Herr Walter Trier, Restaurator im Staatsarchiv Marburg.
Im Vertrag vom 6.3.1989 übertrug Erich Bitterhof den Nachlass als Schenkung an das Archiv der deutschen Jugendbewegung. Um ihm die weitere Nutzung der Archivalien zu ermöglichen, wurde ihm der Bestand jedoch leihweise weiter überlassen.[35] Nur der Aktenordner 14 „Sibirische Tagebücher“ wurde gleich an das Archiv abgegeben und vorübergehend in den Bestand CH eingeordnet. Am 19.12.1990 übertrug Bitterhof mittels eines weiteren Vertrages ausdrücklich auch die wirtschaftliche Betreuung des Nachlasses sowie alle damit verbundenen Rechte und Pflichten, insbesondere die Nutzungs- und Urheberrechte, dem Archiv.36 Die Rechte an den musikalischen Aufführungen verwaltet derzeit die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA). Da sich Bitterhof nicht mehr zur Betreuung des Nachlasses in der Lage sah, erfolgte nun die Abgabe an das Archiv.
Dort befinden sich weitere Unterlagen über Georg Götsch. Sie sind unter der Bezeichnung „Nachlass Georg Götsch, vorwiegend von Erich Bitterhof zusammengestelltes Sammlungsgut“ und den Signaturen 17.01 bis 17.23 zu finden. Diese Unterlagen wurden zuvor von dem Archiv der Jugendmusikbewegung verzeichnet und aufbewahrt, bis sie im August 2004 an das Archiv der deutschen Jugendbewegung übergeben wurden. Im Anhang dieses online-Findbuches - in Klassifikationspunkt 9 - findet sich eine Abschrift dieser 23 Verzeichnungseinheiten. Weitere 15 Aktenordner aus dem Bestand Georg Götsch wurden in den Nachlass Rolf Gardiner im Archiv der deutschen Jugendbewegung integriert und sind in HADIS unter der Bestandssignatur N44 zu finden.
1. Vgl. Gerhard Ziemer / Hans Wolf, Wandervogel und Freideutsche Jugend, Bad Godesberg 1961, S. 479f. Einige Jahre zuvor, 1904, hatte bereits Siegfried Copalle ein eigenes Liederbuch nur für Wandervögel mit Volksliedern der Vergangenheit herausgegeben.
2. Vgl. Rika Schütte, Das Menschenbild Fritz Jödes und seine Bestrebungen zur außerschulischen Musikvermittlung im Zusammenhang mit der Jugendmusikbewegung, Magisterarbeit im Fach Musik, Studiengang Angewandte Kulturwissenschaft an der Universität Lüneburg 2004, S. 16.
3. Vg. Hilmar Höckner, Die Musik in der Deutschen Jugendbewegung, Wolfenbüttel 1927, S. 103
4. Vgl. Schütte, Menschenbild, S. 15.
5. Eine Übersicht über die Veröffentlichungen von Georg Götsch findet sich in: Erich Bitterhof (Hg.), georg Götsch. Lebenszeichen, Wolfenbüttel 1969, S. XVIII-XX.
6. Vgl. Uwe Sandvoß, Der Gemeinschaftsbegriff in der Musikpädagogik Georg Götschs. Frankfurt am Main 1998 (= Beiträge zur Geschichte der Musikpädagogik; 8), S. 41-50.
7. Vgl. N 62 Nr. 102 Lebensläufe und Publikationslisten.
8. Vgl. Wilhelm Scholz / Waltraut Jonas-Corrieri u.a., Die deutsche Jugendmusikbewegung in Dokumenten ihrer Zeit, hrsg. vom Archiv der Jugendmusikbewegung, Wolfenbüttel 1980, S. 1011.
9. Vgl. N 62 Nr. 102 Lebensläufe und Publikationslisten.
10. Vgl. Erich Bitterhof (Hg.), Georg Götsch. Lebenszeichen, Wolfenbüttel 1969, S. XXI.
11. Vgl. Scholz / Jonas-Corrieri, Jugendmusikbewegung, S. 1011.
12. Vgl. Scholz/ Jonas-Corrieri, Jugendmusikbewegung, S. XIV ff.
13. Vgl. Bitterhof, Lebenszeichen, S. XX-XXIII.
14. Vgl. Scholz/ Jonas-Corrieri, Jugendmusikbewegung, S. 1011.
15. Vgl. N 62 Nr. 102 Lebensläufe und Publikationslisten.
16. Vgl. Scholz/ Jonas-Corrieri, Jugendmusikbewegung, S. XXIV.
17. Vgl. N 62 Nr. 102 Lebensläufe und Publikationslisten.
18. Vgl. Ziemer / Wolf, Wandervogel, S.497f.
19. Seine Haltung zum Nationalsozialismus ist noch nicht hinreichend erforscht.
20. Vgl. Bitterhof, Lebenszeichen, S. XXII.
21. Vgl. N 62 Nr. 102 Lebensläufe und Publikationslisten.
22. Vgl. N 62 Nr. 102 Lebensläufe und Publikationslisten.
23. Vgl. Bitterhof, Lebenszeichen, S. XXII.
24. Vgl. Scholz / Jonas-Corrieri, Jugendmusikbewegung, S. 1011.
25. Vgl. Bitterhof, Lebenszeichen, S. XXIII.
26. Vgl. Vgl. Scholz / Jonas-Corrieri, Jugendmusikbewegung, S. 1011.
27. Vgl. Bitterhof, Lebenszeichen, S. XXIII.
28. Ein laufender Meter beinhaltet acht Archivkartons.
29. Da die elf Kursteilnehmer zu unterschiedlichen Zeiten Akten und Aquarelle verzeichnet haben, mussten Springnummern vergeben werden. Die Akten haben die Bestellnummern 1-357, die Aquarelle die Bestellnummern 500-768. Die Bestellnummern 358- 499 sind nicht belegt.
30. Bei den Aquarellen war in den meisten Fällen ein Originaltitel vorhanden, der bei der Verzeichnung übernommen werden konnte.
31. Bitterhof wurde am 18. März 1905 in Berlin als Sohn eines Handwerkers geboren und verstarb am 20. Dezember 1998 in Kassel. Sein Nachlass befindet sich unter der Signatur N 122 im Archiv der deutschen Jugendbewegung und ist derzeit noch nicht verzeichnet.
32. Bei der Märkischen Spielgemeinde war er bis zur Liquidation 1928 aus Anlass der Gründung des Musikheims Frankfurt/Oder als Geschäftsführer tätig; Erich Bitterhof: Lebenslauf in Stichworten, angeregt durch das Archiv der Jugendbewegung Burg Ludwigstein / Anfang Dezember 1980.
33. Im Januar 1940 wurde Erich Bitterhof zum Kriegsdienst einberufen und nahm während des Zweiten Weltkrieges an mehreren Auslandseinsätzen teil. Nach der Entlassung aus der amerikanischen Gefangenschaft, im August 1945, ging Erich Bitterhof nach Kassel und arbeitete dort u.a. bei der „Hessischen Handpuppenbühne“; siehe Erich Bitterhof: Lebenslauf in Stichworten, angeregt durch das Archiv der Jugendbewegung Burg Ludwigstein / Anfang Dezember 1980, Bestand N 122.
34. Vgl. N 62 Nr. 198 Ordnungsarbeiten von Erich Bitterhof am Archivbestand.
35. Die Übergabe der Archivalien sollte laut Vertrag innerhalb eines Monats nach Tod Bitterhofs erfolgen.
36. Der Vertrag erwähnt darüber hinaus ausdrücklich das Recht der Musischen Gesellschaft, die Archivalien jederzeit einzusehen.

Geschichte des Bestandsbildners

* 1.3.1895 in Berlin-Spandau, + 26.9.1956 in Friedrichshafen.
Pädagoge, Schriftsteller, Maler, Musiker u. Tänzer.
Mitgliedschaft im Alt-Wandervogel (1909-14), in der Deutschen Freischar, in der Märkischen Spielgemeinde u. im Frankfurter Musikheim.
Pseudonym: Pflaume.
Die Jugendmusikbewegung und Georg Götsch
Georg Götsch war eine der prägenden Personen der deutschen Jugendmusikbewegung, die sich im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts als Teil der deutschen Jugendbewegung entwickelte. Am Ausgang des 19. Jahrhunderts war die Wandervogel-Bewegung aus der Organisation von Wanderaktivitäten am Gymnasium Steglitz entstanden; sie mündete 1901 in die Begründung des Vereins „Wandervogel-Ausschuss für Schülerfahrten e.V.“. Der Verein führte meist am Wochenende oder in den Ferien selbstorganisierte Wanderungen und Fahrten durch, bei denen das gemeinsame Musizieren eine große Bedeutung besaß. Dieses wurde zum zentralen Anliegen der Jugendmusikbewegung: In Chören und Gemeinschaften suchte sie, die Laienmusik zu beleben und eine neue Volksmusik zu schaffen. Insbesondere der von Hans Breuer 1909 herausgegebene „Zupfgeigenhansel“ wurde zu einem weitverbreiteten Buch im deutschen Sprachraum.[1] Große Verbreitung fand auch ein neues Musikinstrument, die Gitarrenlaute. Zudem wurden manche in Vergessenheit geratene Instrumente, wie die Waldzither oder die Mandoline, wieder populär. Die Jugendmusikbewegung wurde von verschiedenen Gruppierungen getragen: Wichtig waren unter anderem die 1922 gegründete Musikantengilde um Fritz Jöde und der Finkensteiner Bund um Walther Hensel.[2] Mit der „Laute“ publizierte Jöde eine eigene musikalische Monatsschrift.[3] In den 1920er Jahren bildeten sich darüber hinaus weitere Gruppierungen, z.B. die „Neudeutsche Musikergilde“, die „Hamburger Volksmusikschule“ und die „Märkische Spielgemeinde“. Trotz eines gemeinsamen Anliegens war die Jugendmusikbewegung keine geschlossene Gemeinschaft, sondern setze sich aus verschiedenen Strömungen zusammen.[4] Sie entwickelte sich zu einer größtenteils von Erwachsenen angeleiteten Jugendorganisation bzw. Bewegung mit vorrangig pädagogischem Anspruch. Georg Götsch stellte eine der leitenden Persönlichkeiten dar. Er war Mitglied, schließlich auch Chorführer der Märkischen Spielgemeinde und avancierte 1929 zum Leiter des Musikheims Frankfurt/Oder. Diese Institution diente als musikalische Begegnungs- und Fortbildungsstätte und bot der Jugendmusikbewegung den Raum, eigene Ideen und Ansätze weiterzuentwickeln. Götsch nahm hier einerseits leitende und koordinierende Aufgaben wahr, hatte andererseits aber auch die Möglichkeit, viel zu publizieren. In seinen Aufsätzen und in seinen späteren Büchern hielt er seine Erfahrungen und sein Wissen fest. Zu nennen sind beispielsweise die Bücher „Aus dem Lebens- und Gedankenkreis eines Jugendchores“ von 1926 und „Musische Bildung. Zeugnisse eines Weges“, das von 1950 bis 1956 in drei Bänden erschien. Darüber hinaus stellte er Musikstücke zusammen, die unter anderem in dem zwischen 1950 und 1957 in vier Bänden veröffentlichten „Geselligen Tanzbuch“ erschienen. Ebenfalls in den 1950er Jahren erschienen seine Liederbücher „Deutsche Chorlieder“, „Englische Kanons“ sowie das „Englische Liederbuch“.[5] Zu den bekanntesten Liedern, zu deren Komposition er einen Beitrag leistete, zählt „Weißt Du, wie viel Sternlein stehen“.
Zum Lebenslauf von Georg Götsch
Gottfried Georg Götsch wurde am 1. März 1895 in Berlin geboren.[6]Er wuchs als Halbwaise in einfachen Verhältnissen bei seiner Mutter auf. Sein Vater, der Eisengießer war, starb kurz vor seiner Geburt.[7] Im Alter von 15 Jahren trat Götsch dem Wandervogel bei.[8] Nach dem Abschluss der Volksschule absolvierte er zunächst eine Lehrerausbildung an der Präparandenanstalt in Spandau, die er 1914 mit Examen abschloss. Als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg geriet er 1915 in russische Gefangenschaft. Im sibirischen Kriegsgefangenenlager betätigte er sich als Chorleiter. Bevor er 1920 nach Deutschland zurückkehrte, arbeitete er in Sibirien als Bauer und Handwerker.[9] In Berlin trat er 1921 eine Stelle als Volksschullehrer an, von der er 1924 für ein Musikstudium an der Hochschule für Musik beurlaubt wurde.[10] Seit 1926 lehrte er als Dozent für Musikerziehung. Von 1928 bis 1931 unterrichtete er zudem an der Hochschule für Leibesübungen in Berlin die Fächer Musik und Tanz.[11] Parallel zu seiner beruflichen Tätigkeit engagierte er sich auch ehrenamtlich in der Jugendmusikbewegung. 1921 kam er zur Märkischen Spielgemeinde, deren Leitung er schließlich übernahm.[12] In den folgenden Jahren führte Georg Götsch mit verschiedenen Gruppen zahlreiche Reisen durch, die unter anderem nach England führten. Durch die Organisation von deutsch-englischen Treffen suchte er die internationale Zusammenarbeit in der Jugendmusikbewegung zu verstärken.[13] 1928 endete sein Engagement in der Märkischen Spielgemeinde, Götsch übernahm nun die Leitung des „Deutschen Singkreises“, die er bis 1938 fortführte.[14] Neben der Tätigkeit in der Jugendmusikbewegung war Georg Götsch außerdem bis 1933 als Bundesführer des Alt-Wandervogels und in der Leitung der Deutschen Freischar in der Jugendbewegung aktiv.[15]
Am 3.10.1929 wurde das Musikheim Frankfurt/Oder eröffnet,[16] dessen Leitung Götsch übernahm. Er verließ die Hochschule für Musik in Berlin, ohne zuvor die Staatsprüfung abgelegt zu haben.[17] Das Musikheim, das Götsch im Auftrag des preußischen Kultusministers Carl Heinrich Becker konzipiert hatte, diente als musikalische Begegnungs- und Fortbildungsstätte für Volksschullehrer. An der Spitze des Musikheims standen vornehmlich die Mitglieder aus der Reihe der Jugendbewegung (v.a. ältere Wandervögel).[18] In dieser musikalischen Begegnungsstätte veranstalteten Reformpädagogen wie Götsch, die Musik, Sprache und Bewegung als Einheit begriffen, zahlreiche Fortbildungen. Im Laufe der Zeit verlor Georg Götsch jedoch seine Förderer im Kultusministerium und musste sich mit Angriffen von Seiten der nationalsozialistischen Machthaber auseinandersetzen, denen die Ideologie der Jugendmusikbewegung verdächtig erschien. 1938 trat Georg Götsch der NSDAP bei.[19] In diesem Jahr wurde auch seine sechs Jahre zuvor in Northumberland geschlossene Ehe mit Katherine Trevelyan geschieden.[20] Georg Götsch hatte nicht zu seiner Frau und seinen Töchtern nach England auswandern wollen.[21]
Als das Musikheim in Frankfurt/Oder Anfang 1942 als Lazarett benötigt wurde und schließen musste, zog der gesundheitlich angeschlagene Georg Götsch an den Bodensee.[22] In den folgenden Jahren musste er sich mehreren Operationen unterziehen, auf die Sanatoriumsaufenthalte folgten.[23] Dennoch war er während der letzten Kriegsjahre als Musiklehrer an mehreren Heimschulen und als Maler tätig. Ab 1949 leitete Georg Götsch verschiedene Musiklehrgänge.[24] 1950, im Jahr seiner Heirat mit Heidi Ringhardtz, übernahm er den Vorsitz der „Musischen Gesellschaft“, die ein Jahr zuvor als „Gesellschaft der Freunde des Musikheims“ gegründet worden war.[25] 1952 verwirklichte die „Musische Gesellschaft“ ihr Ziel und gründete eine Heimvolkshochschule in Fürsteneck in der Rhön. Dort organisierte Georg Götsch trotz seines schlechten Gesundheitszustandes im Auftrag des hessischen Kultusministeriums Musische Semester, Studienwochen für Oberstufenschüler.[26] 1956 zog er zu seinem Bruder Rudolf Götsch nach Friedrichshafen, wo er am 26. September starb und drei Tage später beigesetzt wurde.[27]

Literatur

Archiv der deutschen Jugendbewegung (Hg.): Bibliographie zur Geschichte der deutschen Jugendbewegung. Quellen und Darstellungen, Schwalbach/Ts. 2009 (Edition Archiv der deutschen Jugendbewegung; 13)

Bitterhof, Erich : Lebenslauf in Stichworten, angeregt durch das Archiv der Jugendbewegung Burg Ludwigstein / Anfang Dezember 1980

Bitterhof, Erich (Hg.): Georg Götsch. Lebenszeichen, Wolfenbüttel 1969

Bitterhof, Erich (Hg.), Das Musikheim Frankfurt / Oder 1929-1941. Beiträge der Jugendbewegung zur preußischen Kulturpolitik, Lehrerfortbildung und Erwachsenenbildung, Burg Ludwigstein 1980

Helwig, Werner: Die Blaue Blume des Wandervogels. Vom Aufstieg, Glanz und Sinn einer Jugendbewegung, Gütersloh 1960

Höckner, Hilmar: Die Musik in der Deutschen Jugendbewegung, Wolfenbüttel 1927

Kneip, Rudolf: Jugend der Weimarer Zeit. Handbuch der Jugendverbände 1919-1938, Frankfurt a.M. 1974 (Quellen und Beiträge zur Geschichte der Jugendbewegung, Band 11)

Knoll, Joachim H.: Jugendbewegung. Phänomene, Eindrücke, Prägungen, Opladen 1988

Lindner, Wolfgang: Die Mentalität der deutschen Jugendbewegung im Spiegel ihrer Liedertexte, Hamburg 2003

Mogge, Winfried: Bilder aus dem Wandervogel-Leben. Die bürgerliche Jugendbewegung in Fotos von Julius Groß 1913-1933, Köln 1986

Sandvoß, Uwe: Der Gemeinschaftsbegriff in der Musikpädagogik Georg Götschs. Frankfurt am Main 1998 (Beiträge zur Geschichte der Musikpädagogik; 8)

Scholz, Wilhelm / Jonas-Corrieri, Waltraut: Die Deutsche Jugendmusikbewegung in Dokumenten ihrer Zeit von den Anfängen bis 1933, hrsg. vom Archiv der Jugendmusikbewegung, Wolfenbüttel 1980

Schütte, Rika: Das Menschenbild Fritz Jödes und seine Bestrebungen zur außerschulischen Musikvermittlung im Zusammenhang mit der Jugendmusikbewegung, Magisterarbeit im Fach Musik, Studiengang Angewandte Kulturwissenschaft an der Universität Lüneburg 2004 Ziemer, Gerhard / Wolf, Hans: Wandervogel und Freideutsche Jugend, Bad Godesberg 1961

Findmittel

Online-Datenbank (ArcInSys) u. unverzeichnet

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang

32 Archivkartons

Bearbeiter

bearbeitet vom 45. Fachhochschulkurs der Archivschule Marburg unter der Leitung von Dr. Alexandra Lutz

Benutzung

Die Nutzungsbedingungen entsprechen denen des Hessischen Staatsarchivs Marburg

Informationen / Notizen

Zusatzinformationen

enthält auch 15 Aktenordner zum Nachlass Rolf Gardiner