HHStAW Bestand 2076

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Hessischer Fremdenverkehrsverband

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Im November 2005 wurden dem Hessischen Hauptstaatsarchiv die Akten des 2004 in der HA Hessen Agentur GmbH aufgegangenen Hessischen Fremdenverkehrsverbandes und seiner Vorgänger zur Übernahme angeboten. Daraufhin wurden am 6. April 2006 129 Stehordner bzw. rund 13 lfm Akten übernommen (Zugang 35/2006). Der Bestand, dessen Laufzeit sich von 1947 bis 2005 erstreckt, setzt sich aus mehreren Provenienzen zusammen: Er umfasst zum einen Unterlagen des Landesverkehrsverbandes Hessen e. V. und des gleichzeitig bestehenden Fremdenverkehrsverbandes Kurhessen und Waldeck e. V. von 1947 bis 1979. Darüber hinaus enthält der Bestand Unterlagen des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes e. V., in dem die beiden vorgenannten Verbände 1978 aufgingen und der unter verschiedenen Namen bis zur Gründung der HA Hessen Agentur GmbH im Jahr 2004 fortbestand. Schließlich ist noch auf Unterlagen der von 1972 bis 1990 bestehenden Hessischen Landeszentrale für Fremdenverkehr hinzuweisen, die in Personalunion vom Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbandes Kurhessen und Waldeck bzw. des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes geführt wurde.

Geschichte des Bestandsbildners

Nachdem durch die Auflösung der Landesverkehrsverbände durch die amerikanische Militärregierung 1945 zunächst ein Vakuum im hessischen Fremdenverkehrswesen entstanden war, gab es ab 1947 erste gezielte Bestrebungen, die Fremdenverkehrsarbeit in Hessen wieder aufzubauen. Zu diesem Zweck unterstützte das Hessische Wirtschaftsministerium im Frühjahr 1947 die Gründung der Hessischen Arbeitsgemeinschaft Fremdenverkehr, die sich als Nachfolgeorganisation des früheren Landesverkehrsverbandes Rhein-Main verstand. Bemühungen, die Arbeitsgemeinschaft nach der Währungsreform in einen zentralen Dachverband für den hessischen Fremdenverkehr umzuwandeln, scheiterten zunächst an Unstimmigkeiten zwischen den verschiedenen Fremdenverkehrsregionen. Vor allem die nordhessischen Fremdenverkehrsvertreter befürchteten eine zu starke Konzentration eines solchen Zentralverbandes auf Südhessen. Sie ließen stattdessen im Mai 1948 den früheren Fremdenverkehrsverband Kurhessen und Waldeck e. V. wieder aufleben. Dieser war ursprünglich 1912 auf Initiative des Verkehrsdezernenten der Stadt Kassel, Matthias Weber (1880-1944), gegründet und 1933/1936 in Landesfremdenverkehrsverband Kurhessen e. V. umbenannt worden. Die erste Mitgliederversammlung des wiedergegründeten Verbandes, die am 22. September 1948 stattfand, wählte den Kasseler Stadtrat für Wirtschaft und Verkehr Josef Kremser zum 1. Vorsitzenden. Die Tätigkeit des Verbandes, der seinen Sitz in Kassel hatte, erstreckte sich auf das Gebiet des Regierungsbezirkes Kassel, der wiederum in sieben Verbandsgebiete aufgeteilt wurde: Fuldatal, Oberlahn-Ederbergland, Reinhardswald-Diemel-Weser, Rhön, Schwalm-Knüll, Werraland und Waldeck. Nur eine Woche nach Gründung des Fremdenverkehrsverbandes Kurhessen und Waldeck schufen die Mitglieder der Hessischen Arbeitsgemeinschaft Fremdenverkehr am 29. September 1948 den Landesverkehrsverband Hessen e. V. mit Sitz in Wiesbaden. Dieser umfasste die Gebiete der damaligen Regierungsbezirke Wiesbaden und Darmstadt und gliederte sich in sechs Gebietsausschüsse: Rheingau, Oberhessen, Lahn-Dill, Odenwald-Bergstraße-Neckartal, Rhein-Main-Taunus und Kinzigtal-Spessart-Südlicher Vogelsberg. 1949 erkannte die Hessische Landesregierung sowohl den Landesverkehrsverband Hessen als auch den Fremdenverkehrsverband Kurhessen und Waldeck als selbständige Fachverbände des Fremdenverkehrs in Hessen an. Zum Zweck der Fremdenverkehrsförderung übernahmen die beiden Verbände in den folgenden Jahrzehnten für ihre Mitglieder, die sich unter anderem aus Städten und Gemeinden, Landkreisen, Bade- und Kurverwaltungen, örtlichen Verkehrsvereinen, Verkehrsunternehmen, Reisebüros und Organisationen des Hotel- und Gaststättengewerbes zusammensetzten, folgende Aufgaben: Sie koordinierten Werbemaßnahmen, indem sie beispielsweise Unterkunftsverzeichnisse, Gebietsprospekte und Veranstaltungskalender herausgaben, Plakate und Anzeigenwerbung erstellten und Informationen an Presse und Rundfunk gaben. Darüber hinaus betrieben die Verbände Lobbyarbeit bei Verkehrsunternehmen. Ein weiterer Schwerpunkt der Verbandsarbeit lag auf der Förderung neuer lokaler Verkehrsvereine, der Beratung und Unterstützung von Stadt- und Gemeindeverwaltungen in Tourismusfragen sowie der Schulung und Fortbildung der im Fremdenverkehr tätigen Personen. Die Verbände arbeiteten außerdem eng mit dem Hessischen Wirtschaftsministerium zusammen, das die Werbemaßnahmen durch Staatszuschüsse unterstützte (vgl. Abteilung 507). Anfang der 1970er Jahre bemühte sich der Hessische Wirtschaftsminister Heinz-Herbert Karry verstärkt um einen Zusammenschluss der beiden hessischen Fremdenverkehrsverbände. Da sich jedoch beide Organisationen zunächst gegen eine Fusion wehrten, verzichtete Karry zunächst auf eine Zusammenlegung und schuf stattdessen mit Wirkung vom 1. Mai 1972 die von seinem Ministerium gelenkte Hessische Landeszentrale für Fremdenverkehr (HLF) als Abteilung innerhalb der Hessischen Landesentwicklungs- und Treuhandgesellschaft (HLT). Die Geschäftsführung der neuen Einrichtung übernahm der Geschäftsführer des Fremdenverkehrsverbandes Kurhessen und Waldeck, Hannsgünter Hannwacker, in Personalunion. Die Landeszentrale übernahm nun die Durchführung von Werbemaßnahmen für das Reiseland Hessen als Ganzes. Ende der 1970er Jahre erfolgte schließlich doch noch eine Konsolidierung der hessischen Fremdenverkehrsarbeit: Der Fremdenverkehrsverband Kurhessen und Waldeck und der Landesverkehrsverband Hessen lösten sich 1978 mit Wirkung zum 31. Dezember 1979 auf. Die ihnen angeschlossenen Gebietsausschüsse konstituierten sich als rechtlich selbständige Gebietsverbände und schufen schließlich am 29. November 1978 mit der Gründung des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes e. V. einen gemeinsamen Dachverband. Erster Vorsitzender des neuen Verbandes wurde der bisherige Vorsitzende des Landesverkehrsverbandes Hessen, Jochen Zwecker. Die Geschäftsführung übernahm Hannsgünter Hannwacker, der zuvor bereits in Personalunion die Geschäfte der beiden Fremdenverkehrsverbände sowie der Hessischen Landeszentrale für Fremdenverkehr geführt hatte. Sitz des neuen Dachverbandes wurde Wiesbaden; in Kassel wurde eine Außenstelle eingerichtet. Die Hauptaufgabe des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes bestand darin, die Interessen des hessischen Fremdenverkehrs auf Landes- und Bundesebene wahrzunehmen, die Tätigkeit der Gebietsverbände durch regelmäßige gemeinsame Arbeitssitzungen der Geschäftsführer zu koordinieren und gemeinsame Werbemaßnahmen, beispielsweise im Rahmen von Messen, durchzuführen. Außerdem organisierte der Verband den jährlich stattfindenden Hessischen Fremdenverkehrstag. Zehn Jahre später kam es erneut zu Umstrukturierungen im hessischen Fremdenverkehrswesen: Zum 1. Januar 1990 wurde die Hessischen Landeszentrale für Fremdenverkehr aus der HTL Gesellschaft für Forschung Planung Entwicklung mbH (ehemals Hessische Landesentwicklungs- und Treuhandgesellschaft) herausgelöst und in den Hessischen Fremdenverkehrsverband integriert. Damit übernahm der Verband erneut die 1972 an die Landeszentrale ausgelagerten Aufgaben in den Bereichen Werbung und Marketing. Um das internationale Marketing des Verbandes zu unterstützen, beschloss die Mitgliederversammlung im Mai 1997, den Hessischen Fremdenverkehrsverband in Hessen Touristik Service e. V. umzubenennen. Tiefgreifendere Veränderungen erfolgten 2004: Im Zusammenhang mit Bestrebungen der Hessischen Landesregierung, die Wirtschaftsförderung des Landes neu zu organisieren, wurde die HA Hessen Agentur GmbH aus der Technologiestiftung Hessen (TSH) und der Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft Hessen GmbH (FEH) gebildet. Der Hessen Agentur, die eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des Landes ist, wurden außerdem die nicht monetären Aufgaben der Investitionsbank Hessen AG und die Aufgaben des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes im Bereich des Tourismusmarketings übertragen. Das gesamte hauptamtliche Personal des Fremdenverkehrsverbandes wurde von der Hessen Agentur übernommen. Mit der Abgabe der umfangreichen Werbe- und Marketingaufgaben an die Hessen Agentur und dem damit verbundenen Wegfall der bisherigen staatlichen Förderung musste sich der Hessische Fremdenverkehrsverband neu aufstellen. Da der Verbandsname Hessen Touristik Service als Bezeichnung der Tourismusabteilung innerhalb der Hessen Agentur übernommen wurde, musste der Fremdenverkehrsverband außerdem erneut umbenannt werden; er führt seither den Namen Hessischer Tourismusverband e. V. (HTV). Die Geschäftsstelle wurde nach Marburg verlegt. Die Aufgaben des Verbandes liegen nun vor allem in der Interessenvertretung der hessischen Tourismuswirtschaft gegenüber Politik, Behörden und Öffentlichkeit.
Vorsitzende und Geschäftsführer der hessischen Fremdenverkehrsverbände
Fremdenverkehrsverbandes Kurhessen und Waldeck
Vorsitzende:
1948-1951 Josef Kremser
1951-1955 Alexander von Mielecki
1955-1965 Karl-Hermann Reccius
1965-1968 Detlev Rudelsdorff
1968-1979 Gerhard Wiegand
Geschäftsführer:
1948-1954 Annemarie Ludolf
1955 Dr. Friedrich
1956-1962 Berthold Fresow
1964-1979 Hannsgünter Hannwacker
Landesverkehrsverband Hessen
Vorsitzende:
1948-1956 Walter Leiske
1956-1977 Wolfgang Schwabe
1977-1979 Jochen Zwecker
Geschäftsführer:
1948-1954 Herbert Rosa
1955-1972 Günther Grothus
1973-1977 Werner Pompl
1977-1979 Hannsgünter Hannwacker
Hessischer Fremdenverkehrsverband
Vorsitzende:
1978-1982 Jochen Zwecker
1982-1986 Heinz Fröbel
1986-1995 Jochen Zwecker
1995-2005 Horst Schnur
Geschäftsführer:
1978-1989 Hannsgünter Hannwacker
1989-2004 Henrik Laschke

Enthält

Der aus 240 Nummern bestehende Bestand dokumentiert die Entwicklung des hessischen Fremden-verkehrswesens seit dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere aber die Umstrukturierungen in den Jahren 1978, 1990 und 2004. Der Bestand umfasst die Sachakten des Fremdenverkehrsverbandes Kurhessen und Waldeck, des Landesverkehrsverbandes Hessen und die Akten von deren gemeinsamen Nachfol-ger, des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes; außerdem enthalten sind einige Akten der Hessischen Landeszentrale für Fremdenverkehr. Die Unterlagen der drei Fremdenverkehrsverbände setzten sich zusammen aus Sitzungsprotokollen der jeweiligen Vorstände, Beiräte, Ausschüsse und Mitgliederver-sammlungen; Rundschreiben an die Verbandsmitglieder; Schriftverkehr der Vorsitzenden und Ge-schäftsführer; sowie Unterlagen zu Kongressen und Verbandstagungen, die auch Manuskripte der dort gehaltenen Reden und Vorträge enthalten. Die Unterlagen der Hessischen Landeszentrale für Fremdenverkehr dokumentieren vor allem die Abstimmung der hessischen Fremdenverkehrswerbung auf das Thema Märchen anlässlich des 200. Geburtstages der Brüder Grimm in den Jahren 1985 und 1986. 22 Tonbandkassetten mit Mitschnitten der Hessischen Fremdenverkehrstage von 1992 bis 1996 und der Fahrradtouristischen Kongresse Hessen 1993 und 1996 enthalten unter anderem Reden der Hessischen Wirtschaftsminister Ernst Welteke und Lothar Klemm sowie Referate verschiedener Touris-musexperten. Der Bestand enthielt ursprünglich auch zahlreiche Druckschriften. Hier sind in erster Linie die Ge-schäftsberichte des Landesverkehrsverbandes Hessen aus den Jahren 1949 bis 1978 und des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes aus den Jahren 1978 bis 1995, 1997, 1998 und 2004 zu nennen. Darüber hinaus wurden zahlreiche Urlaubsprospekte, Kataloge und Informationsbroschüren der Hessi-schen Landeszentrale für Fremdenverkehr und des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes aus den 1980er und 1990er Jahren übernommen. Außerdem enthalten waren einige Ausgaben des Mitteilungs-blattes 'Presse-Information' (1986) der Hessischen Landeszentrale für Fremdenverkehr sowie die Mitteilungsblätter 'HIT - Hessen-Info für Touristiker' (1988-2004), 'Infodienst' (1990 bis 2002) und 'Pressedienst' (1999 bis 2003) des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes. Die Druckschriften wurden in die Dienstbibliothek bzw. die Sammlung amtlicher Druckschriften übernommen. Schließlich enthielt der Bestand 5 Stehordner mit Fotos und Negativen; eine Auswahl der Fotos wurde in die Bildersammlung aufgenommen. Neben Bildern von Touristik-Messen und Mitgliederversammlungen des Hessischen Fremdenverkehrsverbandes aus den 1990er Jahren ist hier vor allem eine Serie mit Schwarzweiß-Fotographien hessischer Sehenswürdigkeiten zu nennen.

Literatur

HIT - Hessen-Info für Touristiker, hrsg. von der Hessischen Landeszentrale für Fremdenverkehr [ab 1990 dem Hessischen Fremdenverkehrsverband], Nr. 1-30, 1988-2004.

HFV-Infodienst, hrsg. vom Hessischen Fremdenverkehrsverbandes [ab 1997 dem Hessen Touristik Service], April 1990-Oktober 2002.

Presse-Information, hrsg. von der Hessischen Landeszentrale für Fremdenverkehr, Nr. 50186-51986, 1986.

Pressedienst, hrsg. vom Hessen Touristik Service, 1999-2003.

Findmittel

Online-Datenbank (Arcinsys)

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang

ca. 6,5 lfm.

Bearbeiter

Esther-Julia Howell

Benutzung

Nutzung nach dem Hessischen Archivgesetz