HStAD Bestand H 18 Butzbach

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Beschreibung

Serie

Bezeichnung

Justizvollzugsanstalten

Identifikation (kurz)

Titel

Justizvollzugsanstalt Butzbach

Laufzeit

1940-2000

Siehe

Korrespondierende Archivalien

G 30 Butzbach mit einigen Gefangenenpersonalakten aus der Nachkriegszeit

www.jva-butzbach.justiz.hessen.de

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Die älteste Schicht der General- und Sammelakten der Anstalt aus der Nachkriegszeit ist heute zum großen Teil nicht mehr vorhanden. In der Regel beginnen die einzelnen Gruppen in den 50er/60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Eine erste Bewertung des Schriftgutes aus der Nachkriegszeit erfolgte im Juli 2005.
Das Schriftgut wird heute insbesondere an drei Standorten innerhalb des Gefängniskomplexes aufbewahrt:
(1) Archivraum Hauptgeschäftsstelle mit der General- und Sammelaktenregistratur. Hier wurden diejenigen Akten, deren Aufbewahrungsfrist abgelaufen war, herausgezogen. Diese sind im Bestand H 18 Butzbach verzeichnet. Es fanden sich hier auch Jahresberichte der Anstalt sowie einige Konvolute Krankenblätter der 30er und 40er Jahre des 20. Jahrhunderts, die dem Bestand G 30 Butzbach zugeordnet sind.
(2) Das Archiv der Vollzugsgeschäftsstelle ist der Aufbewahrungsort der Gefangenenpersonalakten. Hier wurde auch die komplette Serie der Gefangenenbücher ab dem Jahre 1900 aufgefunden, die nun dem Bestand G 30 Butzbach zugeordnet ist. Außerdem ist in dem Archivraum die Gefangenenkartei der Anstalt aufgestellt, die für die 40er/50er Jahren des 20. Jahrhunderts noch teilweise, für den Zeitraum zwischen 1960 und 1993 aber vollständig erhalten ist.
(3) In dem Archivraum der Verwaltungsgeschäftsstelle werden die Personalakten der Beschäftigten der JVA Butzbach und Gießen aufbewahrt, soweit sie ab den 1950er Jahren in den Ruhestand getreten sind. Die Archivierung von Personalakten der Bediensteten kommt erst zu einem späteren Zeitpunkt in Frage.

Geschichte des Bestandsbildners

Zur Gründungsgeschichte der Anstalt vgl. die ausführliche Darstellung unter: www.jva-butzbach.justiz.hessen.de sowie die Ausführungen in der Festschrift: Hundert Jahre Strafvollzug in Butzbach.
Die Anstalt wurde 1894 eingeweiht. Im selben Jahr wurde Staatsanwalt Clement zum Direktor ernannt, die offizielle Übergabe der Anstalt fand am 2. Juli 1894 statt. Der dritte, nördliche Zellenflügel konnte am 1. Oktober 1896 seiner Bestimmung übergeben werden.
Die Anstalt war von direkten Bombentreffern während des Zweiten Weltkrieges verschont geblieben. Die amerikanische Militärregierung leerte das Gefängnis fast vollständig.. Bedienstete, die bis 1937 in die NSDAP eingetreten waren, wurden entlassen. Dies betraf von 100 Bediensteten 77. Im Mai 1946 wurde wieder ein Deutscher, ein ehemaliger Wehrmachtsoffizier, zum Anstaltsleiter ernannt. Zu dieser Zeit war die Anstalt bereits wieder mit rund 1000 Insassen überfüllt, darunter mehrere hundert Ausländer und 120 Frauen. Es handelte sich hierbei um Untersuchungs- und Strafgefangene (Zuchthaus und Gefängnis) für deutsche und amerikanische Gerichte sowie um Sicherungsverwahrte. Später wurde eine Jungmännerabteilung eingerichtet, in der Gefangene bis zu ihrem 24. Lebensjahr getrennt von den übrigen Gefangenen lebten und arbeiteten. Mit der Errichtung der JVA Wiesbaden Mitte der 60er Jahre wurde diese Gefangenengruppe aus der Anstalt herausgenommen. Nach Inkrafttreten des Strafvollzugsgesetzes am 1. Janaur 1977, das eine intensive Betreuungsarbeit für die Gefangenen vorsah, wurde in der JVA Butzbach eine neue Organisationsstruktur Anfang der 80er Jahre eingeführt. Die Anstalt wurde in drei Vollzugsabteilungen, die jeweils durch einen Zellenflügel gebildet sind, mit fest zugeordnetem Personal aufgeteilt.
Zum 1. Juli 1968 wurde das erst 1966 fertig gestellte neue Gerichtsgefängnis Friedberg mit 64 Gefangenen, das bis dahin dem Amtsgerichtsdirektor als Vorsteher unterstanden hatte, der Strafanstalt Butzbach als Zweiganstalt angegliedert - ebenso ein Jahr später das Gerichtsgefängnis Gießen (belegungsfähig mit 172 Gefangenen) bis zum Jahr 1995. Das Gerichtsgefängnis Gießen hatte bereits einige Jahre vor der Übernahme die Gefangenen sowie die Bediensteten der Gerichtsgefängnisse Marburg und Wetzlar aufgenommen.
Die Zahl der Bediensteten stieg zwischen 1946 bis 1956 von 97 auf 139. Im allgemeinen Vollzugsdienst waren 1994 158 Personen beschäftigt.
Für bundesweites Aufsehen sorgte im Jahr 1976 der Tod des damaligen Anstaltsleiters, Ltd. Regierungsdirektor Helmut Künkeler. Am 2. Juni wurde er von dem zu zweimal lebenslang verurteilten Gefangenen Günter Hanisch mittels eines selbstgebauten und durch Schwarzpulver gezündeten Schussapparates erschossen, als er als erster den Raum betrat, in dem Hanisch eine Schreibkraft des Sozialdienstes als Geisel genommen hatte. Künkeler starb noch am Tatort. Der Vollzugsdienstleiter Hermann König, der sich für das Geschehen verantwortlich fühlte, erschoss sich am 5. Juni 1976 in der Waffenkammer der Anstalt. Hanisch wurde später vom Landgericht Gießen wegen Totschlags und Geiselnahme zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 11 Jahren verurteilt und verstarb 1987 in der JVA Schwalmstadt.
Anstaltsleiter 1982-1983: Dr. Karl Heinrich Schäfer (1975-1977 stellvertretender Leiter, 1977 Leiter der JVA Schwalmstadt)
Anstaltsleiter 1994 ist Ltd. Regierungsdirektor Klaus Winchenbach (seit 2002 Leiter der JVA Rockenberg)
Anstaltsleiter 2003 ist Ltd. Regierungsdirektor Joachim Saar
Seit Oktober 2004 arbeitet die JVA mit dem Dokumentenmanagementsystem DOMEA, so dass ab diesem Zeitpunkt die General- und Sammelaktenregistratur nicht mehr weiter geführt wurde.

Enthält

Teile der General- und Sammelaktenregistratur, Zu- und Abgangsbücher sowie weitere Amtsbücher, Jahresberichte der Anstalt, Gefangegenpersonalakten der Jahre 1975 und 1995 (vollständig), Gefangenenkarteien, Krankenblätter, Personalakten der Beschäftigten

Literatur

Wendepunkt: Monatszeitschrift der JVA Butzbach (ab 1981)

Winfried Schunk: Erinnerungen an Vollzugsdienst in der JVA Butzbach in den 50er Jahren, in: Butzbacher Geschichtsblätter 127 (1998), S. 113-116.

JVA Butzbach (Hrsg.): Hundert Jahre Strafvollzug in Butzbach 1894-1994, Osnabrück 1994

Findmittel

Online-Datenbank (HADIS)

unverzeichnet: ca. 3,25 m (General- und Sammelakten, Personalakten)

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang

53 m

Referent

Rainer Maaß; Eva Haberkorn

Filmkopien

Der Bestand ist unverfilmt