HHStAW Bestand 771

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Polizeipräsidium Westhessen (Wiesbaden)

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte 

Der Bestand umfasst ca. 14 laufende Meter an Akten und Personalakten sowie ca. 1 ½ Regalmeter mit Bildmaterial (9 Ordner und ca. 25 losen Bildpaketen). Die Übernahme von ausgesonderten Schriftgut durch das Hessische Hauptstaatsarchiv erfolgte von 1986-2004. Bei der ersten Bewertung 1986 wurden Aufnahmebücher des Polizeigewahrsams der Dienststelle: Der Polizeipräsident in Wiesbaden - S/Einsatz-Einheit übernommen. Im Einzelnen handelte es sich dabei um
47 Aufnahmebücher: Laufzeit 12.3.1921-26.1.1931 (38 Bücher), 28.10.1932-20.6.1933 (1 Buch), 24.3.1934-22.2.1935 (1 Buch) und 28.4.1944-3.7.1950 (7 Bücher);
3 Registrierbücher: Laufzeit 1.1.1927-31.3.1930 (2 Bücher), 2.4.1945-18.12.1947 (1 Buch);
1 Ausnüchterungsliste: Laufzeit 26.12.1949-31.11.1958 und
1 Buch über eingezogene Gelder: Laufzeit 16.12.45-31.12.1947
2000 wurden Personalakten des bis 1945 in Wiesbaden stationierten Polizeibataillons 242 und der Wiesbadener Luftschutzpolizei im Umfang von ca. 4 lfd. m übernommen. 2002 erfolgte die Übernahme von Personalakten der in Wiesbaden stationierten SS-Polizeieinheiten. Den größten Teil des Bestandes bilden Akten nach 1945, wie aus dem Referat SI/2 und S10, die 2004 abgegeben wurden. Eine letzte größere Übernahme, im Umfang von ca. 4 lfd. m, erfolgte 2005 . Der Bestand ist sehr heterogen und weist in manchen Bereichen Lücken auf. In der für das Findbuch erstellten Gliederung wurden die bislang vorliegenden Akten den drei Haupt-Gliederungspunkten Organisation, Verwaltung, Dienstbetrieb zugeordnet.

Geschichte des Bestandsbildners 

Die Geschichte der Behörde in der Nachkriegszeit, ihre Aufgaben und organisatorische Gliederung entsprechen weitgehend denen des Polizeipräsidenten Frankfurt am Main (s. Abt. 770). Örtlich ist er für die Landeshauptstadt Wiesbaden zuständig. Aufgrund der Anordnung über die Zuständigkeiten vom 30.7.1973 (GVBl. I S. 323) wurden dem Polizeipräsidenten Wiesbaden die Polizeikommissariate des Landrates des Rheingau-Taunus-Kreises eingegliedert.
Bereits während des 2. Weltkrieges bemühten sich die amerikanischen Militärregierungen um den Aufbau einer funktionsfähigen Verwaltung und Polizei in den von ihnen eroberten Gebieten. Die in der Anfangszeit aus noch in Kriegsgefangenschaft befindlichen Schutzpolizeibeamten rekrutierten neuen Ordnungshüter waren jedoch mangelhaft ausgerüstet. Viele versahen ihren Dienst in Zivilkleidung und waren nur durch eine weiße Armbinde als Polizisten gekennzeichnet. Sie standen dem ausbrechenden Chaos kurz vor dem Zusammenbruch des Dritten Reiches von Plünderungen, Raub, Mord und Totschlag machtlos gegenüber. Mit der endgültigen Niederlage Deutschlands am 8. Mai 1945 wurden erste Voraussetzungen für den Aufbau einer funktionstüchtigen Verwaltung geschaffen. In Darmstadt setzte die Besatzungsmacht die erste Landesregierung ein, in Wiesbaden und Kassel wurden erste Regierungspräsidien eingerichtet. Am 19. September 1945 wurde das Land 'Groß-Hessen' mit Wiesbaden als Landeshauptstadt gebildet, am 1. Dezember entstand daraus das Bundesland Hessen (Hollmann, M./ Wettengel, M.: Nassaus Beitrag für das heutige Hessen (Hessen: Einheit aus der Vielfalt 2), Wiesbaden 1992, S. 86. Demandt, K.E.: Geschichte des Landes Hessen, 2. Aufl., Kassel 1980; S. 608ff.).
Die ehemalige staatliche Polizei der Stadt Wiesbaden wurde nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches, gemäß der 'Vorschriften der Militärregierung' (Sammlung der vom Alliierten Kontrollrat und der Amerikanischen Militärregierung erlassenen Proklamationen, Gesetze, Verordnungen, Befehle, Direktiven, Bde. A-D, bearb. von R. Hemken, Band B 2,XI, 41) reorganisiert, als städtische Polizei Wiesbaden neu begründet und aufgestellt. Von diesem Zeitpunkt bis zum 31.12. 1973 war die Wiesbadener Polizei dem Oberbürgermeister unterstellt. Die Aufstellung der Schutzpolizei erfolgte unter der Leitung des Meisters der Schutzpolizei Josef Clemann Ende März 1945. Der ehemalige Polizei-Major Hans Kulisch löste Clemann Mitte Juli 1945 ab und wurde zum Polizeikommandanten ernannt. Aus politischen Gründen wurde er jedoch kurz darauf wieder entlassen und Clemann trat im September 1945 erneut an seine Stelle, der wiederum im Dezember 1945 von Polizeioberkommissar Karl Lohse abgelöst wurde (Rolke, W.: Die Leiter der Wiesbadener Schutzpolizei, Kriminalpolizei und Polizeiverwaltung seit 1945, in: 1904-1979, 75 Jahre Polizeipräsidium Wiesbaden, Wiesbaden 1979, S. 23).
Es zeigte sich bald, dass eine Gliederung der Polizei in viele einzelne dezentrale Polizeibehörden nach amerikanischem Vorbild sich nicht bewährte. Grosses Ziel blieb die Verstaatlichung der gesamten Hessischen Polizei. Von 1958 bis 1974 wurde dies in mehreren Etappen erfolgreich verwirklicht. Mit der abgeschlossenen Verstaatlichung bot sich nun die Möglichkeit der, an die kriminalgeographischen Verhältnisse angepassten, Neuorganisation des Polizeiapparates. Den Landräten in den 21 hessischen Landkreisen wurde jetzt die Rolle von Führungsstellen für die Schutz- und Kriminalpolizei, wie bereits in den Großstädten praktiziert, übertragen. Die Behörden der 3 Regierungspräsidenten behielten ihre Funktion als Koordinierungs- und Aufsichtsinstanz bei, erhielten außerdem noch die Zuständigkeit über die Polizeiverkehrsbereitschaft, später Polizeiautobahnstationen, übertragen. Viele kleine Schutz- und Kriminaldienststellen wurden zu größeren Stationen mit neuen Gebietszuweisungen zusammengelegt. Die Hessische Polizei erfuhr seitdem viele Veränderungen in Aufbau und Organisation. Eine letzte wesentliche Änderung im Behördenaufbau trat mit der Polizeireform 2001 in Kraft (Organisationsreform Polizei 2001, in: Hessische Polizeirundschau 12/2000). Danach ging das Hessische Polizeipräsidium Wiesbaden zum 1.1.2001 im neugebildeten Polizeipräsidium Westhessen auf.
Das Dienstgebäude des Polizeipräsidiums Wiesbaden
Da Wiesbaden in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts einen rasanten Bevölkerungsanstieg zu verzeichnen hatte und durch die jährlichen Kuraufenthalte des Deutschen Kaisers Wilhelm II. die Zahl der in- und ausländischen Gäste stieg, musste auch der Polizeiapparat entsprechend aufgerüstet werden. Das damalige Dienstgebäude erwies sich als zu klein, so dass 1899 an einen Neubau gedacht wurde. 1902 konnte mit dem Bau an der Friedrichstrasse begonnen werden. Neben den für den Geschäftsgang wichtigen Räumen so der Raumbedarfsplan auch eine Wohnung für den Polizeipräsidenten vor. Für diesen waren '12 Räume in der 1. Etage mit Balkon als Dienstwohnung (...) nebst Küche mit Vorratskammer, 1 Diener- und 4 Dienstbotenzimmer' vorgesehen (Rolke, W.: 15. Juli 1979 - das Polizeipräsidium wird 75 Jahre alt, in: 1904-1979, 75 Jahre Polizeipräsidium Wiesbaden, Wiesbaden 1979, S. 11-15, 11). 1904 konnte das Gebäude schließlich bezogen werden. Den 1. Weltkrieg überstand das Gebäude ohne Beschädigungen. Im 2. Weltkrieg erhielt das Präsidium in der Nacht zum 3. Februar 1945, als der größte Fliegerangriff auf Wiesbaden geflogen wurde und etwa 5000 Opfer forderte, einen Volltreffer. Von dem ursprünglichen Gebäudebestand blieb nur der Bereich ab Haupteingang, der an die Friedrichstrasse grenzt, stehen. Erst 10 Jahre nach Kriegsende, im Februar 1955, wurden die letzten Instandsetzungs- und Neubaumassnahmen beendet und das Präsidium konnte wieder bezogen werden. Das Gebäude diente bis 2004 der Leitung der Wiesbadener Polizei als Dienstsitz (Dto., S. 15). Im Oktober 2004 bezog das Polizeipräsidium dann den Neubau am Konrad-Adenauer-Ring 51.
Im Februar 2005 wurde das neue Dienstgebäude offiziell eingeweiht. Dieses Gebäude wurde 1939 als Wehrmachts-Lazarett errichtet. Ab 1945 übernahm die US-Army den Gebäudekomplex und führte ihn bis 1993 als General-Hospital. 1997 erwarb das Land Hessen die Gebäude vom Bund für 35 Millionen DM.
Polizeipräsidenten in Wiesbaden
April 1945-Juli 1945: Albert Noehl
1945-1948: Magnus Heimannsberg
1948-1963: Herbert Becker
1963-1985: Dr. Karl Ender
1985-1987: Dr. Horst Schedler
1987-1991: Woldemar Kentmann
1991-1995: Wolfhart Hoffmann
1995-1999: Norbert Thomas
1999-2010: Peter Frerichs
seit 2010: Robert Schäfer

Enthält 

0,5 m Gefangenenbücher des Polizeigefängnisses 1945-1950.

Literatur 

Polizei in Hessen, hrsg. vom Hessischen Minister des Innern, Wiesbaden 1980.

Büttner, W.: Mainzer Polizeigeschichte, Alzey 1996.

Daluege, K.: 'Tag der Deutschen Polizei 1934', München/Berlin 1935.

Findmittel 

Kartei

Online-Datenbank (Arcinsys)

Weitere Angaben (Bestand)

Deskriptoren 

Wiesbaden

Polizei