StadtA WI Fonds NL 38

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Description: Fonds

Identification (short)

Title 

Krüger, Paul (1903-1990)

Life span 

1897 - 1993

Fonds data

Custodial history 

Der Nachlass wurde dem Stadtarchiv Wiesbaden am 15. März 1994 durch den Sohn Hermann Krüger übergeben. Es handelt sich dabei lediglich um einen kleinen Restnachlaß. Der überwiegende Teil des Schriftgutes Krüger muss als verschollen gelten. Seine politisch brisanten Akten aus seiner Zeit als KPD-Funktionär bzw. -Landtagsabgeordneter sind - nach Äußerung Krügers gegenüber Dr. Volker Eichler vom Hessischen Hauptstaatsarchiv im Jahr 1986 - unmittelbar nach dem KPD-Verbot 1956 entweder vernichtet oder beiseite geschafft, d.h. wohl in die DDR "in Sicherheit" gebracht worden.

Gleichwohl birgt der Nachlass nicht weniges lokal- und landesgeschichtlich bedeutsames Material, so etwa die Korrespondenzen Krügers als KZ-Häftling (Nr. 4, 5), autobiographische Niederschriften, vor allem solche zum Widerstand gegen das NS-Regime und zum demokratischen Neubeginn 1945/46 (Nr. 1, 8, 21, 38-41), rare Dokumente zur gewerkschaftlichen Reorganisation auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene (Nr. 14-16, 18-21, 23-26, 28-37), zur KPD (Nr. 27, 29, 31, 49, 51, 54), insbesondere eine Restüberlieferung der Wiesbadener KPD-Stadtverordnetenfraktion (Nr. 6, 13, 42-47), zur DKP (Nr. 48) sowie zur VVN-Bund der Antifaschisten und zu anderen Verfolgtenorganisationen (Nr. 7, 9-12, 51-52).

Paul Krüger war bis zu seinem Lebensende überaus aktiv, nicht nur im Rahmen der DKP und der VVN-Bund der Antifaschisten, sondern er hat sich immer wieder Schulklassen und Gruppen junger Gewerkschafter sowie auch der Forschung (Nr. 40) als Zeitzeugen zur Verfügung gestellt. Viele seiner Dokumente und entsprechenden Hinweise haben Eingang gefunden in Dissertationen, Dokumentationen und andere Werke zum antifaschistischen Widerstand bzw. zur Gewerkschaftsbewegung in Wiesbaden und Hessen ab 1945 (siehe: Literaturhinweise). Er war zudem einer jener Arbeiterveteranen, die ihre Erinnerung umfassend und ohne jede fremde Hilfe zu Papier zu bringen vermochten (Nr. 38-39); trotzdem blieben seine Aufzeichnungen - mit Ausnahme von zwei Teilveröffentlichungen (1980, 1983/84) - bisher unpubliziert.

Wiesbaden, im September 1998
A. Ulrich

Zugang
1994, 15.3.1994, Schenkung: Hermann Krüger (Sohn)


Vollständig erschlossen. Die Erschließung des Bestandes erfolgte 1998 durch den wissenschaftlichen Mitarbeiter Axel Ulrich.

(Stand 1998)

History of creator 

Paul Otto Krüger

* 17. Juni 1903 in Wiesbaden

Volksschule, Fachschule für Tiefbau
Bauführer
1919 USPD; Freie Sozialistische Jugend (ab 1920: KJD, ab 1925: KJVD); Naturfreunde
1921 Baugewerksbund
1926 Spielleiter des Arbeiterschachbundes, Ortsgruppe Wiesbaden
1927 Vermessungsgehilfe beim Stadtvermessungsamt Wiesbaden, Übertritt zum Gemeinde- und Staatsarbeiterverband, Heirat
1927 Betriebsratmitglied, Eintritt in die KPD, Leitung von Ortsgruppen des KJVD und der RGO
1929-1933 KPD-Stadtverordneter
1932 Organisator des "Antifaschistischen Ausschusses" in den kommunalen Betrieben
1933 Leiter des RGO-Unterbezirks Wiesbaden
März 1933 Haft im Polizeigefängnis Wiesbaden, desgleichen von Mai bis Dezember 1933 im Zentralgefängnis Freiendiez sowie im KZ Esterwege wegen Widerstandes gegen das NS-Regime
Nach der Entlassung wiederum aktiv im KPD-Widerstand
August 1935 bis Oktober 1938 KZ Esterwegen, anschließend KZ Sachsenhausen
Nach Haftentlassung tägliche Meldepflicht bei der Gestapo, Arbeitszuweisung zur Baufirma Jakob Wiederspahn KG als Erdarbeiter, später dort Tiefbautechniker und Bauführer bis Kriegsende
1945 Reorganisierung der Wiesbadener Gewerkschaftsbewegung, Mitbegründer der Demokratischen Einheitsgewerkschaft Wiesbaden; Mitarbeit im Einheitsausschuß SPD/KPD sowie im Aufbau-Ausschuß Wiesbaden und im Bürgerrat
1946 Geschäftsführender Sekretär der Gewerkschaft Öffentliche Verwaltungen und Betriebe, Bezirk Wiesbaden, später ÖTV
1946 Mitglied des Beratenden Landesausschusses, dann der Verfassungberatenden Landesversammlung Groß-Hessen
1946-1950 Mitglied des Hessischen Landtags; KPD-Landesvorstand
1947 Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN)
1948-1952 KPD-Stadtverordneter, Fraktionsvorsitzender
1952 Versetzung als ÖTV-Sekretär nach Frankfurt; dort bald Übernahme der Rechtsstelle
1959 2.Vorsitzender und stellvertretender Geschäftsführer der Frankfurter ÖTV
1968 Ausscheiden aus dem Berufsleben; Beitritt zur DKP

Zahlreiche ehrenamtlichen Funktionen:
Beisitzer beim Amtsgericht Wiesbaden; ehrenamtlicher Arbeitsrichter in Frankfurt; ehrenamtlicher Landesarbeitsrichter in Frankfurt; ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht in Frankfurt

† 16. Dezember 1990 in Weilrod

Includes  u.a.

Autobiographische Aufzeichnungen und persönliche Papiere, KZ-Korrespondenzen, KPD-Stadtverordnetenfraktion, Reorganisation der Gewerkschaften, Verfolgtenverbände

Literature 

Biographische Literatur

Jochen Lengemann: Das Hessen-Parlament 1946-1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungberatenden Landesversammlung Groß-Hessen und des Hessischen Landtags 1.-11. Wahlperiode. Hrsg.: Präsident des Hessischen Landtags. Frankfurt/M. 1986, S. 312.

Ulrich Seitz: Paul Krüger. Aktiver Gewerkschafter seit 1921. Hrsg.: Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Bezirksverwaltung Hessen. Frankfurt/M. o.J.

Paul Krüger 65 Jahre, in: ötv Informationen. Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Kreisverwaltung Frankfurt/M., 20. JG., Nr. 6, Juni 1968.

aus: Siegfried Mielke (Hrsg.): Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen. Biographisches Handbuch. Bd. 1. Berlin 2002 (Kopie im Findbuch)

Autobiographische Aufsätze

Paul Krüger: Wie wir die Gewerkschaft in Wiesbaden aufgebaut haben, in: Ulrich Schneider u.a. (Hrsg.): Als der Krieg zu Ende war. Hessen 1945. Berichte und Bilder vom demokratischen Neubeginn. Hrsg. im Auftrag der VVN-Bund der Antifaschisten, Landesverband Hessen. Frankfurt/M. 1980, S. 83-93.

ders.: Verfolgung und Wiederstand in Wiesbaden, in Axel Ulrich (Bearb.): Hessische Gewerkschafter im Widerstand 1933-1945. Hrsg.: DGB-Bildungswerk Hessen u. Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des deutschen Widerstandes 1933-1945. 2. Aufl. Gießen 1984, S. 146-151.

Der zweite Aufsatz wurde später in drei Berichte aufgeteilt und nachgedruckt in dem Band Lothar Bembenek , Axel Ulrich: Widerstand und Verfolgung in Wiesbaden 1933-1945. Eine Dokumentation. Hrsg.: Magistrat der Landeshauptstadt Wiesbaden - Stadtarchiv. Gießen 1990, dort: S. 74ff., 112ff., 122ff.


Literatur, die sich zum Teil auf Materialien bzw. Hinweise Krügers stützt

Gerhard Fisch, Fritz Krause: SPD und KPD 1945/46. Einheitsbestrebungen der Arbeiterparteien. Dargestellt an Beispielen aus Südhessen. Frankfurt/M. 1978.

Anne Weiß-Hartmann: Der Freie Gewerkschaftbund Hessen 1945-1949. 2. Aufl., Marburg 1978 (Schriftenreihe für Sozialgeschichte und Arbeiterbewegung, Bd. 2)

Frank Deppe u.a.: Einheitsgewerkschaft. Quellen - Grundlagen - Probleme. Mit umfangreichem Dokumententeil und Fotos. Frankfurt/M. 1982.

Axel Ulrich: Trotz alledem - der 1. Mai blieb rot! Zur Geschichte des 1.Mai in Wiesbaden während der Illegalität 1933-1945. Hrsg.: DGB Kreis Wiesbaden-Rheingau/Taunus. Wiesbaden 1985.

ders.: Ein neues Leben beginnt! Die Gründung der Demokratischen Einheitsgewerkschaft Wiesbaden. Hrsg.: DGB Wiesbaden-Rheingau-Taunus. Wiesbaden 1995.

Finding aids 

Repertorium von Axel Ulrich 1998
Datenbankerschließung in FAUST/Arcinsys seit 2020

Further information (fonds)

Extent 

55 Mappen 1897-1993 (Schwerpunkt: nach 1945)
0,5 lfd.m

Person in charge 

Axel Ulrich, 1998

Descriptors 

Krüger, Paul (1903-1990, Gewerkschafter, Stadtverordneter)