Vollständige Signatur

HStAM, Urk. 75, 2004

Urkunde


Identifikation (Urkunde)


Datierung Datierung
1688 Oktober 26
Originaldatierung Originaldatierung
... daß im iahr nach Christi unsers lieben Herrn undt Seeligmachers geburth sechszehenhundert acht undt achzig in der eilfften römerzinßzahl zu latein indictio genant bey regir- undt herschung des allerdurchleuchtigsten großmächtigsten undt unüberwindtlichsten fürsten undt herrn herrn Leopold dies nahmens deß ersten erwohlten römischen kaysers zu allen zeiten mehrers des reichs ... unßers allergnädigsten herrns seiner kayserlichen mayestät reiche des römischen im 30ten des hungarischen im 33ten undt deß boheimischen im 32ten iahr auff Dienstag den 26ten tag monaths Octobris umb 9 uhr vormittag zue Langenschwarz in der adelichen guttenbergischen burgkh im obern größeren saal nache dem hoff zu gelegen ... [1. Urkunde]; So geschehen zu Fuld den 6ten Iulii anno 1688 [2. Urkunde]; Fuldt den 13ten Ianuarii 1691 [3. Urkunde]

Vermerke (Urkunde)


(Voll-) Regest (Voll-) Regest
Johann Peter Rabich aus Fulda, apostolisch-kaiserlicher und öffentlicher Notar, bekundet, dass er mit den Zeugen bei den im Folgenden geschilderten Handlungen persönlich anwesend gewesen ist, sie gesehen, gehört und protokolliert, das vorliegende Notariatsinstrument über neun Seiten eigenhändig ausgefertigt, darauf sein Notarszeichen gedrückt und mit seinem Namen unterschrieben hat. Handlungsort: Burg Langenschwarz. Vor dem Notar und den Zeugen sind Otto Moritz Wolf von Guttenberg zu Meimbressen, Rittmeister in der Fuldaer Kompanie zu Pferd, sowie Johann Hermann Reinfeld, Doktor beider Rechte und Fuldaer Hofrat, und Johann Guth, Fuldaer Kammerrat, Zahlmeister und Oberschöffe [in Langenschwarz], als Bevollmächtigte des Placidus [von Droste], Abt von Fulda, erschienen und haben in Anwesenheit der einbestellten guttenbergischen Untertanen und Lehnsleute dem Notar ein Requisitionsschreiben überreicht, das der Notar vorgelesen hat. Wortlaut des Schreibens von 1688 Oktober 26: Placidus [von Droste], Abt von Fulda, berichtet dem Notar, dass er 1688 Juli 7 (unterm 7ten Iulii juengsthin) von Otto Moritz Wolf von Guttenberg zu Meimbressen dessen Anteil an den Fuldaer Lehngütern in Langenschwarz, Hechelmannskirchen, Schlotzau, Großenmoor (Mohr) und sonstigen Orten, die zum Gericht Langenschwarz gehören, mit allem Zubehör und allen Rechten für 29000 Gulden Frankfurter Währung gekauft hat. Vom Abt und dem Rittmeister ist der heutige Termin (tagfahrt) angesetzt worden, um die Abtretung bzw. Inbesitznahme der Güter durchzuführen. Die Bevollmächtigten sind vom Abt beauftragt worden, den Handlungen beizuwohnen: die Entbindung der Untertanen und der Lehnsleute von ihren Verpflichtungen gegenüber dem Rittmeister; die Abtretung der Güter; die Abnahme der Landeshuldigung von den Untertanen und Lehnsleuten; die Inbesitznahme der Burg Langenschwarz sowie der genannten Güter. Die Bevollmächtigten bitten im Namen des Abtes den Notar und die Zeugen, unter Eid alle Handlungen zu beobachten, darüber ein Notariatsinstrument auszufertigen und dieses gegen Zahlung einer Gebühr auszuhändigen. Damit der Notar und die Zeugen den Handlungen unparteiisch beiwohnen, entbindet sie der Abt für den Zeitraum der Inbesitznahme von den ihm geleisteten Eiden. Ausstellungsort: Fulda. (Datum den 26ten Octobris anno 1688). Wiedergabe der Namen der Bevollmächtigten: (Iohann Herman Reinfeld, doktor / Iohann Guth, cammerrath). Es folgt eine namentliche Aufzählung der Untertanen des Rittmeisters aus Langenschwarz, Hechelmannskirchen und Schlotzau. Anschließend hat der Rittmeister die anwesenden Untertanen nochmals über den von ihm getätigten Verkauf informiert, sie von ihren Verpflichtungen ihm gegenüber entbunden und sie angewiesen, künftig dem Abt und dem Kloster zu dienen. Er hat dann den Bevollmächtigten die originalen Register der verkauften Güter übergeben und ihnen versprochen, nach vollständiger Bezahlung der Kaufsumme alle übrigen Schriftstücke, die die verkauften Güter betreffen, auszuhändigen. Anschließend hat er den Bevollmächtigten die Schlüssel der Burg gegeben. Die Bevollmächtigten haben darauf den Untertanen und Lehnsleuten den Huldigungseid vorgelesen. Wortlaut des Huldigungseids: Ihr sollt mit Handgelöbnis die Treue versprechen und mit erhobenen Fingern einen Eid auf Gott und sein heiliges Wort schwören, dass ihr Placidus [von Droste], Abt von Fulda, unserem Fürsten und Herrn, treu, gehorsam und dienstbereit seid, Schaden vom Kloster abwendet und das Kloster nach eurem besten Vermögen fördert; Gebote und Verbote des Abtes sollt ihr gehorsam befolgen und ihnen nicht zuwiderhandeln; wenn der Abt gefangen genommen werden oder sterben sollte, sollt ihr nur dem Dekan und dem Konvent von Fulda dienen, bis der Abt wieder freigelassen oder ein neuer Abt mehrheitlich gewählt und euch bekannt gegeben worden ist; ihr sollt euch als getreue Untertanen gegenüber dem Landesherrn verhalten. Anschließend haben alle Untertanen mit Handgelöbnis die Treue versprochen und mit erhobenen Fingern den folgenden Eid geleistet: Alles was mir vorgetragen wurde, habe ich verstanden, und ich werde meine Pflichten ohne Hinterlist treu erfüllen, so wahr mir Gott und sein heiliges Wort helfe. Anschließend haben die Bevollmächtigten den Untertanen den gerade eingetroffenen Johann Philipp Ditmar, Schultheiß in Michelsrombach, als ihren Beamten und Vorgesetzten vorgestellt; sie haben die Untertanen angewiesen, dem Schultheiß den gehörigen Respekt zu erweisen und ihm gehorsam zu sein. Die Bevollmächtigten haben dann dem Schultheiß das originale Register sowie schriftliche Anweisungen übergeben. Die Bevollmächtigten haben darauf vom Rittmeister die Schlüssel angenommen (acceptirt) und symbolisch von der Burg Langenschwarz samt Gebäuden und Rechten Besitz ergriffen; des Weiteren haben sie das Burgtor (hausthür) in die Hand genommen und aufgeschlossen; dasselbe haben sie auch in der unteren Stube gemacht; in der Küche haben sie Feuerholz in den Herd gelegt; im Garten hinter dem Haupthaus haben sie ein Rasenstück (erdenglotz) ausgestochen und Kräuter ausgerissen (abgebrochen); im Wassergraben und dem angeschlossenen Fischteich (fischkasten) haben sie gefischt; aus der Eingangstür des Hofs des Meiers und dem Scheunentor sind Holzspäne geschnitten worden; im Obstgarten ist von einem Baum ein Ast abgebrochen worden; aus dem Schafstall ist ein Holzspan geschnitten worden; aus einem Acker in der Nähe des Gartens ist ein Erdstück und aus einer daneben liegenden Wiese ein Rasenstück gestochen worden; im nahe gelegenen Wald ist aus einem Baum ein Stück herausgeschnitten und in den Wald ein (hundt) [?] gesetzt worden; anschließend sind die Bevollmächtigten in den Garten, der hinter dem Hof der Witwe des [Fuldaer] Kanzlers, [Anna Sabine Johannis], gegenüber der Burg liegt, gegangen und haben dort ebenfalls Äste von einem Baum abgebrochen und Kräuter ausgerissen; bei allen Handlungen haben die Bevollmächtigten gesagt, dass sie hiermit symbolisch von den verkauften Gütern und den damit verbundenen Rechten Besitz ergriffen haben. Weiterhin sind die Bevollmächtigten in die Kapelle (kirchlein) gegangen, wo Wolf (Wolff) Adam Junkurt (Iunckurth), der vom Rittmeister mit der Seelsorge beauftragte Pfarrer, vom Kirchendiener die Kirchenschlüssel hat bringen und den Bevollmächtigten übergeben lassen. Diese haben die Kirchentür aufgeschlossen, den Pfarrer und den Kirchendiener in die Kapelle gebeten und sie geloben lassen, den Abt von Fulda als ihren geistlichen Herrn (ordinarium dieses orths) anzuerkennen. Zum Zeichen der Inbesitznahme des Kirchplatzes und der geistlichen Rechte sind von den Bevollmächtigten die Glocken geläutet worden. Anschließend sind noch einige verspätet eingetroffene Untertanen und Lehnsleute vereidigt worden. Dem [N. N.] [Lücke im Text; Name fehlt], der Meier des Hofs, sind schließlich noch einige Wirtschaftsbücher (gewisse leges oeconomiae eingebundten) übergeben worden; er ist zu sorgfältiger Bewirtschaftung des Hofs ermahnt worden; der Meier hat darauf mit Handgelöbnis die Treue versprochen. Damit ist die Inbesitznahme abgeschlossen worden. Handlungsort: Langenschwarz. (siehe Abbildungen: Seite 1, Seite 2, Seite 3 und 4, Seite 5 und 6, Seite 7 und 8, Seite 9 und 10, Seite 11, Seite 12 und 13, Seite 14, Seite 15 und 16, Seite 17 und 18, Seite 19 und 20, Rückseite; Siegel: Papiersiegel) [2. Urkunde von 1688 Juli 6]: Otto Moritz Wolf von Guttenberg bekundet, dass Placidus [von Droste], Abt von Fulda, seine Güter in Langenschwarz mit allem Zubehör für 25000 Gulden Frankfurter Währung gekauft hat. In der Kaufurkunde wird aber ein Kaufpreis von 29000 Gulden angegeben [vgl. Nr. 2003]. Da der Abt Schulden von Otto Moritz übernimmt, stimmt Otto Moritz einem Kaufpreis von 25000 Gulden Frankfurter Währung zu. Otto Moritz verspricht für sich und seine Erben, die restlichen 4000 Gulden nicht einzufordern. Es werden folgende Zahlungstermine festgesetzt: 1. Am ersten Zahlungstermin sind insgesamt 7250 Gulden fällig; 3000 Gulden erhält der von Löw [?] aufgrund dessen Pfands auf Langenschwarz; 2250 Gulden erhält Otto Moritz' Schwager, von Diepenbrock, zur Tilgung von Schulden vom Gut Meimbressen; 2000 Gulden erhalten die Erben der von Rußwurm (rußwurmischen erben) wegen ihres Pfands auf Langenschwarz. 2. 1688 September 29 (kommenden Michaelis in stehenden [?] iahres) sind bei der Übergabe des Guts Langenschwarz 10500 Gulden den von Dörnberg zur Tilgung von Schulden vom Gut Meimbressen zu zahlen. 3. 1689 April 10 (kommende Ostern deß tausend sechs hundert neun und achzigsten iahres) sind 4250 Gulden zur Tilgung von Schulden vom Gut Meimbressen zu zahlen. 4. 1690 März 26 (nechst folgende tausend sechs hundert unnd neuntzigsten iahr uff Ostern) sind die restlichen 3000 Gulden fällig, die ebenfalls zur Tilgung von Schulden vom Gut Meimbressen verwendet werden sollen. Otto Moritz verspricht, dass er von dem in diesem Jahr anfallenden Sommer- und Winterstroh, das er nicht benötigt, dem Meier [des Abtes] drei Wagen Heu und drei Wagen Grummet liefern wird. Die Felder der verkauften Güter wird er weiterhin bestellen lassen; das Saatgut hat aber der Abt zu liefern. Ankündigung der Unterfertigung und Besiegelung. Handlungsort: Fulda. (siehe Abbildungen: Seite 12 und 13, Seite 14; Siegel: Lacksiegel). [3. Urkunde von 1691 Januar 13:] Otto Moritz Wolf von Guttenberg bekundet, dass ihm die in der Kaufurkunde von 1688 Juli 7 (de anno 1688 denn 7ten Iulii) versprochene Kaufsumme von 29000 Gulden Frankfurter Währung für das Gut Langenschwarz von der Rentkammer des Abtes vollständig bezahlt worden ist und stellt dem Abt, nachdem er bereits Teilquittungen ausgestellt hatte [vgl. die Rückvermerke in Nr. 2003], diese Gesamtquittung aus. Ankündigung der Unterfertigung und Besiegelung. [Handlungsort:] Fulda. (siehe Abbildungen: Seite 19 und 20; Siegel: Lacksiegel)
Unterschriften Unterschriften
([2. Urkunde:] Otto Moritz Wolff von Gutenberg manu propria
[3. Urkunde:] Otto Moritz Wolff von Gutenberg manu propria)
Zeugen Zeugen
[1. Urkunde:] Hermann Grabenau (Herman Grabenaw), Fuldaer Diener (einspenniger)
Anton (Anthon) Grandecker, Kornett in der Kompanie (compagnie) des Rittmeisters [Otto Moritz Wolf] von Guttenberg
Formalbeschreibung Formalbeschreibung
Ausfertigung, Papier, Notarszeichen als aufgedrücktes Papiersiegel [1. Urkunde]; Ausfertigung, Papier, aufgedrücktes Lacksiegel [2. Urkunde]; Ausfertigung, Papier, aufgedrücktes Lacksiegel [3. Urkunde]

Informationen / Notizen


Zusatzinformationen Zusatzinformationen
In dem Konvolut sind drei einzelne Urkunden zusammengeheftet worden, die im Regest in der Reihenfolge der Heftung wiedergegeben werden. Des Weiteren ist in dem Konvolut eine Steuerliste der Untertanen des Gerichts Langenschwarz und eine Berechnung der dem Kloster Fulda zustehenden Steuern enthalten [siehe Abbildungen: Seite 15 und 16, Seite 17 und 18].
Requisitionsschreiben: schriftliche Aufforderung oder Bitte um Rechtshilfe; vgl. DRW XI, Sp. 924 ff.
Grummet oder Grünmat: Gras, das grün gemäht wird. Gemeint ist der zweite und dritte Grasschnitt.
Ein Kornett bezeichnete bis zum Beginn des 19. Jhds. den niedrigsten Offiziersrang in der Kavallerie; er ist vergleichbar mit dem Rang des Fähnrichs in der Infanterie.
Vgl. Nr. 2003.

Repräsentationen

Typ Bezeichnung Zugang Information Aktion
Original Original Detailseite anzeigen
Nutzungsdigitalisat JPG Digitalisat vorhanden Detailseite anzeigen