AdJb Bestand N 38

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Höppener, Hugo, gen. Fidus (1868-1948)

Siehe

Korrespondierende Archivalien

AdJb N 151 Nachlass K.W. Diefenbach u. Familie von Spaun.

Ein weiterer, bereits erschlossener Teilnachlass, befindet sich in der Akademie der Künste, Berlin. Hinzuweisen ist außerdem auf Archive der Fidus-Verleger Fritz Heyder (1882-1941) und Max Bruns (1876-1945). Das Fritz-Heyder-Verlagsarchiv befindet sich ebenfalls in der Akademie der Künste; der Nachlass des Bruns ist ein Depositum im Kommunalarchiv Minden.

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Unter der Signatur N 38 werden vier Teilbestände zusammengefasst. Der Gesamtbestand umfasst 606 Verzeichnungseinheiten, dessen Hauptteil das Depositum der Erbengemeinschaft Andreas Höppener-Fidus und Oliver Haller bildet, das sich seit 1996 im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein befindet (Nr. 1-413, 452-572, 577-606). Zum Depositum zählen neben dem schriftlichen Nachlass auch zahlreiche Fotos und Kunstwerke.
Drei Sammlungsbestände, die vom Archiv der deutschen Jugendbewegung angelegt wurden, ergänzen den Nachlass. Dies ist zunächst der Bestand Nachlass Hugo Höppener (jetzt Nr. 414-430). Die früheren Nr. 1-13 waren auf Karteikarten verzeichnet und bilden jetzt die Nr. 414-426. Die bis dahin unverzeichneten Kartons 2 und 3 ('Postkarten, Prospekte, Briefe, div.', 'Nachträge') verteilen sich nun auf die Nr. 427-430. Hierin enthalten sind Beiträge über Hugo Höppener, Originalzeugnisse und Kunstdrucke.
Der zweite Sammlungsbestand ist der Nachlass von Drude Höppener. Die früheren Kartons 1 und 2 tragen jetzt die Nr. 431 und 432. Die Materialsammlung von Petra Stach erhielt die Nr. 433 und wurde dem Nachlass Drude angefügt.
2005 ergänzte eine Schenkung aus dem Nachlass von Hedwig Hanke, der Betreuerin von Gertrud Prellwitz, den Nachlass Hugo Höppeners (Nr. 434-451, 573-576). Die drei Teilbestände, die Eigentum des Archivs der deutschen Jugendbewegung sind, wurden unter dem Klassifikationspunkt 8 'Sammlungen des Archivs der deutschen Jugendbewegung' zusammengefasst.
Die Erschließung des Bestandes warf zwei besondere Probleme auf: Bei einer Künstlerpersönlichkeit wie Fidus lassen sich private und berufliche Aktivitäten sowie künstlerische und verlegerische Tätigkeit nicht in aller Schärfe trennen. Überschneidungen und Unschärfen einzelner Klassifikationspunkte waren daher unvermeidlich. Außerdem enthält der Bestand nicht nur Material der Provenienz Hugo Höppeners; es finden sich ebenso Teilnachlässe anderer Familienmitglieder, insbesondere seiner Frau Elsa, sowie weiterer Personen, die im Fidus-Haus lebten, beispielsweise von Gertrud Prellwitz und Franz Bernoully. Man könnte den Nachlass Höppener mit Einschränkung als den Nachlass einer Lebens- und Hausgemeinschaft bezeichnen. Wo es sinnvoll und mit vertretbarem Aufwand möglich erschien, wurden diese Nachlässe von Einzelpersonen separiert (s. 7.4 'Franz Bernoully', 7.5 'Gertrud Prellwitz'). Besonders problematisch erwies sich die Erschließung der zahlreichen Korrespondenzen. In Anbetracht der begrenzten Projektdauer musste auf eine Neuordnung verzichtet werden. Die vom Nachlasser gebildeten Einheiten wurden daher in aller Regel beibehalten, auch wenn eine Systematik nur partiell zu erkennen war. Um die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen, wurden zumindest die wesentlichen Korrespondenzpartner ermittelt. Nur in wenigen Fällen konnte auch nach thematischen Gesichtspunkten erschlossen werden.
Der künstlerische Nachlass hingegen wurde nach formalen Gesichtspunkten (künstlerische Techniken, Größe der Objekte) neu geordnet. Die Maßangaben der Werke erfolgen nach Breite x Höhe in cm (mit Rahmen bzw. Passepartout).
Der Nachlass Hugo Höppeners war zunächst in einem von Fidus selbst entworfenen Atelier-Wohnhaus in Woltersdorf bei Berlin verblieben, wo sich seine Witwe, Edwin Wilhelmi, Carl Strohmeyer (geb. 1905) und schließlich Helga Wagner (s. Nr. 416) um ihn kümmerte. Bereits 1972 oder 1973 hatte Holger Höppener Janos Frecot eine Vollmacht über den noch vorhandenen Fidus-Nachlass erteilt; dieser war mehrfach im Fidus-Haus gewesen und hatte einen Teil des Nachlasses mit nach Berlin-West genommen (Vermerk, 1.6.74, Dienstakten). Die von Frecot in den 1970er und 1980er Jahren dem Nachlass entnommenen Stücke, zu denen so bedeutende Quellen wie 'Meine Lebenserinnerungen' (von Frecot als 'KLE' zitiert) und zahlreiche Tagebücher gehören, befinden sich noch in der Berlinischen Galerie. Helga Wagner starb 1988. In den 1990er Jahren wurde der Nachlass aus dem Fidus-Haus aufgeteilt: Ein Teil gelangte als Eigentum der Erbengemeinschaft Andreas Höppener-Fidus (3/4) und Oliver Haller (1/4) über die Berlinische Galerie in das Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein. Der zweite Teil ging in das Hallersche Familienarchiv über, das zunächst in der Universitätsbibliothek Potsdam, dann im Kreisarchiv des Oder-Spree-Kreises in Fürstenwalde verwahrt wurde. Im Juli 2006 übernahm Oliver Haller das Hallersche Familienarchiv in Privatbesitz.

Geschichte des Bestandsbildners

* 8.10.1868 in Lübeck, + 23.2.1948 in Woltersdorf.
Maler, Architekt, Schriftsteller u. Verleger.
Hugo Höppener wurde am 8. Oktober 1868 in Lübeck als Sohn des Konditormeisters Julius Höppener und seiner Frau Kamilla geboren. 1887 nahm er das Kunststudium in München auf, das er jedoch bereits nach drei Monaten abbrach, um als Schüler Karl Wilhelm Diefenbachs (1851-1913) die nächsten Jahre in einem stillgelegten Steinbruch in Höllriegelsgereuthe im Isartal zu verbringen. Von Diefenbach erhielt er den Namen 'Fidus', der Getreue. 1889 kehrt er an die Akademie der bildenden Künste nach München zurück. Auf die Lehrjahre folgte in den 1890er Jahren eine sehr intensive und erfolgreiche Schaffensperiode. In München lernte Hugo Höppener den Volkswirtschaftler und Theosophen Wilhelm von Hübbe-Schleiden (1846-1916) kennen, der ihn in die Welt der Theosophie einführte. Ihm folgte Hugo Höppener 1892 nach Berlin.
Entsprachen seine Beiträge für die Zeitschrift 'Jugend' und andere erfolgreiche Arbeiten noch dem Zeitgeist, so geriet er später mit seiner Vorstellung einer nordischen idealen Kunst zunehmend ins Abseits. Daran änderte auch die nationalsozialistische Machtergreifung nichts. Am 1. Mai 1932 trat Hugo Höppener der NSDAP bei und sah sich mit seiner Kunst als Speerspitze der völkischen Bewegung. Die Resonanz der Partei auf seine Arbeiten fiel allerdings ablehnend aus. In der Jugendbewegung jedoch wurde seine Kunst hoch geschätzt und seine Werke erfuhren eine mit Andachtsbildern zu vergleichende Wertschätzung. Hugo Höppener bediente diese Klientel, indem er seine Bilder in der zweiten Hälfte seiner Schaffenszeit stärker vermarktete. Er vertrieb Kunstdrucke verschiedener Preisstufen; für die Jugendbewegung waren besonders die Postkarten erschwinglich.
Im Gegensatz zur künstlerischen Entwicklung scheint im Privatleben Höppeners die zweite Lebenshälfte die glücklichere gewesen zu sein. Aus der 'ideal-freien Ehe' mit Amalie Reich ging 1896 die Tochter Hilde Reich hervor. Wenig später wurde die Verbindung gelöst. 1900 heiratete Hugo Höppener Elsa Knorr, die noch im gleichen Jahr Tochter Trude (später 'Drude' genannt) zur Welt brachte. Diese erlangte in den 1920er Jahren durch die Romane von Gertrud Prellwitz Berühmtheit. 1902 wurde Sohn Holger geboren.
Zwischen 1907 und 1909 baute Hugo Höppener in Woltersdorf-Schönblick bei Berlin ein Atelierhaus mit Wohntrakt, in das 1909 auch seine Familie zusammen mit Gertrud Prellwitz, der 'Gefährtin' von Höppeners Frau Elsa, einzogen.
Elsa Höppener-Fidus starb 1915, worauf Gertrud Prellwitz das Haus verließ. 1922 ging Hugo Höppener mit Elsbet Lehmann-Hohenberg, geschiedene Wagner die dritte Ehe ein, in die Elsbet ihre Tochter Helga mitbrachte.
Hugo Höppener starb am 23. Februar 1948 in seinem Haus in Woltersdorf. Seine Frau Elsbet starb 1976 und überlebte ihn damit um fast 30 Jahre. Helga Wagner kümmerte sich noch bis zu ihrem Tod am 24. Januar 1988 um das Fidus-Haus.
Hugo Höppener führte ein offenes Haus: Freunde, Gönner seiner Kunst und Gehilfen, wie Georg Bauernfeind und Franz Bernoully, wohnten dort für mehr oder weniger lange Zeit. Sie unterstützten ihn auch im 1912 gegründeten St. Georgsbund, der 1927 in den Fidus-Verlag umgewandelt wurde.
Fidus war eine schillernde Persönlichkeit, in der sich verschiedenste Aufbruchsbewegungen der Zeit um 1900 widerspiegeln: Kleiderreform und Freikörperkultur, Tierschutz- und Vegetarierbewegung, Sexualreform, Theosophie und völkisches Gedankengut, Siedlungsreform und Jugendbewegung.

Findmittel

Online-Datenbank ArcInSys

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang

Archivkartons

Bearbeiter

Claudia Zenker-Oertel

Volker Hirsch