StadtA Grün Bestand M2

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Gaststätte Reppchen

Laufzeit

1847-1992

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Die Unterlagen des Bestandes M2 'Gaststätte Reppchen' wurden dem Stadtarchiv Grünberg durch Volker Pfeiff am 9./16. April 2014 übereignet und unter der Zugangsnummer 5/2014 am 4. April 2014 ins Stadtarchiv Grünberg übernommen.
Sie stammen sämtlich aus dem Gebäude der ehemaligen Gaststätte 'Zum Reppchen' bzw. der Anfang des 20. Jahrhunderts betriebenen 'Wirthschaft, Colonialwaaren, Eisen & Kohlen-handlung von Friedrich Repp' in der Londorfer Straße 9. Herr Pfeiff hatte das Haus im Jahr 2013 inklusive des Inventars von den Erben der Vorbesitzerin, Gertrud Emilie Auguste Pöche, geborene Frank, die die Gastronomie zusammen mit ihrem Mann Erich zunächst selbst betrieben und später an verschiedene Personen verpachtet hatte, gekauft und den seit mehreren Jahren geschlossenen Gastraum im Erdgeschoss umgebaut, renoviert und als Restaurant 'Backhaus' 2013 wieder eröffnet.
Die Unterlagen des Bestandes M2 'Gaststätte Reppchen' befanden sich in verschiedenen Zimmern des Gebäudes und sind durch Herrn Pfeiff im baufälligen Dachgeschoss zusammengetragen und deponiert worden. Sie waren sämtlich stark verschmutzt und wiesen alterungs- und lagerungsbedingte Schäden, wie Risse, Verformungen, Verfärbungen und Feuchtigkeitsschäden, auf.

Geschichte des Bestandsbildners

Friedrich Wilhelm Repp (* 2. November 1845 in Homberg/Ohm als Sohn des Daniel und der Charlotte Repp, geborene Groos ; † 2. Juni 1906 in Grünberg), verheiratet mit Katharina Amalie Repp, geborene Heerz, (* 12. Juni 1846 in Frankfurt/Main als Tochter des Bäckers Heinrich Karl Heerz und der Maria Dorothea, geborene Wittlinger; † 10. August 1898 in Grünberg), war ebenso wie sein Sohn Carl Friedrich Wilhelm Repp (* 25. März 1875; † 31. März 1912 in Grünberg) Kaufmann in Grünberg.
Carl Friedrich Wilhelm absolvierte seine Lehre vom 15. Juli 1890 bis 15. Juli 1893 in einem 'Farb, Colonial und Materialwaarengschäft' in Gießen und übernahm im September 1904 zusammen mit seiner Verlobten Elisabethe (Elise) Delp (* 16. Juli 1880 in Darmstadt; † 29. Juli 1948 in Grünberg) die Güter seines Vaters. Carl Friedrich Wilhelm und Elisabethe Repp, geborene Delp, hatten zwei Kinder, Paula Mathilde Anna Repp und Friedrich Joseph Repp.
Paula Mathilde Anna (* 22. Juli 1906) heiratete den Landwirt Karl Christoph Frank aus Grünberg (* 6. Oktober 1898). Deren Tochter Gertrud Emilie Auguste Frank, verheiratete Pöche, vererbte das Gebäude in der Londorfer Straße 9 an ihre Nachfahren.
Von diesen erwarb Volker Pfeiff im Jahr 2013 das mittlerweile baufällige Gebäude, renovierte die Gasträume und eröffnete im gleichen Jahr seine Gaststätte 'Backhaus'.
Der Bestand M2 'Gaststätte Reppchen' enthält neben Informationen zu den Bewohnern des Hauses in der Londorfer Straße 9 auch Unterlagen der Gesellschaft Eintracht, die - den Sitzungsprotokollen zufolge - in wechselnden Grünberger Lokalitäten und so auch öfter in der Gastwirtschaft des Friedrich Repp tagte. Die am 6. Juni 1877 in Grünberg gegründete Gesellschaft Eintracht bezweckte - laut der aus dem Jahr 1902 erhaltenen Satzung - 'die Förderung gesellschaftlicher Unterhaltungen und Vergnügungen in den jüngeren bürgerlichen Kreisen Grünbergs'. Der Verein sollte für ein Beitrittsgeld und einen Beitrag von je einer Mark jedem 'anständigen, jungen Mann, sei er auch fremd, Gelegenheit bieten, sich gesellschaftlichen Verkehr zu erwerben', sofern er 17 Jahre alt war und einen 'guten Ruf' vorweisen konnte.
Die Gesellschaft Eintracht legte in ihrer 'Tanzordnung' 1902 darüber hinaus fest, dass alle 14 Tage 'Tanzvergnügungen' im 'Local […] obere Ziegelhütte bei Grünberg' abgehalten werden sollten. Der Vereinsvorstand und die Mitglieder hatten dafür Sorge zu tragen, 'daß bei den Vergnügungen Anstand und Ordnung' und 'der Carakter als geschlossene Gesellschaft gewahrt' wurde.
Trotz restriktiver Zugangsbedingungen war das Interesse der jungen Grünberger an einer Mitgliedschaft in der Gesellschaft groß. Stetig gingen neue Mitgliedsanträge bei der Gesellschaft ein, über die in den Generalversammlungen befunden wurden. Anfang 1892 betrug die Mitgliederzahl bereits 106 Personen.
Am 16./17. Juli 1927 konnte die Gesellschaft Eintracht ihr 50-jähriges Bestehen in einem großen Festakt feiern und sich mit seinen 300 Mitgliedern als 'der größte Verein […] in unse-rem Städtchen' rühmen. 50 Jahre nach Gründung zeigte man sich auch offener in der Mit-gliederstruktur, indem man auch denjenigen Leuten, 'welche nicht aus dem Bürgerstande sind', Zugang zur Gesellschaft Eintracht gewährte und sich mittels Geselligkeit und Tanzvergnügen die Förderung des Zusammenhalts der Grünberger Jugend und des Kennenlernens 'ohne Standesunterschied' auf die Fahne schrieb. Die Veranstaltungen des Vereins, zu denen neben Bällen auch Ausflüge und Theateraufführungen zählten, fanden dabei hauptsächlich in der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten statt und wurden vom 'Schlußball' um die Gallusmarktzeit gekrönt.

Findmittel

Arcinsys

Findbuch

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang

0,25 lfm

Bearbeiter

Dipl.-Archivarin Marei Söhngen-Haffer M.A., 2014