UniA GI Bestand Zentrale Universitätsverwaltung 1

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Zentrale Universitätsverwaltung 1 (ältere Akten ab dem 16. Jahrhundert)

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Die älteren Akten der zentralen Universitätsverwaltung aus der Zeit vor 1820 wurden 1904/1906 nach der Fertigstellung des damals neuen Bibliotheksgebäudes in die Universitätsbibliothek gebracht. Damit etablierte sich erstmals ein Universitätsarchiv, das abgetrennt von Kanzlei und Sekretariat vorrangig wissenschaftlichen Zwecken dienen sollte. Allerdings kam die geplante Sichtung, Ordnung und Verzeichnung der archivierten Aktenbestände von Anfang an nur sehr schleppend voran, die finanzielle und personelle Ausstattung war alles andere als befriedigend. Dennoch konnten weitere Aktenbestände aus dem 19. Jhdt. und der 1. Hälfte des 20. Jhdts. ins Archiv übernommen werden. Als die Universitätsbibliothek im Dezember 1944 durch einen Bombenangriff völlig zerstört wurde, war auch das in ihren Räumen untergebrachte Archiv davon betroffen. Da zum damaligen Zeitpunkt ein Bestandsverzeichnis fehlte, können die Verluste heute nur anhand der vorhandenen Übelieferungslücken grob geschätzt werden. Zu den verlorenen Unterlagen gehören u.a. die Akten der Administrationskommission aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In den 1960iger Jahren übernahm der pensionierte Bibliotheksoberrat Dr. Erwin Schmidt die Ordnung der Archivbestände und fertigte ein Verzeichnis darüber an, das 1969 gedruckt wurde. Schmidt teilte die vorhandenen Aktenbestände ein in allgemeine Verwaltungsakten der Universität und in die Aktenbestände der vier Fakultäten. Der Bestand "Zentrale Universitätsverwaltung 1"folgt dieser Einteilung und umfasst die von Schmidt als allgemeine Verwaltungsakten bezeichneten Unterlagen.

Geschichte des Bestandsbildners

Die Universität Gießen wurde 1607 von Landgraf Ludwig V. von Hessen-Darmstadt als protestantische Landesuniversität gegründet. Nachdem die Universität Marburg, die zunächst als Samtuniversität für alle hessischen Linien gegolten hatte, 1605 calvinistisch geworden war, sollte die Gießener Gründung die Tradition Landgraf Philipps des Großmütigen im streng lutherischen Glauben fortsetzen. In einem Vertrag von 1627, dem sogen. "Hessischen Hauptakkord" erfolgte die Aufteilung des Marburger Universitätsvermögens unter den beiden Linien Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt. Neben einem Teil der Universitätsgüter, den Einnahmen und Stipendiengelder erhielt die Universität Gießen auch die dazugehörigen Akten und Urkunden. Daher enthält der Bestand "Zentrale Universitätsverwaltung 1" u.a. eine Reihe von Stipendienakten, die weit in das 16. Jhdt. zurückreichen.
Die Universität Gießen war von Anfang an mit den klassischen vier Fakultäten - Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie - ausgestattet. Am Ende des 18. Jhdts. kam zeitweilig eine fünfte, Ökonomische Fakultät hinzu. In ihr wurden neue Disziplinen (Veterinärmedizin, Landwirtschaftswissenschaften u.a..) etabliert, die bis heute das Fächerspektrum der Universität Gießen prägen. Mit dem Wirken des Chemikers Justus Liebigs erfolgte in der ersten Hälfte des 19. Jhdts. ein Ausbau der naturwissenschaftlichen Fächer, die Studentenzahlen stiegen deutlich an. Während des NS-Regimes wurde die Universitätsverwaltung nach dem Führerprinzip umgestaltet, jüdische und politisch mißliebige Wissenschaftler wurden zwangsentlassen, jüdische Studierende vom Studienbetrieb ausgeschlossen. Durch die Bombenangriffe im Dezember 1944 wurde ein Großteil der Universitätsgebäude, der Kliniken und Institute, zerstört. Nach 1945 konnte die Universität Gießen zunächst nur in reduzierter Form als "Justus-Liebig-Hochschule für Bodenkultur und Veterinärmedizin" weiterbestehen. Seit 1957 hat sie wieder den Rang einer Voll-Universität und nennt sich seitdem "Justus-Liebig-Universität".

Enthält

Der Bestand "Zentrale Universitätsverwaltung 1" enthält vor allem Unterlagen aus dem Zeitraum von der Gründung der Universität Gießen im Jahr 1607 bis ca. 1900, in einigen Fällen reichen die Laufzeiten der Unterlagen bis in die erste Hälfte des 20. Jhdts. Er umfasst die Akten der universitären Selbstverwaltung, darunter u.a. Rektorats- und Senatsprotokolle, Unterlagen zum Universitätsvermögen, zu einzelnen Vogteien, zu Stiftungen und Stipendien, zu Universitätsinstituten und -einrichtungen (u.a. Universitätsbibliothek, Kollegiengebäude), zum Verwaltungspersonal der Universität (u.a. Kanzler, Universitätsbuchdrucker und -buchhändler, Ökonomen) sowie Unterlagen zu den Studierenden (hier vor allem die Matrikel und Inscriptionsbücher).

Findmittel

Erwin Schmidt, Universitätsarchiv Gießen. Bestandsverzeichnis, Gießen 1969.
arcinsys.