HHStAW Bestand 1151

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Wiesbadener Volksbildungsverein

Laufzeit

1927-1933

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Zugang 14/1961
Ablieferung von Gustav Klaas aus Uckersdorf/Herborn

Geschichte des Bestandsbildners

Der Wiesbadener Volksbildungsverein entstand im März 1872 als ein Zweigverein der im Jahr 1871 gegründeten Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung in Berlin. Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche derartige Arbeitsbildungs- oder Wohlfahrtsvereine im Zusammenhang mit der beginnenden Industrialisierung und der damit einhergehenden einschneidenden Veränderung im Arbeitsleben der Fabrikarbeiter gegründet. Ein Mitbegründer des Wiesbadener Volksbildungsvereins war der Biebricher Fabrikant Fritz Kalle (1837 bis 1915). Der Volksbildungsverein betrachtete es als sein Ziel, die Bildung breiter Bevölkerungsschichten zu fördern, um deren Erwerbsfähigkeit zu steigern und sie für ihre Aufgaben in Staat und Gesellschaft zu rüsten. Der Verein betrieb vornehmlich die Gründung von Büchereien und entfaltete eine vielfältige Vortragstätigkeit. Dieses Bildungsangebot kann bis heute als Vorläufer der modernen Volkshochschule gelten. Vor diesem Hintergrund und dem Hauptziel des Vereins, der Leseförderung, entstanden die Wiesbadener Volksbücher: Hochwertige Texte, ansprechende Gestaltung und ein günstiger Preis sollten dazu führen, dass die Volksbücher die 'Schundliteratur' aus den Haushalten der Unterschichten verdrängten. Anders als etwa bei Reclams Universal-Bibliothek, die schon seit 1867 ausgesuchte Klassiker in preiswerten Ausgaben zur Verfügung stellte, lag der Schwerpunkt auf zeitgenössischer Literatur und Werken der unmittelbaren Vergangenheit. Die Leser sollten mit Texten erreicht werden, die ihnen sprachlich und gedanklich vertraut waren, um ihnen so den Zugang zu qualitätvoller Literatur zu erleichtern. Erst in späteren Jahren wurden auch Texte älterer Autoren ins Programm genommen. Weiterhin verzichtete man im Programm auf wissenschaftliche oder politische Werke. Es wurden vielmehr besonders Texte berücksichtigt, die einen regionalen Bezug boten, sei es durch die Herkunft der Autoren oder den Schauplatz der Handlung. Die Wiesbadener Volksbücher wurden zu einer Marke, die sich im gesamten deutschen Sprachgebiet verkaufte. Bis zum Jahr 1933 erschienen über 250 Titel, mehr als 13 Millionen Exemplare wurden verkauft. Während des Ersten Weltkriegs konnten jährlich über eine Million Bücher abgesetzt werden. Nach der 'Gleichschaltung' des Volksbildungsvereins im Jahr 1933 wurde er 1936 aufgelöst, das Vereinsvermögen ging an die neu gegründete Deutsche Volksbücher GmbH. Neue Titel widmeten sich besonders der völkischen und pfälzischen Heimatdichtung. 1938 wurde der Verlagssitz nach Stuttgart verlegt, die Reihe jedoch unter dem bekannten Namen weitergeführt. Nach dem Krieg bemühte sich die Stadt Wiesbaden vergeblich darum, die Verlagsrechte zu-rückzubekommen, Lizenzstreitigkeiten mit den Besatzungsmächten erschwerten den Neustart. Dazu kam ein völlig veränderter Buchmarkt - zahlreiche neue Taschenbuchreihen waren in der Nachkriegszeit im Angebot. Heute finden sich einige Exemplare dieser Wiesbadener Buchhandelserfolge in der Sammlung des Stadtmuseums Wiesbaden.

Enthält

Haupt- und Kontobücher des Wiesbadener Volksbildungsvereins, 1927-1933

Literatur

Ursula Brunn-Steiner, Der Volksbildungsverein Wiesbaden: Bibliothekarische Bildungsarbeit im Kaiserreich und in der Weimarer Zeit, Verlag: Stadtarchiv Wiesbaden; Auflage: 1 (1997), 161 Seiten, ISBN-10: 3980290662, ISBN-13: 978-3980290661

Findmittel

Online-Datenbank (Arcinsys)

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang

0,125 lfm

Benutzung

Nutzung nach dem Hessischen Archivgesetz