HWA Fonds 209

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Description: Fonds

Identification (short)

Title 

Dachschiefergewerkschaft Langhecke, Villmar

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Corresponding archival items 

HWA, Abt. 209, Nr. 43 und Nr. 47.
HWA, Abt. 9, Nr. 6874.

Fonds data

Custodial history 

Das Archiv der Dachschiefergewerkschaft Langhecke wurde Anfang 2011 als Depositum des Bergbau- und Stadtmuseums der Stadt Weilburg an das Hessische Wirtschaftsarchiv übergeben.
Der ca. 8,5 lfdm. umfassende Bestand hat eine Laufzeit von 1823-1971. Er setzt damit zeitlich noch vor der eigentlichen Gründung 1857 ein und beinhaltet in diesem Zeitraum vor allem Verleihungs- und Belehnungsurkunden verschiedener Provenienzen, die später in den Besitz der Dachschiefergewerkschaft Langhecke übergegangen sind. Der Überlieferungsschwerpunkt liegt zwischen dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges und enthält überwiegend Unterlagen zum Finanz- und Rechnungswesen, zu Eigentumsverhältnissen, zum technischen Betrieb sowie Pläne und Risse. Ferner sind Personal-, Krankenkassen- und Knappschaftsangelegenheiten überliefert, die u. a. durch Akten des Konsumvereins Langhecke ergänzt werden

History of creator 

Der Dachschieferbergbau in Langhecke besitzt eine lange Tradition, die im 17. Jahrhundert mit dem Abbau oberflächennaher Vorkommen durch ortsansässige Käutner einsetzt. Bedingt durch eine anhaltende Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in der Mitte des 19. Jahrhunderts vereinten sich einzelne Betriebe. 1848 hatte Gustav vom Rath & Co (Duisburg) mit acht Grubenfeldern den größten zusammenhängenden Komplex. Er schloss sich 1857 mit den Bergwerksbesitzern Hermann Hueck (Düsseldorf) und Georg Winter (Höchst a.M.) zur Dachschiefergewerkschaft Langhecke zusammen. Dem Besitz fehlte allerdings der nötige geordnete Zusammenhang und hatte eine zu geringe Ausdehnung. Daher waren weitere Ankäufe nötig.
Mit der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen im Jahr 1866 und dem dadurch nun geltenden preußischen Berggesetz boten sich neue Möglichkeiten. Größere Grubenfelder konnten gemutet und der Besitz so abgerundet werden. Mit Genehmigung des Oberbergamtes Bonn konsolidierten am 4. September 1874 schließlich 28 Einzelfelder unter dem Namen "Dachschiefergewerkschaft Langhecke" (Wilhelm und Otto bei Wolfenhausen, Beschertglück, Preußen, Textor, Theresia, Adelheid, Neruersegen, Carl III. Adler, Unverhoffglück, Blauekaute, Fortuna, Plattenkaute, Wilhelm, Bremser, Sommerberg, Sommerkaute, Zerline, Zampa, Planet und Sonne, alle Langhecke sowie Pauline, Adam, Morgenstern, Herrszeche, Bergmannstrost und Bender, alle Blessenbach). Der Hauptbetrieb lag im Feld Beschertglück. Hermann Hueck, Gustav vom Rath und Georg Winter wurden Hauptanteilseigner der 1.000-teiligen Gewerkschaft, deren Anteile sich folgendermaßen verteilten:
1. Hermann Hueck, Düsseldorf 343 Kuxe
2. Gustav vom Rath, Duisburg 250 Kuxe
3. Georg Winter, Höchst 204 Kuxe
4. Dr. Textor Frankfurt a. M. 78 Kuxe
5. Berginspektor Münster, Limburg 78 Kuxe
6. E. Rath, Kleinheubach 23 Kuxe
und je acht Kuxe an Arnold Herber, Langenschwalbach, Carl Winter, Göttingen und Franziska Winter, Langenschwalbach.
Der Grubenvorstand bildete sich aus Hermann Hueck, Bergverwalter W. Siebeck und E. Rath.
Der Zusammenschluss konnte zwar nicht verhindern, dass die Produktion weiter zurückging, dennoch setzte die Dachschiefergewerkschaft auf langfristige Investitionen, um die zukünftige Produktion abzusichern.
Bereits im Jahr 1877 kam es zu einem Wendepunkt. Die Nachfrage nach deutschem Dachschiefer war bis Ende des Jahres enorm rückläufig. In der Folge musste die Dachschiefergewerkschaft fast die Hälfte ihrer Belegschaft entlassen. Neben der andauernden Gründerkrise und dem damit verbundenen Investitionsrückgang in der Bauindustrie dürften die Ursachen hierfür auch im Aufkommen von billigerem ausländischen Dachschiefer zu suchen sein.
Da sich ausländischer Schiefer immer größerer Beliebtheit erfreute, musste man in Langhecke andere Möglichkeiten zur Umsatzsteigerung finden. So erwarb ab 1880 der Nassauische Schiefer-Aktien-Verein in Frankfurt a.M. Anteile an der Dachschiefergewerkschaft Langhecke (1880 die Kuxe von Georg Winter, 1887 die Kuxe von Dr. Textor und 1887 aus dem Nachlass von Gustav vom Rath 63 Kuxe). Der Verein startete gezielte Kampagnen, um den Absatzmarkt zu erweitern - dieser beschränkte sich bis dahin nur auf das Gebiet bis Wetzlar, Dillenburg, Siegen, Gießen und Homburg. Es begann ein neuer wirtschaftlicher Aufschwung, der aber nie mehr an frühere Erfolge heranreichen sollte. Dennoch pendelten sich Abbaurate und Verkauf auf ein Maß ein, die Anfang des 20. Jahrhunderts Investitionen und Modernisierungen ermöglichten.
Bedingt durch diese Entwicklungen sank auch die Anzahl der bis dato verbliebenen kleinen Zechen in der Langhecke weiter. 1890 gab es neben der Dachschiefergewerkschaft nur noch zwei weitere Betriebe, auf die lediglich acht Prozent der Gesamtproduktion entfielen. Schließlich war im Jahr 1899 die Dachschiefergewerkschaft Langhecke der einzige Schieferabbaubetrieb in der Langhecke.
Einen erneuten Einschnitt markierte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, in dessen Verlauf die Produktion völlig zum Erliegen kam. Nur die notdürftigsten Arbeiten, die eine Wiederaufnahme des Betriebes nach Kriegsende gewährleisteten, konnten aufrechterhalten werden. Durch diese Maßnahme war es möglich, dass die Dachschiefergewerkschaft schon im ersten Nachkriegsjahr ihren Betrieb wieder aufnehmen konnte. 1920 plante man grundlegende Modernisierungsmaßnahmen - die überholten dampfbetriebenen Maschinen sollten durch elektrische ersetzt und die Arbeit unter Tage durch pressluftbetriebene Bohrhämmer erleichtert und rationalisiert werden. Die neu geplante elektrische Anlage konnte bereits Ende 1921 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Diesen technischen Neuerungen stand ein massiver Absatzmangel gegenüber. Bereits 1923 musste man der ganzen Belegschaft kündigen und den Betrieb für drei Monate stilllegen. Auch danach (ab 1. April 1924) konnte der Betrieb nur eingeschränkt fortgeführt werden - im August 1939 kam er schließlich bis Ende des Zweiten Weltkrieges völlig zum Erliegen.
Nach Kriegsende gab es Gesuche an die Dachschiefergewerkschaft, den Betrieb wieder aufzunehmen. Da hierfür die finanziellen Mittel fehlten, erklärte man sich bereit, die Grube Langhecke zu verpachten. Im Jahr 1946 erhielten dann der ehemalige Aufsichtsbeamte Röder ("Oberer Stollen", bereits ab 1948 nicht mehr in Betrieb) und der Ingenieur Werner Folz je einen Teil des Gesamtfeldes als Pächter übereignet.
Ingenieur Folz nahm den Betrieb im "Schöneaussicht-Stollen" unter dem Namen "Langhecker Dachschieferwerke" auf. 1949 firmierte er in "Langhecker Dachschieferwerke, Ing. Werner Folz GmbH" um, ab Oktober 1951 "Schieferwerk Langhecke GmbH". Er betrieb massiven Raubbau, der zunächst eine gute Ausbeute versprach und keine Investitionen benötigte, auf Dauer aber nicht erfolgreich sein konnte.
Anfang März 1954 kam der Betrieb völlig zum Erliegen. Ein eingeleitetes Konkursverfahren musste eingestellt werden, da die Summe der Passiven die der Aktiven um rund 105.000 DM überstieg. Am 27. Oktober 1955 wurde die Stollenöffnung zugemauert und damit das endgültige Aus besiegelt. Am 13. April 1956 wurde die GmbH aus dem Handelsregister gelöscht.

Literature 

Völker, Dietmar, Der Dachschieferbergbau in der Langhecke, in: Nassauische Annalen 89 (1978), S. 163-192.
Völker, Dietmar, Die Geschichte des Dachschieferbergbaus in der Langhecke - unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, unveröff. Fachprüfungsarbeit, Universität Bochum 1976.
Berg- und Hüttenmännische Zeitung, 55. Jg., Nr. 14 vom 3. April 1896, S. 111-113.
Berg- und Hüttenmännische Zeitung, 55 Jg., Nr. 15 vom 10. April 1896, S. 121-123.
Berg- und Hüttenmännische Zeitung, 55 Jg., Nr. 16 vom 17. April 1896, S. 129-131.