HStAM Bestand 76 a

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Präfektur

Laufzeit

1807-1814

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Amtssitz des Präfekten war anfangs der Stadtpalast der Landgrafen von Hessen-Rheinfels-Rotenburg, später die ehemalige Hofapotheke. Nach dem Ende des Königreichs wurde eine 'kurhessische zur Überlieferung und Übernahme der Akten eingesetzte Kommission', kurz Aktenseparationskommission genannt, ins Leben gerufen. Ihr Zweck war die Gliederung der Aktenbestände gemäß den Erfordernissen der restaurierten Landesherren, darunter Preußens, das 1814 in Kassel eine eigene 'königlich-preußische zur Auflösung der Zentralverhältnisse des vormaligen Königreichs Westfalen bestellte Kommission', kurz Zentralauflösungskommission genannt, einsetzte. Beide Kommissionen arbeiteten bis zum Jahre 1819 und untersuchten auch das Fehlen bestimmter Akten; so wurde festgestellt, daß einige Karten bei einem Ofenbrand zu westfälischer Zeit verbrannten, während ältere hessische und paderbornische Akten von den Kindern des letzten Präfekten Piautaz als Spielmaterial benutzt und zerstört worden waren. Die in der Präfektur angelegten Akten waren zum größten Teil in einem heute verschollenen behördlichen Aktenrepertori-um mit alphanumerischem Signaturschema erfaßt, wie Aufschriften auf vielen Akten zeigen (z.B. Repos. G Nr. 69-70, Repert. pag. 415 Nr. 16).
Diejenigen Akten, die von der Separationskommission nicht an andere Staaten abgegeben wurden, blieben in Kassel. Aus diesem Grunde enthält der vorliegende Bestand vor allem Akten, die das gesamte Département oder den Bezirk Kassel betreffen. Nur wenige beziehen sich auf die Distrikte Höxter und Paderborn. 1873 wurden die Akten ins neue Staatsarchiv Marburg überführt, wo die Aktentitel bald darauf - nach einer Verschreibung (1878 statt 1808 bei Nr. 324) möglicherweise 1878 - auf Zettel übertragen wurden. 1940 kamen zwei weitere Pakete unbekannter Provenienz hinzu (Akzession 1940/30). Eine abschließende Verzeichnung aller Präfekturakten wurde im März 2000 vorgenommen.

Geschichte des Bestandsbildners

Artikel 34 und 35 der Verfassung des Königreichs Westphalen vom 15. November 1807 sahen die Gliederung des Staates in Departements unter der Leitung von Präfekten vor. Durch Dekret vom 24. Dezember 1807 wurden die Einteilung und der geographische Umfang der Departements festgelegt. Danach bestand das Fuldadepartement aus einem Teil von Niederhessen, dem Gebiet von Paderborn, dem Gebiet von Corvey, dem Amt Reckenberg, der Grafschaft Rietberg-Kaunitz und dem Amt Münden. Departementshauptort wurde Kassel. Unterteilt wurde das Departement in die Distrikte Kassel, Höxter und Paderborn:
Der Distrikt Kassel bestand aus den Kantonen, Fritzlar, Grebenstein, Gudensberg-Felsberg, Hoof-Niederzwehren, Hofgeismar-Niedermeiser, Karlshafen, Kassel, Kaufungen-Waldau, Körle, Melsungen-Gensungen, Münden, Naumburg, Niedenstein, Obervellmar, Veckerhagen, Wabern, Wolfhagen-Volkmarsen und Zierenberg.
Im Distrikt Höxter lagen die Kantone Albaxen, Beverungen-Borgentreich, Brakel-Vörden, Driburg-Dringenberg, Gehrden, Höxter, Lügde, Nieheim-Steinheim, Ottenstein, Peckelsheim, Rösebeck, Trendelburg und Warburg.
Zum Distrikt Paderborn gehörten die Kantone Atteln-Lichtenau, Büren, Kirchborchen, Lippspringe, Neuenkirchen, Neuhaus-Delbrück, Paderborn, Ringboke (heute Boke), Rietberg, Salzkotten, Wiedenbrück und Wünnenberg.
1811 kam als vierter Distrikt Bielefeld hinzu, nachdem der größte Teil des Weserdepartements an Frankreich abgetreten worden war: Die Kantone des Distrikts Bielefeld waren Bielefeld, Brackwede, Brockhagen, Heepen, Herford, Schildesche und Vlotho. Vor 1810 bestanden auch die Kantone Bünde, Enger, Halle, Versmold und Werther, die Frankreich sodann annektierte.
Das Dekret vom 11. Januar 1808 zur Verwaltungsordnung sah in jedem Departement neben dem Präfekten einen Generalsekretär der Präfektur vor, der auch als Stellvertreter des Präfekten fungierte, einen Präfekturrat und einen Generaldepartementsrat. Der Präfekturrat sollte im Fuldadepartement aus vier und der Generaldepartementsrat aus zwanzig Mitgliedern bestehen.
Nach Paragraph 2 dieses Dekrets war der Präfekt für die gesamte innere Verwaltung zuständig, namentlich Hoheitssachen, allgemeine Verwaltung, Polizeisachen, Unterrichts- und Kultusangelegenheiten, Wirtschaft und Wirtschaftsförderung, Wege- und Kanalbau, Aufsicht über Arbeitshäuser, Gefängnisse und Zuchthäuser und das Gesundheitswesen. Ebenso war er zuständig für das Finanz- und Steuerwesen wie auch Truppenaushebung und -verpflegung. Mit der Aufhebung aller noch bestehenden alten Verwaltungseinrichtungen zum 1. April 1808 gingen alle Geschäfte der allgemeinen Verwaltung auf die Präfekten über, alle streitigen Sachen über Domänen und Steuerangelegenheiten an die Präfekturräte, die als Spruchbehörde in Verwaltungsstreitsachen fungierten. Der Generaldepartementsrat entschied u.a. über die Verteilung der direkten Steuern, über Departementalausgaben und -bedürfnisse.
Die Präfekturbehörde des Fuldadepartements in Kassel bestand aus einem Generalsekretariat und zwei in Büros unterteilte Fachabteilungen mit folgenden Arbeitsgebieten: Abt. I/1 Allgemeine Verwaltung und Domänen, Abt. I/2 Finanzen und öffentliche Bauten, Abt. I/3 Statistik, Bildung, Handel, Kunst, Kultus und Wohlfahrt, Abt. II/1 Direkte und indirekte Steuern und Abt. II/2 Militärische Angelegenheiten und Einrichtungen. Als Präfekten amtierten August Graf von Hardenberg (1808), Georg Johann von Reimann (1808-1812), Friedrich Freiherr von Reineck (1812-1813) und Joseph Marie Piautaz (1813).

Enthält

Der Bestand enthält Akten, die im wesentlichen den Distrikt Kassel betreffen. Es sind nur wenige Akten über das gesamte Departement bzw. über die Distrikte Paderborn und Höxter vorhanden. Die althessischen Gemeinden westlich der Diemel gehörten zum Distrikt Höxter, diejenigen östlich der Weser zum Leinedepartement.

Literatur

Almanach Royal de Westphalie, teilweise dt.: Königlich Westphälischer Hof- und Staatskalender, Kassel 1810-1813

Berding, Helmut: Napoleonische Herrschafts- und Gesellschaftspolitik im Königreich Westfalen (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 7), Göttingen 1973

Berding, Helmut: Napoleonische Herrschaft zwischen Okkupation und Staatsneubildung. Die Regentschaft in Kassel, in: Staat, Gesellschaft, Wissenschaft. Beiträge zur modernen hessischen Geschichte, hrsg. v. Winfried Speitkamp (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 55), Marburg 1994, S. 7-21

Bulletin des Lois du Royaume de Westphalie (Gesetz-Bülletin des Königsreichs Westphalen). Kassel 1808-1813

Rob, Klaus: Regierungsakten des Königreichs Westphalen 1807-1813 (Quellen zu den Reformen in den Rheinbundstaaten 2), München 1992

Weidemann, Johannes: Neubau eines Staates. Staats- und verwaltungsrechtliche Untersuchung des Königreichs Westphalen (Schriften der Akademie für Deutsches Recht), Leipzig 1936

Wilhelm Kohl und Helmut Richtering (Bearb.): Das Staatsarchiv Münster und seine Bestände. I, Behörden der Übergangszeit 1802-1816, Münster 1964, S. 129ff.

Findmittel

HADIS-Datenbank

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang

8,83 MM