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Volkshochschule

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1935 wurde die Volkshochschule unter Umbenennung in Volksbildungsstätte Darmstadt wie alle deutschen Volkshochschulen dem von den Nazis neu gegründeten Deutschen Volksbildungswerk unterstellt, wobei der Trägerverein Volkshochschule Darmstadt e. V. offiziell noch bestehen blieb. Leiter der Volksbildungsstätte war Karl Plagge. Er teilte im Februar 1938 dem Amtsgericht Darmstadt die endgültige Auflösung des Vereins Volkshochschule und den Übergang seiner Tätigkeit auf die NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude innerhalb der Deutschen Arbeitsfront mit. Ihre Wiedergründung erlebte sie im Februar 1946. Die Deutschen sollten sich wieder frei über Fragen von Politik, Gesellschaft und Kultur informieren und austauschen können. Mit der seit Herbst 1946 bestehenden Amerikanischen Bibliothek, dem späteren Amerikahaus, schuf die Militärregierung in Darmstadt eine Institution, die geeignet war, den Prozess der Demokratisierung zu unterstützen. Eine zweite Institution, die in diesem Sinne wirken sollte, war die Volkshochschule. Die organisatorischen Gegebenheiten waren jedoch denkbar schlecht. Die Katastrophe der sogenannten „Brandnacht“ hatte nicht nur den Großteil der Darmstädter Wohnungen, sondern auch fast alle öffentlichen Gebäude, Theater, Konzert-, Ausstellungs- und Veranstaltungssäle zerstört oder stark beschädigt. Volkshochschule zu betreiben, hieß zunächst, Räumlichkeiten dafür zu finden.

Für Wolfgang Steinecke, den seit August 1945 amtierenden Kulturreferenten, galt es zunächst, eine Kulturverwaltung zu errichten. Neben einer Sekretärin war der Angestellte Günther Michel, zunächst mit einer halben Stelle, sein erster Mitarbeiter, den er mit der Begründung einer Volkshochschule betraute. Am 2. Februar 1946 wurde die Volkshochschule, nun in städtischer Trägerschaft, neu eröffnet. Zu den Dozenten zählten Pfarrer und Lehrer, aber auch Politiker wie Oberbürgermeister Ludwig Metzger, Bürgermeister Julius Reiber, Regierungspräsident Ludwig Bergsträßer, der spätere Außenminister Heinrich von Brentano, Büchnerpreisträger Fritz Usinger und Echo-Herausgeber J. S. Dang. In Kooperation mit dem Kulturbund der Gewerkschaft organisierte man außerdem Kurse zur Berufsförderung und Elementarkurse. Offiziere der Militärregierung boten Vorträge in englischer Sprache über die USA und ihre Politik an. Die Zahl der Sprachkurse nahm schon in den 1940er Jahren stetig zu. Trotz der schwierigen Umstände erfuhr die VHS von Beginn an regen Zuspruch, wie sich an den Hörerzahlen ablesen lässt. Eine große Zahl der 36 Kurse musste mehrfach abgehalten werden. Im Herbsttrimester 1946, dem dritten seit Gründung, waren bereits 2.000 Hörer eingeschrieben. Ab 1949 wechselte man, auch im Hinblick auf die „richtige“ Hochschule, auf den Semestertakt.

Seit den 1950er Jahren nahm die Bedeutung der Erwachsenenbildung und mit ihr der Ausbau der Volkshochschule immer mehr zu. Die bildungspolitische Entwicklung in Hessen trug ebenso dazu bei wie auch das Wirtschaftswunder, das Mittel für den Ausbau des Instituts frei setzte bzw. generierte. Eine wichtige Veränderung im Programm der Volkshochschule stellte das Berufsbildungsangebot dar in Verbindung mit der Einführung von Prüfungen und Abschlusszeugnissen, und schließlich Schulabschlüssen. Bereits 1948 versuchte die VHS, eine Abendschule zu etablieren. Hintergrund war, dass Tausenden von Darmstädtern durch Kriegsdienst Gefangenschaft, Vertreibung und wirtschaftliche Not der normale Bildungsweg verschlossen geblieben war und man Ihnen Gelegenheit geben wollte, auch während der Berufstätigkeit das Abitur nachzuholen. Aus diesen Abendkursen ging 1958 das bis heute in städtischer Trägerschaft stehende Abendgymnasium hervor. Außerdem wurde die VHS als Möglichkeit einer sinnvollen Freizeitgestaltung entdeckt. Mit der Möglichkeit, regelmäßig in Urlaub zu fahren, stieg das Bedürfnis nach Sprachkursen an. Zur Freizeitgestaltung gehörten auch Kurse in Handarbeiten, Malen und Zeichnen, Gymnastik, Yoga usw.

Günter Michel begann 1946 mit sich selbst und einer Sekretärin als Personalausstattung der Volkshochschule. Aufgrund der rasanten Entwicklung musste sukzessive Personal aufgestockt, d. h. hauptamtliche pädagogische Kräfte eingestellt werden. Insgesamt führte die Ausweitung des Angebots und die Verschiebung der Programmstruktur zu einer Professionalisierung. Im Jahr 1981 beschäftige die VHS bereits 10 hauptamtliche Beschäftigte. Das größte Problem für einen Ausbau stellte jedoch die lange nicht gelöste Raumfrage dar. Zunächst war die Verwaltung und Leitung im Stadthaus in der Eleonorenschule, ab 1949 in der Diesterwegschule untergebracht. Anschließend saß man sechs Jahre lang im provisorisch wieder hergerichteten Hinterhaus des früheren Sitzes der deutschen Bausparkasse in der Heinrichstraße 2, zusammen mit dem Stadtmuseum, seit 1957 im Gebäude der städtischen Kulturverwaltung in der Adelungstraße.

Erst 1964 konnte die Volkshochschule endlich ein festes Domizil im neu errichteten Justus-Liebig-Haus beziehen. Dabei hatte sie noch Glück gehabt. Das seit 1954 geplante Volkshaus sollte zunächst nur Stadtbibliothek und Stadtmuseum neuen Platz gewähren. Erst ab 1958 nahm man dann die Volkshochschule mit in die Planungen auf und nannte das ganze nun Volksbildungsheim, und nachdem auch die Stadtverordneten noch mit hinein wollten, war das Stadtmuseum der Verlierer. Der Volkshochschule konnte dies egal sein, sie hatte jetzt vier Büros, sechs Unterrichts- und zwei Werkräume. Die Volkshochschule hatte damit erstmals ein eigenes Domizil und konnte dieses in den folgenden Jahren noch erweitern. 1981 konnte man Räumlichkeiten in dem im Zuge des Baus des Cityrings errichteten Neubau in der Holzstraße 7 beziehen und ab 1984 auch im Alten Pädagog.
Diese letzten Schritte fielen schon in das Direktorat von Ingeborg Horn-Steiger, die pünktlich zum Bezug des Liebig-Hauses nach Darmstadt kam, 1965 fest angestellt wurde, 1968 zur stellvertretenden und 1972 nach dem Tod Günter Michels zur Direktorin der VHS ernannt wurde und dieses Amt bis 1990 ausfüllte. In die Zeit von Ingeborg Horn-Staiger fielen viele Neuerungen, die erneut das Profil der Volkshochschule änderten. Sie führte 1965 das Filmforum der Volkshochschule ein, das 1981 bereits 286 Mal veranstaltet wurde. Auch das Fernsehen wurde zunehmend für die VHS-Arbeit eingesetzt. Noch in ihrer Amtszeit bis 1990 begann auch der Siegeszug der EDV, sowohl im eigenen Betrieb als auch in den Kursangeboten. Organisatorisch bedeutete die Ausweitung des Angebots die Neueinstellung pädagogischer Mitarbeiter und auch die Differenzierung in einzelne Fachbereiche. Es wurden Fachbereiche für politische Bildung, für Mathematik – Naturwissenschaften – Technik, für Bildungsberatung und Schulabschlüsse, für Sprachen, für Gesundheit und Sport usw. geschaffen, deren Zuschnitte natürlich so wie die gesamte Volkshochschule einem ständigen Wandel unterworfen waren und weiterhin sind. Neue Grundlagen für die Volkshochschularbeit schufen neben diversen Rahmenplänen und Verbandsempfehlungen zwei Gesetze: Das 1970 verabschiedete hessische Volkshochschulgesetz und das 1974 in Kraft getretene hessische Erwachsenenbildungsgesetz. Diese machten die Arbeit der Volkshochschulen zur kommunalen Pflichtaufgabe, legten Zuschüsse aus der Landeskasse fest und führten 1971 zur Verabschiedung einer städtischen Satzung. Die Volkshochschulen haben durch diese Gesetze eine Art Lebensversicherung erhalten, was natürlich nicht alle Probleme der Finanzen und des Personals löst. Der Zuspruch zur VHS stieg, damit auch die Zahl der Teilnehmenden und der Kurse, wobei das weibliche Geschlecht seit vielen Jahren in der Mehrzahl ist. Deshalb hatte man auch allen Grund, im Jahr 1986 „40 Jahre Wiedergründung der Volkshochschule 1946“ zu feiern. Schlagworte der Volkshochschularbeit bis 2019 sind Dienstleistungsorientierung und Teilnehmerorientierung. Damit verbindet sich eine Ausrichtung an Bedürfnissen der Teilnehmenden, die dem gesellschaftlichen Wandel und dem der Arbeitswelt Tribut zollen, und zur permanenten Veränderung der Programmstruktur führen.

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Archivist in charge 

Rebekka Friedrich